Kroatische Sprache

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Kroatisch
Gesprochen in: Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Vojvodina (Serbien), Österreich (Burgenland), Slowenien, Ungarn, Italien (v.a. Molise), andere Länder mit großem kroatischen Einwandereranteil (wie z.B. USA, Kanada, Australien, Deutschland, Schweiz, Argentinien, Brasilien, Chile)
Sprecher: ca. 7 Millionen
Linguistische
Klassifikation:
Offizieller Status
Amtssprache in: Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Vojvodina (Serbien), gewisse Gemeinden im österreichischen Burgenland
Sprachcodes
ISO 639-1: hr
ISO 639-2: scr hrv
SIL: SRC

Das Kroatische ist eine Sprache, die zur südslawischen Untergruppe des slawischen Zweigs der indogermanischen Sprachen zählt.

Kroatisch wird von ca. 7 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen. Kroatisch ist die Amtssprache der Republik Kroatien und eine der drei Amtssprachen in Bosnien und Herzegowina, sowie eine der sieben Amtssprachen in der autonomen Region Vojvodina in Serbien und Montenegro. Außerdem ist die kroatische Sprache auch als Amtssprache in einigen Gemeinden im österreichischen Bundesland Burgenland (kroat. Gradišće) anerkannt, wo bereits seit Jahrhunderten eine kroatische Minderheit lebt (vgl. Burgenlandkroatisch). In Kroatien gaben bei der Volkszählung von 2001, 4.265.081 Menschen (96,12% der Einwohner) das Kroatische als Muttersprache an.

Die kroatische Standardsprache basiert auf dem neuštokavischen Dialekt mit Einflüssen des kajkavischen (kajkavski) sowie des čakavischen (čakavski) Dialektes und verwendet das lateinische Alphabet.

Sie ist in ihren Grundlagen ähnlich mit der serbischen und der bosnischen Standardsprache, da sich alle drei auf der Grundlage des Neuštokavischen entwickelt haben. Früher wurde sie in Jugoslawien und im Ausland oft unter dem Begriff „Serbokroatisch“ zusammengefasst. Dies ist auf das Abkommen von Novi Sad (Serbien) zurückzuführen, in dem 1954 durch die internationalistischen Bestrebungen der kommunistischen Partei hin beschlossen wurde, daß die kroatische, serbische und montenegrinische Sprache nurmehr eine Sprache sind. Gewiß, mit einigen Ausnahmen. Einerseits wurden zwei Aussprachemöglichkeiten anerkannt, die ijekawische und die ekawische Aussprache, andererseits wurde der Gebrauch unterschiedlicher Schriften gestattet, der lateinischen, wie auch der kyrillischen Schrift. Dieser Beschluß führte letztlich zu großem Unmut in der kroatischen Bevölkerung. Beachtenswert ist außerdem, daß es der slowenischen Volksgruppe gelang, diesen Beschluß abzulehnen, sodaß diese ihre sprachliche Eigenständigkeit im Vielvölkerstaat Jugoslawien bewahren konnten.

In Kroatien selbst wurde dieser Begriff "serbokroatisch" aber nur selten verwendet. Wenn man in Kroatien in jugoslawischer Zeit bei der Benennung des Kroatischen die Nähe zum Serbischen berücksichtigen musste, wurde in der Regel der omnivalente und durch die Verfassung Kroatiens seit 1974 vorgegebene Ausdruck „kroatische oder serbische Sprache“ gebraucht. Der Begriff „Serbokroatisch“ („srpskohrvatski“) war in Kroatien bereits sehr früh negativ konnotiert.

Seit der staatlichen Unabhängigkeit Kroatiens wurde die kroatische Standardsprache auch im Ausland weitgehend anerkannt.

Die Wissenschaft, die sich mit der kroatischen Sprache befasst, ist die Kroatistik.

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung und Dialekte

Kroatisch wird von ca. 4,8 Millionen Menschen in Kroatien und in Teilen Bosnien und Herzegowinas, insbesondere in der Herzegowina, Zentralbosnien und des bosnischen Posavina, als Muttersprache gesprochen. Es ist Amtssprache in Kroatien sowie (zusammen mit Bosnisch und Serbisch) in Bosnien und Herzegowina.

