Kontinentalhang

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Der Kontinental(ab)hang (auch Kontinentalabfall, Kontinentalböschung oder Bathyal) ist jener Teil des Kontinentalrandes, an dem sich der Meeresboden (marines Benthal) von der Schelfkante (100 - 200 m Tiefe) bis zum Kontinentalfuß in etwa 2000 - 4000 m Tiefe absenkt. Als Teil des Tiefseebodens wird diese Tiefenzone auch als Batyhal bezeichnet (griech. bathys - Tiefe).

Diese global auftretenden Hänge am Grund der Ozeane verlaufen sehr flach geneigt (1-2°) und eher gleichmäßig, bis sie ab etwa 4 km unter NN in die Tiefseebecken übergehen. Sie bilden eine - auf dem Festland kaum auftretende - Besonderheit im Höhenverlauf der Erdoberfläche, obwohl sie im Durchschnitt in der mittleren Meerestiefe von 2½ km liegen.

Trotz der flachen Neigung dieser bis 200 km breiten "Hänge" kommt es vor, dass ihre Sedimente als Schlammlawine in Bewegung geraten. Nach neuen Forschungen kann dies durch Austritt von Methangas verursacht werden.

Die Schelfe oder Festlandsockel, von denen die einzelnen Kontinentalabhänge ihren Ausgang nehmen, sind teilweise eine Folge des niedrigeren Wasserspiegels während der letzten Eiszeiten.

Inhaltsverzeichnis

Schlammlawinen am Meeresgrund

Im Rahmen des Ocean Drilling Program (ODP) untersuchen Geowissenschafter die Existenz von gefrorenen Gasen (so genannten Gashydraten) an mehreren Kontinentalrändern. Dabei konnte man vor einigen Jahren die Ursache der seltsamen Schlammlawinen klären, die manchmal Schäden an Unterwasserkabeln oder Bohrinseln verursachen.

Auslöser können "Eiskäfige" sein, in denen Methan (oder andere organisch entstandene Gase) durch den hohen Druck und Minusgrade "gefangen" sind. Durch Störungen verschiedener Art beginnen sie aufzuschäumen und destabilisieren die oft nur losen Sedimentschichten - insbesondere meerwärts von Flussmündungen - ähnlich wie bei einer Schnee- oder Staublawine. Vereinzelt stellen Stratigrafen bei Tiefsee-Gesteinen, die bei der alpinen Gebirgsbildung aus dem heutigen Mittelmeer nach Norden verfrachtet wurden, Verwirbelungen fest. Sie werden auf turbide Strömungen solcher Art zurückgeführt; ihre Spuren findet man noch heute in den Voralpen oder im Wienerwald.

Rutschung in Norwegens Eismeer

Die Schlammströme, deren Material noch feiner als jene der flüssigsten Muren sind, können auch geologische Störungen, Erdverwerfungen beziehungsweise Tsunamis (Meereswellen wie nach Erdbeben) auslösen kann. Man spricht hier von sog. "Geo-Hazards". Entsprechende Prozesse haben sich beispielsweise an der Storegga-Rutschung abgespielt, einer mächtigen Schlammhalde am Kontinentalabhang vor dem mittleren Norwegen. Hier trat in einigen kurzen Warmzeiten (seit 40.000 Jahren vor heute) so viel Methan aus, dass der Kontinentalhang in mehreren gewaltigen Lawinen abbrach. Manche Geologen meinen, dass so die Hälfte von Großbritannien entstanden sei.

Gefahren und Chancen

Bei solchen Labilitäten sind auch die für EDV und Internet so wichtigen Seekabel gefährdet. Fachleute der ODP verweisen auf ähnliche Gefahren, wenn heutige Fördermethoden für Erdgas und Erdöl in der Nähe von Gashydratvorkommen Instabilitäten auslösen. Sie könnten Bohrinseln nicht nur in der Nordsee gefährden, sondern auch vor der nordamerikanischen Atlantikküste (Blake Ridge) und vor Oregon, im Golf von Mexiko - wo man schon jetzt (oder demnächst) Erdgas fördert. Ähnliches könnte im Permafrostboden von Westsibirien (Messoyakha-Erdgasfeld) passieren.

Andererseits geben diese Forschungen auch klare Hinweis darauf, welch große Mengen an Kohlenwasserstoffen unter dem Meeresboden lagern. Manche Geotechniker sprechen vom hundertfachen der am Festland förderbaren Menge. Auch in unseren Breiten gibt es solche Quellen: außer Norwegen beispielsweise nordwestlich von Irland, südwestlich von Spanien; sogar im Mittelmeer werden Anreicherungen von Methangasen vermutet.

Siehe auch

Hypsografische Kurve, Schelfzone; Erdgasfeld, Mittelozeanische Schwelle, Schlamm, Staublawine, Tiefseebecken

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