Luke Howard
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Luke Howard (*28. November 1772 in London; † 1864) war von Beruf Pharmakologe und Apotheker in London, beschäftigte sich jedoch zudem intensiv mit der Meteorologie und hatte ein breitgefächertes Interesse an Naturwissenschaften.
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Leben
Sein Vater Robert Howard war ein erfolgreicher Geschäftsmann und gehörte, wie später auch Luke Howard selbst, der Religionsgemeinschaft der Quäker an. Dies ermöglichte es ihm seinen Sohn auf eine Grammar School in Burford nahe Oxford zu schicken. Eine wissenschaftliche Ausbildung nach heutigen Maßstäben erhielt er zwar nicht, jedoch zeigte er schon früh ein besonderes Interesse für Natur und Wetter, speziell jedoch an Wolken. Besonders prägend für ihn waren wohl die ungewöhnlichen Wettererscheinungen des Jahres 1783, die auf Ausbrüche der Vulkane Eldeyjar (Island) und Asama Yama (Japan) zurückzuführen sind. Hinzu kam ein eindrucksvoller Meteor am 18. August des gleichen Jahres. Howard wurde und blieb bis zu seinem Lebensende ein hingebungsvoller Wetterbeobachter, wobei er seine visuellen Beobachtungen auch durch Messung von Temperatur und Luftdruck ergänzte und über einen Zeitraum von 30 Jahren fortwährend durchführte. Howard war dabei jedoch von Beruf kein Wissenschaftler, sondern Geschäftsmann. Mit der "Howards and Sons Ltd." baute er ein Unternehmen zur Herstellung pharmazeutischer Chemikalien auf. Die Meteorologie stellte für ihn nur - nach heutigem Maßstab - ein Hobby unter anderen dar, wobei er selbst hierzu meinte "meteorology was my real penchant".
Werk und Wirkung
Europäische Berühmtheit erlangte er als „Pate der Wolken“ (im englischen Original "Godfather of the Clouds"). In seinem Vortrag On The Modification of Clouds, den er im Dezember 1802 im Plough-Court-Laboratorium vor der Askesian Society in London hielt und der 1803 im Philosophical Magazine XVI veröffentlicht wurde, führte er aus, dass man die Wolken sehr einfach in einige Kategorien einteilen könne. Er legte damit den Grundstein für die noch heutige gültige Klassifikation der Wolken, denn bis zu seiner Zeit galten diese als zu vielgestaltig, komplex und kurzlebig, um sie zu kategorisieren. Die Wissenschaft beachtete sie kaum.
| Wolkenklasse | Abbildung | Definition von Howard |
|---|---|---|
| Cirrus (Federwolke) | Bild:Cirrus over Warsaw, June 26, 2005.jpg | "Parallel, flexuous fibres extensible by increase in any or all directions." |
| Stratus (Schichtwolke) | Bild:St1.jpg | "A widely extended horizontal sheet, increasing from below." |
| Cumulus (Haufenwolke) | Bild:Cumulus clouds in fair weather.jpeg | "Convex or conical heaps, increasing upward from a horizontal base." |
Die von Howard vorgeschlagenen Grundkategorien, von denen er selbst annahm jede Wolke würde zu einer von ihnen gehören, sind in der rechten Tabelle dargestellt. Als vierte Kategorie, für Wolken die im Moment der Beobachtung Niederschlag hervorbrachten, führte er zudem die Bezeichnung Nimbus ein. Howard begnügte sich jedoch nicht allein mit diesen Kategorien. Ihren eigentlichen Nutzen für eine Wettervorhersage sah er vielmehr in der Entwicklung der Wolken von einem Typ zu einem anderen, weshalb er für diese auch Übergangsformen wie Cumulo-stratus definierte.
Wie schon wenige Jahrzehnte zuvor Carl von Linné in der Taxonomie der Lebewesen, nutzte Howard für sein Klassifikationssystem lateinische Namen, da diese international verstanden wurden und - noch wichtiger - ohne Übersetzung genutzt werden konnten. Die im gleichen Jahr, jedoch etwas früher erschienene Publikation Jean-Baptiste de Lamarcks zum gleichen Thema konnte sich nicht durchsetzen, ganz im Gegensatz zu Howards System. Dieses verbreitete sich schnell und fand zahlreiche Unterstützer. Sogar Goethe hörte 1815 von Howard und nutzte fortan dessen Klassifikationssystem, ja er war so begeistert, dass er ihm 1821 eine Hymne über „seine Wolken“ mit dem Titel Howards Ehrengedächtnis widmete und sie, wie auch Howard selbst, zeichnete. Beide traten 1822 in Briefkontakt. Auch hatte Howard einen Einfluss auf die Maler der Romantik, insbesondere William Turner, John Constable und Caspar David Friedrich (durch Goethe, der es sich hierbei mit Caspar überwarf). Die bedeutendste Folge seiner Studie betraf jedoch die empirischen Wissenschaft der Meteorologie als Ganzes, denn nun konnte man in großem Umfange Daten zusammentragen und die Wolken erstmals verstehen lernen.
Neben seiner Arbeit an der Erforschung von Wolken veröffentlichte er auch wichtige Arbeiten zu anderen meteorologischen Themen und war dabei unter anderem ein Pionier der Stadtklimatologie, mit dem ersten Textbuch des Fachgebietes überhaupt, dem The Climate of London aus den Jahren 1818/1819. Mit Seven Lectures on Meteorology ist er zudem der Autor des ersten Textbuchs der Meteorologie. 1821 wurde er aufgrund seiner Verdienste um diese in die Royal Society aufgenommen.
Die wichtigsten Veröffentlichungen Howards in chronologischer Reihenfolge sind:
- Average Barometer. (1800)
- Theories of Rain. (1802)
- On the Modification of Clouds. (1802)
- Beginn des Meteorological Register (1806, Veröffentlichungen im Athenaeum Magazine ab 1807)
- The Climate of London. (zunächst zwei Bände 1818-19, zweite Ausgabe mit drei Bänden 1833)
- Seven Lectures In Meteorology. (gehalten erstmals 1817, veröffentlicht 1837)
- Barometrographia. (1847)
Literatur
- Hamblyn, Richard: Die Erfindung der Wolken - Wie ein unbekannter Meteorologe die Sprache des Himmels erforschte. Frankfurt/M., Insel-Verlag, 2001.