Darüber hinaus wird es unter anderem im süditalienischen Molise[1] und im österreichischen Burgenland und in der Vojvodina als regionale Minderheitensprache gesprochen. Das Burgenlandkroatische besitzt jedoch eine eigene schriftsprachliche Norm, die im Gegensatz zu der in Kroatien verwendeten Standardsprache vorwiegend auf dem čakavischen Dialekt aufbaut und auch eine eigene Fachterminologie entwickelt hat.

Die Dialekte des Kroatischen werden in drei Großgruppen eingeteilt, die nach der jeweiligen Form des Fragewortes was (ča, kaj, što) benannt sind: Čakavisch (Kroatisches Küstenland, Istrien, Küstengebiete Nord-und Mitteldalmatiens sowie die meisten Inseln, Burgenland), Kajkavisch (nördlich von Kupa und der oberen Save) und Štokavisch (südliches Dalmatien, Bosnien und Herzegowina und Slawonien). Das Štokavische wird auch von den Bosniaken und der Mehrheit der Serben gesprochen und bildet die Grundlage der kroatischen und ebenso der bosnischen und serbischen Schriftsprache.

Der Language Code ist hr (nach ISO 639); der Code für "Serbokroatisch" war sh (2000-02-18 zurückgezogen).

Alphabet und Aussprache

Die Sprache wird mit dem lateinischen Alphabet mit einigen Sonderzeichen geschrieben.

Das kroatische Alphabet hat 34 Buchstaben:

a, b, c, č, ć, d, dž, đ, e, f, g, h, i, j, k, l, lj, m, n,, nj, o, p, q, r, s, š, t, u, v, w, x, y, z, ž.

Die Buchstaben q, w, x, y kommen nur in fremdsprachigen Eigennamen vor. Die Digraphen dž, lj und nj werden in der alphabetischen Ordnung jeweils als ein einziger Buchstabe behandelt. Es gibt nur eine sehr geringe Anzahl von Wörtern, in denen diese Zeichengruppen zwei getrennte Laute bezeichnen und deshalb als zwei Buchstaben behandelt werden müssen.

Die Sonderzeichen können mit den folgenden Entities erstellt werden (Achtung, das Đ nicht mit dem isländischen Ð verwechseln):

Č: Č č: č
Ć: Ć ć: ć
Đ: Đ đ: đ
Š: Š š: š
Ž: Ž ž: ž

Die Mehrzahl der Buchstaben werden im Großen und ganzen wie im Deutschen ausgesprochen.

Buchstabe Lautschrift Beschreibung
a /a/ wie deutsches a
b /b/ immer stimmhaft
c /ts/ immer /ts/, wie deutsches z
č // tsch
ć // ähnlich wie tch oder tj in Brötchen oder tja; oft schwer vom č zu unterscheiden
d /d/ immer stimmhaft
// dsch wie in Dschungel
đ // sehr weiches dj; oft schwer vom dž zu unterscheiden
e /ɛ/ (im Vergleich mit dem Deutschen) immer offen
f /f/ wie deutsches f
g /ɡ/ immer stimmhaft
h /x/ immer hinteres "ach"-H, recht schwache Friktion
i /i/ wie deutsches i
j /j/ oft wie kurzes, unbetontes i ausgesprochen
k /k/ weniger aspiriert als im Deutschen
l /l/ dumpfer (velarer) als im Deutschen; deutsches l wird oft als lj missinterpretiert
lj /ʎ/ zu einem Laut verschmolzen: palataler lateraler Approximant
m /m/ wie deutsches m
n /n/ wie deutsches n
nj /ɲ/ zu einem Laut verschmolzen: stimmhafter palataler Nasal
o /ɔ/ (im Vergleich mit dem Deutschen) immer offen
p /p/ weniger aspiriert als im Deutschen
r /r/ gerolltes Zungen-r. Kann auch als vokalisches (silbisches) R eine Silbe bilden und dabei lang oder kurz, betont oder unbetont sein. Beispiel: /kr̩k/ (Krk)
s /s/ immer stimmlos wie deutsches ß
š /ʃ/ sch
t /t/ weniger aspiriert als im Deutschen
u /u/ wie deutsches u
v /ʋ/ immer stimmhaft wie deutsches w
z /z/ stimmhaftes s
ž /ʒ/ stimmhaftes sch

