Land der Berge, Land am Strome
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Das Lied Land der Berge ist seit dem 22. Oktober 1946 die Nationalhymne („Bundeshymne“) der Republik Österreich.
Geschichte der österreichischen Bundeshymne
In verschiedensten Fassungen, als Volkshymne und als Hymne „Sei gesegnet ohne Ende“, war „natürliche“ Hymne Österreichs seit 1797 die Haydn-Hymne gewesen, nach welcher heute die deutsche Nationalhymne „Einigkeit und Recht und Freiheit“ gesungen wird.
Nach der Zeit, als Österreich als Teil des Dritten Reiches als Nationalhymne das Deutschlandlied zusammen mit dem Horst-Wessel-Lied als Hymne sang, wurde die Haydn-Hymne auf Betreiben des Unterrichtsministers Felix Hurdes nicht mehr aufgenommen: Zweifellos würde jeder Österreicher die alte Haydn-Hymne mit einem zeitgemäßen Text schon mit Rücksicht darauf, daß es sich hier um altes österreichisches Kulturgut handelt, für die gegebene österreichische Hymne halten. Leider hatte sich aber das Deutsche Reich dieser Melodie bemächtigt und für die unterdrückten Völker Europas war diese Melodie während der Jahre ihres Leidens als Hymne der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft so verhaßt geworden, daß jedes Abspielen der Haydn-Melodie im Ausland als Provokation empfunden würde. Es ist daher die Wiedereinführung der Melodie Haydns als österreichische Hymne unmöglich.
Nach dem Kriegsende in Wien wurde beim Verkünden der neuen Regierung vor dem Parlament mangels einer Bundeshymne der heute noch als heimliche Bundeshymne bezeichnete Donauwalzer gespielt, worauf auf der Ringstraße alles Walzer tanzte.
1946 wurde daher ein Preisausschreiben veranstaltet. Gegen ein Preisgeld von damals beachtlichen 10.000 Schilling sollte zu einer bereits zuvor ausgewählten Melodie, welche damals Mozart zugeschrieben wurde, der Text für eine neue Bundeshymne verfasst werden, ein Lied hymnischen Charakters, das den neuen österreichischen Bundesstaat und seine Menschen im In- und Ausland sowohl textlich als auch musikalisch würdigt. Parallel dazu nahm Hurdes informelle Kontakte zu österreichischen Schriftstellern auf, um sie zu einer Teilnahme zu veranlassen, darunter auch zu Paula Grogger, Alexander Lernet-Holenia, Sigmund Guggenberger (dem damaligen Verwalter der RAVAG, dem Vorläufer des österreichischen Rundfunks), und Paula von Preradović. Diese letztere war vom Gedanken an einer Teilnahme nicht sehr angetan, weil sie gerade von einem neuen Roman sehr in Anspruch genommen wurde, sagte aber auf nachdrückliches Bitten Hurdes' zu.
Auf das Preisausschreiben erfolgten etwa 1.800 Einsendungen, dreißig davon gelangten in die engere Auswahl. Die Jury ließ als Entscheidungshilfe diese dreißig Vorschläge von einem Schauspieler rezitieren. Am 25. Februar 1947 erfolgte ein Ministerratsbeschluss, der den Text von Paula von Preradović (Land der Berge, Land am Strome) als neue Nationalhymne proklamierte. Am 7. März 1947 erklang die „Volkshymne“ (die Bezeichnung „Bundeshymne“ kam erst später auf) erstmals im Radio. Im Bundesgesetzblatt allerdings ist die Hymne nie abgedruckt worden.
Trotzdem versuchte derselbe Felix Hurdes 1951 einen Vorstoß zur Wiedereinführung der Haydn-Hymne. Auf eine Anfrage im Nationalrat hin ließ er mitteilen, dass er nicht erlahmen (werde), die Bemühungen zur Wiedereinführung der Haydn-Hymne auch in Zukunft fortzusetzen. Hurdes begründete dies mit der Verwurzelung der Haydn-Hymne im Bewusstsein der Bevölkerung, dem Einsatz des jüngst verstorbenen Karl Renner für die Haydn-Hymne und den Bedenken der Jury, dass die Haydn-Hymne überhaupt nicht für eine Nationalhymne in Betracht gezogen worden war. Der Akzeptanz der bis heute im Wesentlichen unangefochtenen Preradovic-Hymne war es am Ende jedoch zweifellos förderlich, dass Deutschland sich 1952 wieder der Haydn-Hymne als deutscher Nationalhymne annahm – wobei in Österreich zunächst sogar der Gedanke aufgekommen waren, Deutschland bei künftigen Staatsvertragsverhandlungen den Gebrauch der Haydn-Hymne zu untersagen, weil es sich um österreichisches Kulturgut handle.
