Konstruierte Sprache
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Konstruierte Sprachen oder künstliche Sprachen sind Sprachen, die von einer Person oder einer Gruppe aus verschiedenen Gründen neu entwickelt wurden. Dies unterscheidet sie von den Ethnosprachen, die sich über einen langen Zeitraum im Sprachgebrauch einer ethnischen Gruppe herausgebildet haben. Abgesehen davon unterliegen aber auch die natürlichen Sprachen Planungen und Regelungen (Standardsprache), die mitunter vom alltäglichen Sprachgebrauch abweichen. Allerdings wird in diesen Fällen selten von einer konstruierten Sprache gesprochen.
Die allgemeine Kennung für konstruierte Sprachen nach der internationalen Sprachenstandardisierung ISO 639 - 2 ist der Code art.
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Arten
Die Einteilung der konstruierten Sprachen ist schwierig und nie ganz eindeutig. Im Laufe der Jahrhunderte hat es unzählige Ansätze gegeben Sprachen zu entwickeln. Diese kurze Auflistung von groben Kategorien ist nur eine Einteilung, die auf bekannten Prototypen in der Geschichte der konstruierten Sprachen basiert.
Plansprachen
Plansprachen werden im engeren Sinn jene Sprachen genannt, die dazu gedacht sind, die internationale Verständigung zwischen verschiedenen Kulturen zu erleichtern. Diese Plansprachen nennt man auch „Welthilfssprachen“, von denen Esperanto (1887 von Ludwik Lejzer Zamenhof veröffentlicht), dessen Ableger Ido (1907 von Louis de Beaufront) und Interlingua (1951 von Alexander Gode) als bekannteste Beispiele herauszugreifen sind.
Im weiteren Sinn lassen sich auch sogenannte „logische Sprachen“ zu den Plansprachen zählen. Diese Sprachen sollen eine Kommunikation zwischen Menschen ermöglichen, die möglichst unmissverständlich ist und auf logischen Prinzipien aufbaut. Das bekannteste Beispiel für eine logische Sprache ist Loglan, die in den 1950er-Jahren vom Linguisten James Cooke Brown erfunden wurde, um die sogenannte Sapir-Whorf-Hypothese zu testen. In den 1980er-Jahren spaltete sich eine Gruppe von Brown ab und gründete die Sprache Lojban, die stark auf Loglan aufbaut. 1997 veröffentlichte John Cowan die vollständige Grammatik für diese Sprache.
Neben gesprochenen Plansprachen gibt es auch Gebärdensprachen wie zum Beispiel Gestuno (1973) oder dessen Esperanto-Derivat Signuno (1991), oder auch logografische Sprachen wie die Bliss-Symbole, die 1949 von Charles K. Bliss erfunden wurde.
Geheimsprachen
Die ältesten Sprachkreationen sind wahrscheinlich Geheimsprachen, die erstmals im antiken Griechenland belegt sind. Als älteste konstruierte Sprache mit bekanntem Autor wird oft die Lingua ignota genannt, die im 12. Jahrhundert von Hildegard von Bingen erfunden wurde. Sie wird zu den Geheimsprachen gezählt, da ihr sehr begrenztes Vokabular dazu dient, Wörter aus der Mystik und dem religiösen Leben zu verschleiern.
Die im 13. Jahrhundert geschaffene Sprache der Gauner in Deutschland – das Rotwelsch – gehört ebenfalls wie das Argot in Frankreich zu den Geheimsprachen. Auch das heute noch gesprochene Jenische wird häufig zu den Geheimsprachen gezählt. Auch „Zwillingssprachen“, die zwischen Zwillingsgeschwister eine häufig anzutreffende Kommunikationsform ist, gehören zu den Geheimsprachen, da sie außer den Geschwistern, die sie erfunden haben, meist kein anderer verstehen kann.