Grammatik

Das Kroatische besitzt sieben Fälle (Kasus): neben den auch im Deutschen bekannt Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ sind dies: Vokativ, Instrumental und Lokativ.

Geschichte

Mittelalter

Eine kroatische Schriftsprache begann sich im 9. Jahrhundert parallel zur altkirchenslawischen Sprache, in der die Liturgie gehalten wurde, zunächst auf der Grundlage des Čakavischen zu entwickeln.

Eines der bedeutendsten Schriftzeugnisse aus dieser Zeit ist die Bašćanska ploča aus dem Jahr 1100. Diese in der romanischen St. Lucija-Kapelle nahe der Stadt Baška auf der Insel Krk entdeckte beschriftete Steinplatte trägt eine Inschrift in glagolitischer Schrift. Beschrieben wird die Souveränität des kroatischen Königs Zvonimir als Stifter der Kapelle.

Die mittelalterlichen kroatischen Texte sind in drei verschiedenen Schriften verfasst: in der Glagoliza, der Kyrilliza (deren früher in Teilen Kroatiens und in Bosnien übliche Form als Bosančica bezeichnet wird) und der lateinischen Schrift. Ab dem 16. Jahrhundert setzt sich immer mehr die lateinische Schrift durch.

Die ältesten Dokumente in kroatischer Sprache sind im čakavischen Dialekt verfasst, z. B. der Istarski Razvod (Istrisches Gesetzbuch) aus dem Jahr 1275 und der Vinodolski zakonik (Gesetzbuch von Vinodol), der 1288 verfasst wurde.

Das erste gänzlich im štokavischen Dialekt geschriebene Buch ist der Vatikanski hrvatski molitvenik (Vatikanisches kroatisches Gebetbuch), der in Dubrovnik um das Jahr 1400 entstand.

Das kroatisch-glagolitische Missale Missal kneza Novaka wurde im Jahr 1483 gedruckt und ist somit das erste gedruckte südslawische Buch überhaupt.

Die Entwicklung der Hochsprache in der Renaissance und im Barock

Im Zeitalter der Renaissance wurden in Städten wie Split, Dubrovnik, oder Zadar Schriftstücke in lokalen Dialekten verfasst.

Die ersten Ansätze der Bildung einer Hochsprache schuf Faust Vrančić in seinem Wörterbuch „Dictionarium quinque nobilissimarum Europae linguarum—Latinae, Italicae, Germanicae, Dalmati[c]ae et Ungaricae“ im Jahr 1595. Das erste die Grammatik vereinheitlichende Werk schuf Bartol Kašić: „Institutionum linguae illyricae libri duo“, im Jahr 1604.

Der Jesuit Bartol Kašić übersetzte in den Jahren 1622- 1636 die Bibel in die kroatische Sprache (in den štokavisch-ijekavischen Dialekt). Die Werke von Kašić hatten einen besonders großen Einfluß auf die Entwicklung der kroatischen Hochsprache.

Die bedeutendsten literarischen Vertreter des Barock sind Ivan Gundulić (1589-1638), Ivan Bunić und Junij Palmotić (16071657), die ihre Werke im in Dubrovnik gebräuchlichen ijekavisch-štokavischen Dialekt verfassten. Deren Sprache ist in ihren Grundlagen, ebenso wie die Sprache Kašićs, mit der heutigen kroatischen Standardsprache vergleichbar.