Ein weiterer Vorstoß gegen die Preradović- und für die Haydn-Hymne in einer noch zu bestimmenden Textfassung im Jahr 1959, welche von Künstlern initiiert wurde, fand bei SPÖ und ÖVP keine Unterstützung mehr.
1992 klagten die Söhne Paula von Preradović', Otto und Fritz Molden, auf Tantiemenzahlungen gegen die Republik. Die Klage wurde allerdings abgewiesen, da die Dichterin damals das Preisgeld von 10.000 Schilling erhalten hatte.
Bemühungen von Abgeordneten der Grünen und des Liberalen Forums, der damaligen Frauenministerin Johanna Dohnal (SPÖ) und von Vetreterinnen verschiedener NGOs in den 1990er Jahren, den Text der Bundeshymne dahingehend zu ändern, dass sie, geschlechtsneutral, auch Frauen berücksichtigt, war kein Erfolg beschieden. Auf der Rückseite der Gedenkmedaille „1000 Jahre Österreich“ von 1996 wurde der Text aber mit Heimat, bist du großer Töchter, Söhne wiedergegeben.
Im September 2005 griff Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) diesen Vorschlag auf und startete eine Initiative für einen neuen, geschlechtsneutralen Text der Hymne. Anstatt Heimat bist du großer Söhne soll es nun Heimat großer Töchter, Söhne heißen und statt Einig lass in Brüderchören, Vaterland, dir Treue schwören soll der neue Text Einig lass in freud'gen Chören, Heimatland, dir Treue schwören lauten. Die Neufassung der Hymne sollte bis zum österreichischen Nationalfeiertag am 26. Oktober 2005 fertig gestellt werden.
Die Initiative wurde als innenpolitisches Ablenkungsmanöver interpretiert und scheiterte an der Ablehnnung der Regierungspartei BZÖ, sowie der Parteinahme der auflagenstarken Kronen Zeitung gegen eine Änderung.
Einige Stimmen werden auch dahingehend laut, man solle ein Preisausschreiben wie im Jahre 1946 veranstalten, dies sei jedoch nicht unbedingt notwendig, da es sich nur um zwei Zeilen handelt, die geändert werden sollten. Auch eine Volksabstimmung wird des öfteren gefordert.
„Land der Berge“: Die Melodie
Neunzehn Tage vor seinem Tod am 5. Dezember 1791 schrieb Wolfgang Amadeus Mozart sein letztes vollständiges Werk, die Freimaurerkantate KV 623. Einem Teil der gedruckten Ausgabe war das später sehr bekannte „Kettenlied“ KV 623a mit dem Text Brüder reicht die Hand zum Bunde beigebunden. Nach neueren Erkenntnissen führender Musikwissenschaftler stammt dieses Lied allerdings nicht von Mozart, sondern von einem seiner Logenbrüder, dem „Claviermeister“ Johann Holzer.
Per Ministerratsbeschluss vom 22. Oktober 1946 wurde das „Bundeslied“ Wolfgang Amadeus Mozarts zur Melodie der neuen Bundeshymne erklärt. Die Wiener Zeitung schrieb darüber: Mozart's Bundeslied wird neue Bundeshymne. Im selben Artikel wurden über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Bulgarien, ein Gesetz über die Verwertungsgesellschaften und die Einführung des Kulturschillings bei der Rundfunkgebühr berichtet.
Ursprünglicher Wortlaut der Hymne
(Geänderte Passagen kursiv)
- Land der Berge, Land am Strome,
- Land der Äcker, Land der Dome.
- Arbeitsam und liederreich.
- Großer Väter freie Söhne,
- Volk begnadet für das Schöne,
- Vielgerühmtes Österreich.
- Heiß umfehdet, wild umstritten,
- Liegst dem Erdteil du inmitten
- Einem starken Herzen gleich.
- Hast seit frühen Ahnentagen
- Hoher Sendung Last getragen,
- Vielgeprüftes Österreich,
- Vielgeprüftes Österreich.
- Aber in die neuen Zeiten
- Sieh uns festen Glaubens schreiten,
- Stolzem Muts und hoffnungsreich.
- Lass uns brüderlichen Chören,
- Vaterland dir Treue schwören,
- Vielgeliebtes Österreich.
Wortlaut der Hymne
- Land der Berge, Land am Strome,
- Land der Äcker, Land der Dome,
- Land der Hämmer zukunftsreich!
- Heimat bist du großer Söhne,
- Volk begnadet für das Schöne,
- Vielgerühmtes Österreich,
- Vielgerühmtes Österreich!
- Heiß umfehdet, wild umstritten,
- Liegst dem Erdteil du inmitten
- Einem starken Herzen gleich.
- Hast seit frühen Ahnentagen
- Hoher Sendung Last getragen,
- Vielgeprüftes Österreich,
- Vielgeprüftes Österreich.