Fiktionale Sprachen
Fiktionale Sprachen werden meist zu künstlerischen Zwecken erfunden, häufig als Teil einer fiktiven Welt. Sie finden sich in Literatur oder Film, beziehungsweise in Rollen- oder Computerspielen. Häufig werden fiktionale Sprachen irreführenderweise als fiktive Sprachen bezeichnet. Das täuscht jedoch leicht über die Tatsache hinweg, dass viele fiktionale Sprachen ein vollständiges Vokabular besitzen und ausgeklügelte Regeln bezüglich Syntax und Grammatik im Allgemeinen haben. Vor allem bei den folgenden beiden erstgenannten Beispielen haben sich längst ernstzunehmende Sprechergemeinden etabliert, womit die Sprachen keineswegs nurmehr fiktiv sind.
bekannte Beispiele:
- Quenya und Sindarin – Sprachen der „Elben“ (1950er) nach J. R. R. Tolkien. Um diese Sprachen herum erst – wie Tolkien selbst sagte – sei die gewaltige fiktive Welt „Mittelerde“ entstanden, wie sie in seinem Roman „Der Herr der Ringe“ beschrieben ist (siehe hierzu: Sprachen und Schriften aus Mittelerde).
- Die klingonische Sprache, die 1984 vom Linguisten Marc Okrand für die auf dem Planeten „Qo'noS“ beheimateten „Klingonen“, beziehungsweise für die Fernsehserie „Star-Trek“ von Gene Roddenberry konzipiert wurde.
- Newspeak (dt.: „Neusprech“) – jene Sprache, die die Regierung von „Ozeanien“ in George Orwells Dystopie „1984“ (erschienen 1949) einführt, um sogenannte „Gedankenverbrechen“ in der Bevölkerung zu verhindern. Den Namen „Neusprech“ verwendet man seitdem immer wieder, wenn auf euphemistische Sprachverstümmelung hingewiesen werden soll.
- Nadsat, der englisch-russische Slang der Jugendlichen von Anthony Burgess in dem Buch „A Clockwork Orange“ (1962).
- Die darkovanische Sprache ist die Sprache der Bewohner des Planeten „Darkover“ aus den Sciencefiction-Romanen von Marion Zimmer Bradley. Auch diese Sprache beschränkt sich auf einen spärlichen Wortschatz.
Formale Sprachen
Als Formale Sprachen bezeichnet man sämtliche Sprachen, die durch formale Grammatiken erzeugt werden können. Sie gehören in das Spezialgebiet der theoretischen Informatik und wurden als Konzept vor allem durch die Theorie der generativen Transformationsgrammatik geprägt, wie sie Noam Chomsky in den 1950er-Jahren aufgestellt hat.
Praktische Anwendung finden sie als Programmiersprachen im weitesten Sinne. Mit ihnen ist es möglich, präzise Anweisungen zu formulieren, die ein Computer erkennen und umsetzen kann. Die Anwendungsbereiche sind vielfältig. In Frage kommen Programmiersprachen in der Regel als:
- Assemblersprachen, die direkt auf den jeweiligen Hauptprozessor des Computers zugeschnitten sind und mittels eines Assemblers in Maschinensprache übersetzt werden.
- höhere Programmiersprachen, die im Gegensatz zu Assemblersprachen abstrakte Begriffe beinhalten, was die Les- und Erlernbarkeit enorm steigert. Eine weitere Einteilung kann in „objektorientierte Sprachen“ (wie Java oder C++) beziehungsweise „nicht-objektorientierte Sprachen“ (wie C oder Pascal) getroffen werden.
- Abfragesprachen wie SQL oder XQuery, die in relationalen Datenbanken gebraucht werden.
- Auszeichnungssprachen wie HTML, die es ermöglichen Hypertext mit grundlegenden Formatierungen zu erstellen.
- Formatierungssprachen wie CSS oder LaTeX, mit denen man Texte in jeder erdenklichen Art formatieren kann.
- Modellierungssprachen mit der Unified Modeling Language (UML) als deren Hauptvertreter. Sie erlauben es, Computerprogramme zu planen und zu strukturieren, ohne dabei auf einen linearen Algorithmus angewiesen zu sein. Die Vorteile dieser, meist graphisch orientierten, Sprachen kommen vor allem bei der objektorientierten Entwicklung zum tragen.