Die Illyrische Bewegung


Nachdem sich vom 17. Jahrhundert bis in die 1830er Jahre im nördlichen Kroatien um Zagreb zunächst eine selbständige kajkavische Schriftsprache entwickelt hatte, wurde seit der Zeit der Illyrischen Bewegung (Illyrismus) unter Führung von Ljudevit Gaj (1809—1872) in den 1830er und 1840er Jahren auch hier das Štokavische zur Grundlage der Schriftsprache. Gleichzeitig legte Gaj die Grundlagen für die heutige kroatische Orthographie.

In seiner im Jahre 1830 veröffentlichten Broschüre „Kratka osnova horvatsko-slavenskog pravopisanja poleg mudroljubneh, narodneh i prigospodarneh temelov i zrokov“ (Kurze Basis der kroatisch-slawischen Rechtschreibung auf philosophischen, nationalen und wirtschaftlichen Grundlagen) schlug Gaj (zunächst noch auf Kajkavisch) vor, wie in der Tschechischen Sprache die Buchstaben č, ž, š, ľ, ň, ď, ˇg zu verwenden, so dass es für jeden Laut einen separaten Buchstaben gäbe. Akzeptiert wurden das č, ž und š; für andere Laute wurden die Digraphe lj, nj, dj oder gj sowie dž eingeführt, und aus dem Polnischen wurde das ć übernommen. Diese Zeichen traten an die Stelle der bis dahin in Kroatien verwendeten Buchstabenkombinationen, die sich teilweise an der ungarischen, teilweise an der italienischen Rechtschreibung orientiert hatten.

Die Illyristen strebten danach, das Štokavische, das sie in Anknüpfung an eine seit der Renaissance bestehende Tradition als Illyrisch bezeichneten, zur gemeinsamen Schriftsprache aller Südslawen zu machen. Gaj und die Illyrische Bewegung stießen im kajkavisch sprechenden Zagreb bei der „Auswahl“ des neoštokavischen Dialektes zur Hochsprache auf nur wenig Widerstand, weil dies nach seinerzeit herrschender linguistischer Meinung lediglich eine Fortsetzung der sprachlichen Tradition aus Dubrovnik und Slawonien bedeutete.

Gaj war seit 1835 in Zagreb Herausgeber der Zeitung „Novine Horvatzke“ (Kroatische Nachrichten), durch die er seine sprachlichen Vorstellungen verbreiten konnte.

Das Wiener Abkommen

Im Jahre 1850 arrangierte der slowenische Linguist Franc Miklošič in Wien ein Treffen zweier serbischer (Vuk Karadžić und Đuro Daničić) und fünf kroatischer Linguisten: Ivan Mažuranić, Dimitrija Demetar, Stjepan Pejaković, Ivan Kukuljević und Vinko Pacel. Alle acht Teilnehmer (einschließlich Miklošič) unterzeichneten dort ein Positionspapier, in dem sie erklärten, dass der štokavisch-ijekavische Dialekt die Grundlage der gemeinsamen Schriftsprache der Serben und Kroaten sein solle und dass die Orthographien des Serbischen und Kroatischen in lateinischer und kyrillischer Schrift so aneinander angepasst werden sollten, dass man direkt aus der einen in die andere transliterieren könne.

Dieses sogenannte „Wiener Abkommen“ wurde zur Zeit des Staates Jugoslawien in offiziellen Geschichtsdarstellungen als Gründungsdokument der Serbokroatischen Sprache angeführt. Diese Behauptung ist jedoch in dieser Form kaum haltbar.

Tatsächlich hatte das „Abkommen“ zunächst keine unmittelbaren Folgen. Alle kroatischen und serbischen Teilnehmer hatten schon vorher das Štokavisch-Ijekavische verwendet, das seit der Revolution von 1848 in Kroatien bereits als Amtssprache verwendet wurde. Im Königreich Serbien und in der Vojvodina jedoch wurde das Ijekavische niemals offiziell eingeführt, da sich Karadžić und Daničić dort zwar mit ihren Vorstellungen einer auf der Volkssprache basierenden Schriftsprache schließlich durchsetzen konnten, man aber den dortigen štokavisch-ekavischen Dialekt als Grundlage beibehielt. Die im „Wiener Abkommen“ vorgeschlagene Angleichung der Rechtschreibregeln wurde zwar schließlich verwirklicht, setzte sich jedoch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts vollständig durch.

