Kurpfalz

aus Freepedia, der freien Wissensdatenbank

Bild:SchlossHeidelberg.jpg Bild:MannheimRheinschanze.jpg Bild:Schwetzingen01.jpg

Kurpfalz ist die historische Bezeichnung für das früher von den Pfalzgrafen bei Rhein beherrschte Territorium. Dass die Bezeichnung heute – vor allem in der Region selbst – noch gebräuchlich ist, hängt vor allem damit zusammen, dass das Kerngebiet der historischen Kurpfalz auf beiden Seiten des Rheins lag und dass die heute im Wesentlichen entlang des Rheins verlaufende Landesgrenze zwischen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz von vielen Menschen der Region als „künstlich“ empfunden wird (siehe auch: Rhein-Neckar-Dreieck).

Inhaltsverzeichnis

Die historische Kurpfalz

Kurpfalz bezeichnet das Gebiet der Pfalz im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation mit der Haupt- und Residenzstadt Heidelberg. Wie bei vielen anderen Territorien des alten Reiches auch, handelte es sich nicht um ein geographisch oder landsmannschaftlich klar abgegrenztes Gebiet, sondern um einen „Flickenteppich“, wie der Blick auf die historische Karte (siehe Weblink) zeigt.

Die Pfalzgrafschaft bei Rhein war von 1198 bis 1623 und von 1648 bis 1806 eines jener Reichslehen, die mit der Kurwürde verknüpft waren (Kurlande). Der Pfalzgraf verfügte daher über eine Stimme im sieben-, später neunköpfigen Kollegium der Kurfürsten, das den König des Heiligen Römischen Reiches wählte. Seit 1512 gehörte das Land zum Kurrheinischen Reichskreis.

Im pfälzischen Erbfolgekrieg (1688 bis 1697) wurden große Teile der Kurpfalz von französischen Truppen verwüstet.

Im Zuge der französischen Koalitionskriege wurde der linksrheinische Teil der Kurpfalz infolge der französischen Besetzung vom rechtsrheinischen Teil abgetrennt. Im Zeitraum 1794 bis 1815 waren die linksrheinischen Gebiete als Teil des Départements Mont-Tonnere (französisch für den Donnersberg) in den französischen Staatsverband eingegliedert.

Die Kurpfalz wurde 1803 nach den französischen Koalitionskriegen im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses aufgelöst. Die rechtsrheinischen Gebietsteile einschließlich der Städte Heidelberg, Mannheim, Schwetzingen und Weinheim wurden überwiegend dem gleichzeitig zum Großherzogtum aufgewerteten Baden zugeschlagen und von Karlsruhe aus regiert.

Im Odenwald gehörten zur Kurpfalz verstreute Territorien, die die Pfälzer Kurfürsten aufgrund ihrer langjährigen Dienste als Vögte des Reichsklosters Lorsch vom Erben des Klosters, Kurmainz, beansprucht hatten, und schließlich durch Kriege und Pfändung unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Diese Gebiete im Odenwald kamen zusammen mit den kurmainzischen Gebieten über das kurzlebige Fürstentum Leiningen 1806 großenteils an Hessen.

Das Kernland der Kurpfalz um Ludwigshafen, Speyer, Landau und Neustadt, heute als Pfalz bekannt, kam zunächst als „Rheinpfalz“ an Bayern, seit 1945 gehört es zum Bundesland Rheinland-Pfalz, die Kurpfalz wurde also für zwei Jahrhunderte dreigeteilt.

Die historische Kurpfalz ist im wesentlichen das Gebiet um die Großstädte Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen, das heute als Metropolregion Rhein-Neckar fungiert.

Die Pfalzgrafen bei Rhein

1156 schenkte Kaiser Friedrich Barbarossa seinem Halbbruder Konrad dem Staufer die Pfalzgrafschaft bei Rhein als erbliches Lehen. Das Wappen der Staufer – der aufrecht stehende goldene Löwe auf schwarzem Grund – ist von da an das Wappen der Pfalzgrafschaft bei Rhein, welches sich bis heute noch in den Landeswappen aller süddeutschen Bundesländer wiederfindet. Als Konrad 1195 starb, erbte sein Schwiegersohn Heinrich I. der Lange aus dem Haus der Welfen die Pfalzgrafschaft bei Rhein.

  • Konrad der Staufer (* 1136; † 1195), Pfalzgraf bei Rhein 1156–1195
  • Heinrich I. der Lange, (* 1173; † 1227), Pfalzgraf bei Rhein 1195–1212
  • Heinrich II. (* 1197; † 1214), Pfalzgraf bei Rhein 1212–1214

Heinrich II. verstarb ohne Erben. Das Lehen wurde von König Friedrich II. an Ludwig von Wittelsbach vergeben.

Die Kurfürsten von der Pfalz

Die Kurfürsten von der Pfalz (Pfalzgraf bei Rhein) stammten aus der Dynastie der Wittelsbacher. 1356 erhielt die Pfalz die Kurwürde und verlor sie 1623. 1649 wurde eine achte Kur an die Pfalz vergeben. Die bayerische Kur erlosch 1777 nach dem Aussterben der Münchner Wittelsbacher; der pfälzische Erbe Karl Theodor führte den Titel eines „Kurfürsten von Pfalz-Bayern“. Die pfälzische Kur erlosch mit ihrer Aufhebung durch den Reichsdeputationshauptschluss.

Zwischen 1623 und 1649 verlor die Pfalz die Kurwürde an den bayerischen Herzog Maximilian I.

Literatur

Weblinks



Views
'Persönliche Werkzeuge
Werkzeuge
Ähnliche Links