Dokumentationssprachen
Dokumentationssprachen sind Sprachen, die zu Zwecken der Dokumentation zur Indexierung von Dokumenten verwendet werden. Sie zeichnen sich durch ein Kontrolliertes Vokabular aus, so dass Homonyme und Synonyme vermieden werden. Sie werden in der Form von Thesauri, Schlagwortsystemen und Systematiken verwendet.
Schriftsprachen
Häufig werden auch einige Schriftsprachen als konstruierte Sprachen angesehen. Dabei handelt es sich meistens um Konventionen, die aufbauend auf einem oder mehreren Idiomen einer Nationalsprache entwicklelt werden und demnach einen eigenen Namen bekommen. Die bekannteren Beispiele sind die norwegischen Sprachen Nynorsk und Bokmål, sowie das rätoromanische Rumantsch Grischun, das 1982 von Heinrich Schmid entwickelt wurde.
Allerdings muss eigentlich jede Verschriftlichung einer Sprache als konstruiert angesehen werden, weil sich eine Schriftsprache niemals direkt, sondern nur durch mehr oder weniger beliebige Konventionen ableiten lässt, die stets von einer Person oder einer kleinen Gruppe eingeführt und überwacht wird.
Spielsprachen
Als Spielsprachen bezeichnet man Modifikationen vorhandener Sprachen, wie sie Kinder und Jugendliche in allen Teilen der Welt häufig verwenden. Sie sind nur in dem Sinn als konstruierte Sprachen zu verstehen, als dass sie zumeist aus einfachen Anweisungen bestehen, wie real existierende Wörter umzuformen sind.
Ein bekanntes Beispiel ist das französische Verlan (Umdrehung von fr.: (à) l'envers, dt.: verkehrt herum), in dem – wie der Name schon sagt – Silben vertauscht werden. Die Löffelsprache ist ein Beispiel aus dem deutschen Sprachraum. Dabei wird nach jedem Vokal ein -lef angehängt, worauf wieder der ursprüngliche Vokal folgt. Das Berner Mattenenglisch funktioniert ähnlich wie das englische Pig Latin. Dabei wird die erste Silbe an den Schluss des Wortes gestellt und an den Anfang und/oder an das Ende des Wortes ein weiterer Vokal hinzugefügt. Rückwärts Sprechen ist ebenfalls ein an verschiedenen Orten beliebtes Sprachspiel.
Diverse
Lingua Cosmica
1960 stellte Hans Freudenthal die Sprache Lincos (Abkürzung von lat.: „Lingua Cosmica“, dt.: „kosmische Sprache“) vor, mit der es möglich sein sollte, mit Außerirdischen in Kontakt zu treten und sich verständigen zu können. Dazu entwickelte er einen schrittweisen mathematischen Aufbau, der es jedem intelligenten Wesen ermöglichen sollte, die Sprache zu lernen.
Voynich-Manuskript
Das „MS 408“ der Universität Yale, besser bekannt als das „Voynich-Manuskript“ (benannt nach dessen Entdecker Wilfrid Michael Voynich) gilt als das geheimnisvollste Schriftstück aller Zeiten. Nur einige Vermutungen sprechen dafür, dass es im 13. Jahrhundert von Roger Bacon verfasst worden sein könnte. Das Manuskript besteht aus 106 Seiten (von denen heute vier fehlen) und ist in einer bis heute nicht entzifferten Sprache in einer unbekannten Schrift verfasst worden. Da bis heute nichts Vergleichbares gefunden worden ist, lässt einiges darauf schließen, dass das Manuskript in einer konstruierten Sprache verfasst worden ist.
Starckdeutsch
Starckdeutsch (auch Siegfriedsch und Kauderdeutsch) ist eine Kunstsprache, die 1972 vom deutschen Maler und Dichter Matthias Koeppel erfunden wurde. Es zeichnet sich besonders durch Verdopplung und Verstärkung von Konsonanten, Diphthongisierung von Vokalen, sowie den ausschließlichen Gebrauch von unregelmäßigen Verben aus. Seine Verwendung findet es in satirischen Gedichten, jedoch ist bereits die gesamte Entwicklungsarbeit als eine Parodie auf sich selber zu verstehen.
Siehe auch
Weblinks
- http://www.langmaker.com/ Conlang Profiles (englisch)
- http://www.interlinguistik-gil.de/