Das „Abkommen“ als solches hatte ohnehin keine bindende Wirkung, da es lediglich von Privatpersonen unterzeichnet war und eine Ratifizierung durch staatliche Institutionen nicht stattfand. Es ist deshalb als einer von vielen Diskussionsbeiträgen zu der damals in allen südslawischen Ländern rege geführten Debatte um die künftige Gestaltung der südslawischen Schriftsprache/ Schriftsprachen zu betrachten.

Entwicklung des Kroatischen zur Zeit des jugoslawischen Staates

Die Gründung des Staates Jugoslawien war ein wichtiges Ereignis in der Geschichte der kroatischen Sprache. Das serbisch dominierte Königreich Jugoslawien (19181941) bezeichnete seine Amtssprache offiziell als Serbokroatische Sprache, veröffentlichte jedoch sämtliche Gesetze, Vorschriften und staatlichen Verordnungen in der serbischen Variante des Serbokroatischen, das heißt auf serbisch.

In allen öffentlichen und staatlichen Bereichen (Verwaltung, Schulwesen, Militär) wurde plötzlich die kroatische sprachliche Tradition unterbrochen. Dadurch wurde jedoch keine sprachliche Einheit oder gar ein Normierungsprozess geschaffen.

Zu Beginn des zweiten, sozialistischen Jugoslawien wurde eine Gleichberechtigung aller südslawischen Sprachen eingeführt. Die Gleichberechtigung der kroatischen, slowenischen, makedonischen und serbischen Sprache wurde anfänglich gesetzlich verankert.

Dennoch überwog im öffentlichen Leben z.B. bei der Eisenbahn, Post, staatl. Verwaltung, Tanjug (ehemalige jugoslawische Presseagentur) sowie Teilen der Presse das Serbische innerhalb des Serbokroatischen: Kroatische Wörter wie z.B. povijest (serb. historija), zemljopis (serb. geografija), tisuća (serb. hiljada), siječanj (serb. januar), općina (serb. opština) usw. wurden aus der öffentlichen Verwaltung verdrängt.

Im Frühjahr 1967 verstärkte sich der Widerstand zahlreicher Intellektueller, Schriftsteller (u. a. Miroslav Krleža, Radoslav Katičić u.a.) und kultureller Organisationen gegen die Degradierung der kroatischen Sprache innerhalb Kroatiens. Diese Forderung wurde von der Kommunistischen Partei Jugoslawiens als „nationalistisch“ bezeichnet.

Nach dem „Kroatischen Frühling“ im Jahr 1974 wurde in Kroatien Kroatisch als Unterrichtsfach in den Schulen eingeführt.

Entwicklung seit der Unabhängigkeit 1991

Nach der Unabhängigkeitserklärung 1991 wurde das Kroatische in Kroatien endgültig als eigenständige Sprache anerkannt und der Begriff Serbokroatisch kam außer Gebrauch. Dabei wurde besonders auf dem Gebiet des Wortschatzes die Distanz zum Serbischen betont und eine größere Zahl von Wörtern aus der Zeit vor 1918, die in jugoslawischer Zeit außer Gebrauch gekommen waren, wurden vor allem in offiziellen und normativen Werken wieder eingeführt.

Unterschiede zum Serbischen und Bosnischen

Schrift und Orthographie

Das Kroatische verwendet nur die lateinische Schrift, im Serbischen sind die kyrillische und die lateinische Schrift parallel im Gebrauch, wobei die Kyrilliza meist bevorzugt wird.

Bei fremdsprachlichen Eigennamen wird im Kroatischen die Schreibweise der Ausgangssprache, sofern diese das lateinische Alphabet verwendet, beibehalten. Dagegen wird im Serbischen auch bei Verwendung der lateinischen Schrift phonetisch transkribiert. Im Kroatischen schreibt man also z.B. New York oder Washington, auf Serbisch wird Nju Jork oder Vašington geschrieben.

