Kaventsmann
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Das Wort Kaventsmann kommt von Konventsmann für Mönch und bedeutet "dickleibiger Mann", weil man sich so Mönche vorstellte. Belegt ist es seit dem 19. Jahrhundert. Umgangssprachlich wird "Kaventsmann" für große, schwere Gegenstände oder Tiere verwendet.
In der Schifffahrt bezeichnet Kaventsmann eine einzelne, hohe Welle von über 10 m, die plötzlich auftritt und zu schweren Verwüstungen oder zum Untergang eines Schiffes führen kann. Kaventsmänner galten lange Zeit als Seemannsgarn, bis Satellitenaufnahmen und andere Messungen ihre Existenz bewiesen. Heute werden sie intensiv erforscht, da sie besonders für Ölbohrplattformen und Schiffe äußerst gefährlich sind.
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Typen von Monsterwellen
Seefahrer kennen drei Typen von Monsterwellen oder Freak waves:
- der Kaventsmann, eine große relativ dicke Welle die Schiffe herumwirbeln und seitlich zum Kentern bringen kann.
- die Drei Schwestern, drei schnell hintereinanderfolgende mittelgroße Wellen, denen ein Schiff kaum ausweichen kann und auch nicht über sie hinwegtreiben kann.
- die Weiße Wand, eine sehr steile bis ca. 30 Meter hohe Welle, die eine enorme Wucht beim Aufprall mit festen Körpern entwickelt.
Bisher wurde angenommen, dass Wasserwellen sich durch die linearen Wellentheorie beschreiben lassen. Nach dieser Theorie sollte das Superpositionsprinzip anwendbar sein, nach der sich verschiedene Wellen linear überlagern. Die real gemessenen Häufigkeiten und Form von Monsterwellen können jedoch nicht durch die lineare Wellentheorie erklärt werden. So treten Monsterwellen weitaus häufiger auf, als durch die lineare Wellentheorie vorhergesagt wird. Nach Statistiken aus Satellitenerfassungen zu urteilen, treten jeden Tag 2 Monsterwellen weltweit auf.
Um Monsterwellen erklären zu können, sind komplexere Modelle notwendig. So wendete Al Osborne eine nichtlineare Spezialform der Schrödingergleichung aus der Quantenmechanik auf Wasserwellen an. Seine frühen Arbeiten wurden von Ozeanografen nur wenig beachtet. 1995, Jahrzehnte später, wurde dann eine Welle verzeichnet, die Osbornes Vorhersagen entsprach. Die Nichtlinearität von Wasserwellen ist seitdem anerkannt und wird ca. seit 2001 von Schiffsbauern berücksichtigt. In der Natur sind die wenigsten Phänomene wirklich linear.
Etwa jede 3000. Welle ist doppelt so hoch wie der Durchschnitt der anderen Wellen. Etwa alle 20 Jahre, so die statistische Wahrscheinlichkeit, kann ein Schiff von einer Riesenwelle oder Monsterwelle überrascht und schwer beschädigt oder gar zerstört werden.
Die plötzlich auftretende "Monsterwelle" ("freak wave") kann eine Höhe von 30 m und mehr erreichen. Eine Folge dreier solcher Wellen wird in der Seemannssprache "Drei Schwestern" genannt. Eine weitere Form von Monsterwelle ist die "weiße Wand", eine sehr steile, sehr hohe und im Unterschied zu den anderen Monsterwellen kilometerlange Wellenfront, an deren Kamm die Gischt herabsprüht. Daher ihr Name.
Monsterwellen konzentrieren sich vielfach in Gegenden mit Meeresströmungen. Starker Wind gegen die Richtung der Meeresströmung macht die Entstehung hohen Seegangs wahrscheinlicher. Eine Dünung kann auch gegen eine Meeresströmung laufen. Dabei werden die Wellen kürzer, aber steiler und höher. Kommen dann noch Überlagerungen hinzu, entstehen große Wellen. Auch Seegebiete in denen die Wassertiefe plötzlich abnimmt sind bekannt für gefährlichen Seegang. Die Seegebiete südöstlich und östlich von Südafrika, sowie die Südspitze Südamerikas (Kap Hoorn) sind berüchtigt für das Auftreten von Freakwaves.
Monsterwellen und Tsunamis
Monsterwellen können im offenen Meer sogar 30 m Höhe erreichen. Dazu kommt, dass sie eine vergleichsweise kurze Wellenlänge haben, wodurch ein massiver Aufprall erfolgt, dem selbst Schiffe heutiger Bauart nicht gewachsen sind. Sie haben verglichen mit Tsunamis eine geringe Fortpflanzungsgeschwindigkeit. An der Welle sind nur oberflächennahe Wasserschichten beteiligt, das Tiefenwasser nimmt an der Wellenerscheinung nicht teil. Über die Entstehung der Monsterwellen gibt es verschiedene Theorien. Bisher nahm man an, dass ein bestimmtes Aufeinandertreffen von Wind- und Strömungsbedingungen diese Wellen auslösen kann. Auch zeigen Auswertungen von speziellen Satellitenbildern, dass sie offenbar weit häufiger vorkommen als bisher angenommen.
