Kyūdō
aus Freepedia, der freien Wissensdatenbank
Kyūdō (弓道, jap., kyū = Bogen, dō = Weg, deutsch: Weg des Bogens) ist die japanische Version des Bogenschießens.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Entwickelt hat sie sich aus den Kriegskünsten des japanischen Adels. Die ersten Zeugnisse für den Gebrauch des Bogens reichen dabei bis in das 4. Jahrhundert nach Christus zurück. Kyudo ist damit die älteste aller japanischen Kampfkünste. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die vielen verschiedenen Schulen vereinheitlicht und zwei vorherrschende Stile entwickelt: Der Shomen Stil, bei dem Wert auf Eleganz gelegt wird und der Shamen Stil, dessen Schwerpunkt in der Schießtechnik liegt. Die Anzahl an Schulen und Stilen ist groß, und auf Grund der gewachsenen Strukturen lässt sich ein einheitliches Bild nur schwer skizzieren. Die verschiedenen Schulen haben unterschiedliche Schwerpunkte (z. B. Dan Grade, Meditation, Technik, Zeremonie, usw.).
Kyudo wird oft mit Zen-Bogenschießen gleichgesetzt, dies ist aber unrichtig. Kyudo ist Bogenschießen und keine reine Meditationsübung, wenngleich in manchen Kyudo Stilen dem meditativen Aspekt ein hohe Rolle zukommt.
Im 16. Jahrhundert verdrängte die Einführung der Feuerwaffen allmählich den Bogen als Kriegswaffe in Japan, jedoch behielt er als ein Instrument für Jagd und Sport und besonders in der Gegenwart als Mittel zur persönlichen Weiterentwicklung seine Bedeutung.
Besonderheiten
Neben der besonderen Übungsmethodik ist vor allem der Bogen auffällig unterschiedlich gegenüber westlichen Sportbögen. So ist der Bogen asymmetrisch geformt, der obere Wurfarm ist deutlich länger als der untere. Der verkürzte untere Arm ermöglicht es auch vom Pferd aus zu schießen. Der Bogen hat weder Zieleinrichtung noch Pfeilauflage. Der Pfeil wird auf der Bogenkante rechts außen aufgelegt, also auf der dem Schützen abgewandten Daumenseite des Bogens; die Sehne wird mit Hilfe eines maßgefertigten Schießhandschuhs mit der Sehnen-Grube an diesem Daumen gezogen. Neben dem eigentlichen Schießen werden eine Reihe zeremonieller Bewegungsformen in traditioneller Kleidung Hakama und Keiko-Gi, bei fortgeschrittenene Schützen auch im Kimono geübt. Einen wichtigen Teil des Trainings nimmt das Üben der Bewegungsabläufe vor dem Makiwara ein. Dabei wird aus nur 2 - 3 m Entfernung auf ein Reisstrohbündel geschossen.
Schusstechnik
Der Pfeil wird bei einer Bogenstärke zwischen 13 - 20 kg horizontal auf das 28 Meter entfernte Ziel, das Mato (Durchmesser 36 cm), abgeschossen. Die asymmetrische Form des Bogens und das Anliegen des Pfeils an der rechten Seite würden den Pfeil beim Lösen nach rechts oben ablenken. Um dieses auszugleichen, muss der Bogen innerhalb einer vierhundertstel Sekunde vor dem Lösen des Pfeils von der Sehne gedreht und geschraubt werden. In Koordination mit den Bewegungen der linken Hand muss die rechte Hand mit dem Handschuh eingedreht werden, um die Sehnengrube freizugeben.
Literatur
- Feliks F. Hoff: Kyudo. Die Kunst des japanischen Bogenschießens, Weinmann, Berlin, ISBN 3-87892-036-9
- Hideharu Onuma: Kyudo. The Essence and Practice of Japanese Archery, Kodansha, Tokyo/New York/London, ISBN 4-7700-1734-0
- Eugen Herrigel: Zen in der Kunst des Bogenschießens, 44. Aufl. Barth, Frankfurt a.M. 2003, ISBN 3-502-61115-7
- Hans Gundermann: Kyudo. Fachausdrücke Japanisch-Deutsch, 2.Aufl.158 Seiten, Selbstverlag
- Hans Gundermann: Kyudo. Yumimokuroku, 100 Seiten, Selbstverlag, ISBN 4-907776-03-9,