Lautliche Unterschiede

Alle drei Sprachen verwenden dieselben Phoneme. Einige Wörter unterscheiden sich jedoch in ihrer lautlichen Form. Da die Orthographie strikt phonologischen Grundsätzen folgt, werden diese Unterschiede auch in der Schrift wiedergegeben, so dass sie recht leicht ins Auge fallen. Im Falle des auffälligsten Unterschiedes, desjenigen zwischen ijekavisch und ekavisch (der unterschiedlichen Wiedergabe des urslawischen Lautes jat), verläuft die Grenze jedoch nicht wie in den anderen Fälle zwischen den drei nationalen Varietäten, sondern innerhalb des Serbischen, da auch in Montenegro und von der Mehrheit der Serben in Kroatien und Bosnien und Herzegowina die ijekavischen Formen verwendet werden.

ijekavisch (Kroatisch, Bosnisch und teilweise Serbisch) vs. ekavisch (Serbisch in Serbien):

ijekavisch ekavisch
jat in langen Silben rijeka reka (Fluss)
jat in kurzen Silben mjesto mesto (Ort)
jat vor o htio hteo ([er hat] gewollt)

andere Unterschiede:

Kroatisch Serbisch
h nach u suh suv (trocken)
Wörter vom Stamm opć- općina opština (Gemeinde)

Außerdem gibt es zahlreiche Unterschiede in der Akzentuierung sowohl einzelner Wörter als auch ganzer morphologischer Klassen. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass in großen Teilen des Sprachgebietes sowohl des Kroatischen als auch des Serbischen das in der normativen Grammatik beider Sprachen kodifizierte neuštokavische Akzentsystem sowieso nicht vollständig normgemäß realisiert wird, da es für Sprecher, die als Muttersprache einen Dialekt mit anderer Akzentuierung sprechen, schwer zu erlernen ist, zumal die Betonung auch in der Schrift nicht wiedergegeben wird.

Grammatik

Im Kroatischen wird nach modalen Hilfsverben mehrheitlich die Infinitivkonstruktion gewählt, die im Serbischen und Bosnischen oft mit da (dass) umschrieben wird. Im Serbischen sind aber grundsätzlich jeweils beide Varianten zulässig. Beispiele:

  • Kroatisch: Moram raditi (Ich muss arbeiten)
  • Serbisch: Moram da radim ("Ich muss dass ich arbeite")
  • Kroatisch: Moram vam kazati (Ich muss Ihnen sagen)
  • Serbisch: Moram da vam kažem ("Ich muss dass ich Ihnen sage")
  • Kroatisch: Želim vas informirati (Ich möchte Sie informieren)
  • Serbisch: Želim da vas informišem ("Ich möchte dass ich Sie informiere")

Wortschatz

Einige Beispiele zu Unterschieden im Grundwortschatz:

  • Kroatisch: tjedan, Serbisch: nedjelja/sedmica (Woche)
  • Kroatisch: tisuća, Serbisch: hiljada [aus dem Griechischen] (tausend)
  • Kroatisch: zrak, Serbisch: vazduh (Luft),
  • Kroatisch: hlače, Serbisch: pantalone, hlače (Hose),
  • Kroatisch: sigurnost, Serbisch: ,sigurnost bezbednost (Sicherheit).
  • Kroatisch: grah, Serbisch: pasulj (Bohnen),
  • Kroatisch: časnik, Serbisch: oficir (Offizier),
  • Kroatisch: nožice, Serbisch: makaze (Schere),
  • Kroatisch: kruh, Serbisch: kruh, hleb (Brot),
  • Kroatisch: susjed, Serbisch: sused, susjed, komšija (Nachbar),
  • Kroatisch: svemir, Serbisch: svemir, vasiona (Weltraum),
  • Kroatisch: opušak, Serbisch: pikavac (Zigarettenkippe),
  • Kroatisch: šaka, Serbisch: pesnica (Faust)
  • Kroatisch: glazba, Serbisch: muzika (Musik)
  • Kroatisch: juha, Serbisch: supa (Suppe)
  • Kroatisch: povijest, Serbisch: povest, povijest, istorija (Geschichte)
  • Kroatisch: deka, Serbisch: ćebe regionalbedingt auch deka (Zudecke)
  • Kroatisch: žlica, Serbisch: kašika (Löffel)
  • Kroatisch: cjepivo, Serbisch: vakcina (Impfstoff)
  • Kroatisch: komadić, Serbisch: komadić, parče (Stückchen)
  • Kroatisch: rezati, Serbisch: seći (schneiden)
  • Kroatisch: sjeći, Serbisch: seći
  • Kroatisch: osoba, Serbisch: osoba, lice (Person)
  • Kroatisch: ručnik, Serbisch: peškir (Handtuch)
  • Kroatisch: sat und regional ura, Serbisch: sat, čas (Stunde)
  • Kroatisch: otok, Serbisch: ostrvo (Insel)
  • Kroatisch: ulje, Serbisch: ulje, zejtin (Öl)
  • Kroatisch: vlastit, Serbisch: vlastit, sopstven (eigen)