Der Tsunami dagegen entsteht durch plötzliche Bewegungen des Meeresbodens (Seebeben, Vulkanausbruch, Hangrutsch). Es ist also Oberflächenwasser und Tiefenwasser beteiligt, möglicherweise bis mehrere tausend Meter Tiefe. Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Tsunami ist abhängig von der jeweiligen Wassertiefe und ist im tiefen Meer sehr hoch, ungefähr 700 km/h. Da die Wellenhöhe niedrig ist, nur bis zu einem Meter, und die Wellenlänge lang, läuft der Tsunami unter einem Schiff so sanft durch, dass die Welle von Leuten auf dem Schiff nicht bemerkt wird. Gefährlich wird der Tsunami, wenn er in Küstennähe in flaches Wasser einläuft. Die Vorderfront der Welle verlangsamt sich mit zunehmend flacherem Wasser, und die Höhe der Welle nimmt durch das nachdrückende Wasser stark zu.
Geschichte
Bis 1995 galten Monsterwellen, Kaventsmänner, freak waves usw. als reines Seemannsgarn. Verluste von Schiffen wurden schlechter Wartung oder mangelnder Seemannschaft angekreidet, auch wenn es Fälle gab, bei denen diese Begründung nicht ausreichte oder nicht zutraf.
Große Aufmerksamkeit erregte um Weihnachten 1978 der Fall des deutschen LASH-Carriers München, der mit 28 Mann Besatzung im Atlantik nördlich der Azoren fast spurlos verschwand. Die Seeamtsverhandlung ergab, dass vermutlich eine Riesenwelle das Schiff zunächst manövrierunfähig machte und dann untergehen ließ.
In der Neujahrsnacht 1995 meldete die automatische Wellenmessanlage der norwegischen Draupner-E Ölbohrplattform in der Nordsee in einem Sturm mit 12 m hohen Wellen eine einzelne Welle mit 26 m Höhe. Damit war bewiesen, dass es freak waves gibt. In den folgenden Jahren wurden Berichte und Forschungen ausgewertet.
Im Südatlantik vor Argentinien wurden den Kreuzfahrtschiffen Caledonian Star (am 2. März 2001) und Bremen (am 22. Februar 2001) durch 35 Meter hohe freak waves jeweils die Brücken zerstört; sie entgingen nur knapp dem Untergang. Dieses Seegebiet hat keine nennenswerte Meeresströmung, also war die gefundene Theorie nicht ausreichend. Zudem war bewiesen, dass sich freak waves nicht auf bestimmte Gebiete beschränken.
Am 16. April 2005 wurde die Norwegian Dawn, ein 2200 Passagiere fassendes Kreuzfahrtschiff auf der Rückreise von den Bahamas nach New York von einer Riesenwelle (freak wave) getroffen. Die Welle soll etwa 21 Meter hoch gewesen sein. Sie zerschlug Fenster, riss Whirlpools über Bord und überflutete 62 Kabinen. Vier Passagiere erlitten leichte Verletzungen.
Bei Radarmessungen in der Nordsee, die von einer Ölplattform aus gemacht wurden, wurden innerhalb von 12 Jahren 466 Monsterwellen registriert.
Mit den europäischen Umweltsatelliten ERS-1 und 2 wurden weltweit Radarmessungen vorgenommen und dabei in drei Wochen 10 Wellen gemessen, die mehr als 25 m Höhe hatten. Damit wurde nachgewiesen, dass Monsterwellen häufiger auftreten als vermutet. Einige der Forscher glauben danach, dass die meisten der rund 200 Großschiffe mit über 200 Metern Länge, die in den letzten 20 Jahren gesunken sind, direkt oder indirekt durch solche Wellen versenkt wurden.
Riesenwellen können auf senkrecht von oben aufgenommenen Satellitenbildern von normalen Wellen durch die steile Vorderfront unterschieden werden. Normale Wellen haben keinen so starken Kontrast, der die Wellenhöhe repräsentiert und sind auf beiden Seiten gleich steil.
Man vermutet, dass diese Riesenwellen durch Überlagerung von mehreren normalen Wellen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten entstehen. Dabei können Wellen von bis zu 40 Metern Höhe entstehen. Warum gerade an gewissen Stellen wie Kap Hoorn häufiger solche Riesenwellen beobachtet werden, wird seit einigen Jahren erforscht.
Siehe auch
Freak Waves in den Medien
- BBC Dokumentation "Freak Waves" vom 14. November 2002, BBC's Horizon "Freak waves" (englisch)
- White Squall – Reißende Strömung Katastrophenfilm aus dem Jahre 1996
- WDR Quarks & Co vom 04.12.2001
Weblinks
- tagesschau.de: Monsterwelle trifft Kreuzfahrtschiff - "Wir fühlten uns wie auf der Titanic" (18. April 2005)
- Hamburger Abendblatt: Riesenwelle überspült die "Bremen" (28. Juli 2004)
- Naturgewalten von Thomas Sävert
- Reportage im Deutschlandfunk (29. Dezember 2002)
- Das Geheimnis der Monsterwellen
- Forum Naturphänomene
- eine zusammenfassende Beschreibung der Entstehungsmöglichkeiten von Freak Waves mit Fotos und Animationen kann hier gefunden werden. Der Artikel umfasst verschiedene Theorien sowie Literaturverweise, ist jedoch populärwissenschaftlich und auf englisch verfasst.
- http://weltderwunder.de/wdw/Natur/Naturgewalten/FreakWaves/
- http://www.saevert.de/2freakwaves.htm