- Mutig in die neuen Zeiten,
- Frei und gläubig sieh uns schreiten,
- Arbeitsfroh und hoffnungsreich.
- Einig lass in Brüderchören,
- Vaterland, dir Treue schwören.
- Vielgeliebtes Österreich,
- Vielgeliebtes Österreich.
Slowenischer Text
Da die Slowenen in Kärnten eine anerkannte Minderheit sind, wurde auch ein slowenischer Text der österreichischen Bundeshymne gedichtet.
- Hrabro v novi čas stopimo,
- prosto, verno, glej, hodimo;
- upa polni, delavni.
- Bratski zbor prisega hkrati,
- domovini zvestobo dati.
- Ljubljena nam Avstrija,
- ljubljena nam Avstrija.
Parodien
Paula Preradović' Söhne Otto und Fritz Molden entwarfen noch am selben Abend, als Preradović von der Annahme ihres Textes als Bundeshymne erfuhr, eine Parodie.
- Land der Erbsen, Land der Bohnen,
- Land der vier alliierten Zonen,
- Wir verkaufen dich im Schleich,
- Vielgeliebtes Österreich!
- Und droben überm Hermannskogel
- Flattert froh der Bundesvogel.
Frühere Hymnen Österreichs im Verlauf des 20. Jahrhunderts
Bis 1918
Österreichische Kaiserhymne, auch Volkshymne,
seit 1796
- Melodie: Joseph Haydn
- Text: Johann Gabriel Seidl
1. Strophe (Version von 1918):
- Gott erhalte, Gott beschütze,
- Unsern Kaiser, unser Land!
- Mächtig durch des Glaubens Stütze
- Führt er uns mit weiser Hand!
- Lasst uns seiner Väter Krone
- Schirmen wider jeden Feind.
- Innig bleibt in Habsburgs Throne
- Österreichs Geschick vereint.
1920-1929
Deutschösterreich, du herrliches Land („Renner-Kienzl-Hymne“)
inoffizielle Hymne, die zwar nicht als Nationalhymne beschlossen, aber, neben anderen Liedern, bei feierlichen Anlässen verwendet wurde
- Melodie: Wilhelm Kienzl
- Text: Karl Renner
1. Strophe:
- Deutsch-Österreich, du herrliches Land, wir lieben dich!
- Hoch von der Alm unterm Gletscherdom
- Stürzen die Wasser zum Donaustrom,
- Tränken im Hochland Hirten und Lämmer,
- Treiben am Absturz Mühlen und Hämmer,
- Grüßen viel Dörfer, viel Städte und ziehn
- Jauchzend zum Ziel, unserm einzigen Wien !
- Du herrliches Land, unser Heimatland,
- Wir lieben dich, wir schirmen dich.
1929-1938
Sei gesegnet ohne Ende („Kernstock-Hymne“)
seit der Verfassungsreform 1929 Hymne der Ersten Republik und ab 1933 des Ständestaats
- Melodie: Joseph Haydn (Kaiserhymne)
- Text: Ottokar Kernstock
1. Strophe:
- Sei gesegnet ohne Ende,
- Heimaterde wunderhold!
- Freundlich schmücken dein Gelände
- Tannegrün und Ährengold.
- Deutsche Arbeit, ernst und ehrlich,
- Deutsche Liebe, zart und weich,
- Vaterland, wie bist du herrlich!
- Gott mit dir, mein Österreich!
Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 hörte Österreich bis 1945 auf als eigenständiger Staat zu existieren. Die Hymne des Deutschen Reichs, „Deutschland, Deutschland über alles“ (siehe Deutschlandlied), benutzte die Melodie der früheren österreichischen Kaiserhymne.
Die "heimlichen Hymnen" Österreichs
Mitunter werden verschiedene populäre und bekannte Lieder als „heimliche Hymnen“ bezeichnet, dazu gehören unter anderem:
- Das "Kaiserquartett" von Joseph Haydn, siehe auch Österreichische Kaiserhymnen
- Der "Radetzkymarsch" von Johann Strauß (Vater)
- "An der schönen blauen Donau", Walzer op.314 von Johann Strauß
- Harry Lime-Thema von Anton Karas aus dem Film "Der dritte Mann"
- "Der Bundesbahnblues" von Gerhard Bronner, gesungen von Helmut Qualtinger
- "Schifoan" von Wolfgang Ambros
- "Rock me Amadeus" von Rob Bolland/Ferdi Bolland, gesungen von Falco
- "I am from Austria" von Rainhard Fendrich
Siehe auch
Literatur
Peter Diem Die Symbole Österreichs, Wien 1995, 447 S.
Weblinks
- Audio-Stream der Österreichischen Bundeshymne (Real Player)
- Noten der österreichischen Bundeshymne
- Peter Diem: Die Symbole Österreichs
- Gustav Spann: Fahne, Staatswappen und Bundeshymne der Republik Österreich