Einige wenige Begriffe unterscheiden sich im Genus und werden entsprechend auch anders dekliniert. Beispiele:

  • Kroatisch: minuta (f), Serbisch: minut (m) (Minute)
  • Kroatisch: osnova (f), Serbisch: osnov (m) (Grundlage)
  • Kroatisch: planeta (f), Serbisch: planet (m) (Planet)
  • Kroatisch: večer (m), Serbisch: veče (n) (Abend)

Neben unterschiedlichen Wörtern im Grundwortschatz gibt es vor allem bei der Übernahme von Fremdwörtern bedeutende Unterschiede:

  1. Grundsätzlich gibt es im Kroatischen deutlich weniger Fremdwörter, stattdessen werden Neuschöpfungen bevorzugt. Dieser Trend war immer schon vorhanden, wurde aber in den 1990er Jahren aus politischen Gründen zusätzlich verstärkt: zrakoplov - avion (Flugzeug), odrezak - šnicla (Schnitzel), usw. Umgangssprachlich gibt es aber auch auf Kroatisch mehr Fremdwörter als schriftsprachlich (Germanismen und Hungarismen im Norden, venezianische Italienismen an der Küste)
  2. Bei Wörtern griechischer Herkunft ergeben sich Unterschiede, da Kroatisch diese Wörter aus dem Mittellatein übernommen hat, Serbisch dagegen direkt aus dem (byzantinischen) Griechischen: ocean - okean, barbar - varvar, kemija - hemija, Betlehem - Vitlejem, demokracija - demokratija
  3. Im heutigen Kroatischen erhalten neue Fremdwörter mit lateinischer Wurzel fast immer das Suffx -irati, im Serbischen kommen an dieser Stelle auch die Suffixe -ovati und -isati vor: identificirati - identifikovati, informirati - informisati

Literatur

  • Leopold Auburger (1999): Die kroatische Sprache und der Serbokroatismus, ISBN 3-873-36009-8
  • Ivo Frangeš (1999): Die Geschichte der kroatischen Literatur, ISBN 3-412-08995-8
  • Mario Grčević (1997): Die Entstehung der kroatischen Literatursprache, ISBN 3-412-16196-9
  • Miro Kačić (1997): Kroatisch und Serbisch, Irrtümer und Falsifizierungen. In Zusammenarbeit mit Ljiljana Šarić; Übersetzung aus dem Kroatischen Wiebke Wittschen, ISBN 953-6602-01-6
  • Barbara Kunzmann-Müller (2002): Grammatikhandbuch des Kroatischen unter Einschluss des Serbischen, ISBN 3-631-39687-2
  • Milan Moguš (2001): Die Geschichte der kroatischen Literatursprache. Übersetzt von Nicole Emmerich unter Mitarbeit von Mario Grčević, ISBN 953-167-125-7

Weblinks

Bild:Wikipedia-logo.png Wikipedia auf Kroatisch
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