Jungfrau
aus Freepedia, der freien Wissensdatenbank
| Bild:Disambig-grau.png | Dieser Artikel behandelt die Jungfräulichkeit. Für weitere Bedeutungen des Begriffs Jungfrau siehe Jungfrau (Begriffsklärung). |
Das Wort Jungfrau ist ein seit dem 11. Jahrhundert verwendeter Begriff (mittelhochdeutsch juncvrou(we), juncvrowe, althochdeutsch jungfrouwa) ursprünglich als „junge Herrin“ die Bezeichnung der Edelfräulein, später verallgemeinert zu „junge, ledige Frau“. In der Mystik wird das Wort im Rahmen des Marienkultes eingeengt auf die unberührte Jungfrau, so dass das Wort schon bald auf (unberührte) Frauen übertragen werden kann. Auf diese Bedeutung ist das Wort heute weitgehend beschränkt (ähnlich wie das außer Gebrauch gekommene Wort "Maid", vgl. aber "Mädchen"). Vorbild für diese Entwicklung ist grch. parthénos, lat. virgo.
In Traueintragungen im Kirchenbuch wurde vor 1800 im allgemeinen die Bezeichnung Jungfrau (abgekürzt J.) für die Braut gebraucht, solange der Pfarrer nicht vom Gegenteil überzeugt war. War er das, so wurde die Braut als Deflorata oder gar Impraegnata bezeichnet, und die Trauung fand „auf Verordnung“ beziehungsweise „in der Stille statt“, wobei zum Leidwesen heutiger Genealogen dann oft der Name des Brautvaters in der Traueintragung fehlt (siehe auch Toter Punkt).
Jungfräulichkeit
Jungfräulichkeit bezeichnet den Zustand einer Frau, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatte. Mädchen sind von ihrer Geburt bis zu ihrem ersten Geschlechtsverkehr Jungfrauen. Der erste Geschlechtsverkehr einer Frau wird Defloration oder Entjungferung genannt. Entgegen einer weitverbreiteten Legende gibt es keinen Grund, warum dabei keine Schwangerschaft eintreten könnte; dies passiert sogar, nach vielen Quellen, recht häufig. Ebenso sind Schwangerschaften von Frauen mit intaktem Hymen bekannt.
Die Jungfräulichkeit einer Frau galt früher als Bedingung für ihre Heirat. In vielen Kulturen ist das noch heute so, zum Beispiel bei der arrangierten Heirat. Zur Prüfung der Jungfräulichkeit wurde gelegentlich vor der Eheschließung das Hymen der Frau auf seine Unversehrtheit, beziehungsweise das Laken des Bettes nach der Hochzeitsnacht auf Blutflecken überprüft.
In vielen Religionen spielt die Jungfräulichkeit eine wichtige Rolle. Zum Beispiel sind in der griechischen Mythologie die Göttinnen Athene, Artemis und Hestia Jungfrauen. Der Gott Mithras ist nach der mithraistischen Überlieferung von einer Jungfrau geboren worden. Auch im Christentum ist ein Glaubensdogma die Jungfräuliche Geburt von Jesus von Nazaret durch Maria, die deswegen auch „die heilige Jungfrau“ genannt wird. Die Jungfräulichkeit (definiert als "ehelose Keuschheit") ist Teil des Gelübdes katholischer Ordensleute.
Der englische Ausdruck virgin kann sich auf Personen beiderlei Geschlechts beziehen. Dagegen gibt es in der deutschen Sprache keinen entsprechenden Begriff für einen Mann mehr, der noch „Jungfrau“ ist (bis ins 19. Jh. hätte man ihn etwa als „reinen Jüngling“ bezeichnet). In der heutigen Umgangssprache wird der Begriff „Jungfrau“ gelegentlich übernommen; da aber der Begriff allerdings, auf Männer angewandt, nach Ansicht einiger Unmännlichkeit (oder Weibisches oder Impotenz) impliziert, ziehen manche Formulierungen wie „NN hatte noch keinen Sex“ vor.
Siehe auch
- Jungfer
- Keuschheit, Hymen, Kranzgeld, Ehe
- Parthenogenese
- Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen



