Julfest

aus Freepedia, der freien Wissensdatenbank

Das Julfest ist das germanische Fest der Wintersonnenwende. Zum Jahresende wird die Wiedergeburt der Sonne nach dem Tod durch den Winter gefeiert. Gebräuchlich ist es, das Haus mit immergrünen Pflanzen zu schmücken, ein Julfeuer zu entfachen und sich zu beschenken (Julklapp). In den skandinavischen Sprachen heißt Weihnachten noch heute Jul, im Englischen besteht der Begriff Yule und auch im Nordfriesischen heißt es Jül.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Wegen des alten Kalenders fiel die Feier des Julfests auf den 25. Dezember, an dem die Germanen die wiedekehrende Sonne wahrnehmen konnten. Dies war in dieser Gegend besonders wichtig, vor allem für die Saat und Ernte, und man freute sich darüber, dass die Tage wieder länger wurden, denn die Sonne war überlebenswichtig. Diesem Licht- bzw. Sonnenfest wurde deshalb sehr hohe Bedeutung zugemessen. Diese starke Abhängigkeit von der Sonne findet man in östlichen Religionen und Bräuchen nicht so hervorstechend. Dem Julfest schlossen sich die zwölf Rauhnächte an. In dieser Zeit spielte sich in der germanischen Vorstellung Wotans alljährliche Wilde Jagd ab, in der die Geister der Verstorbenen mit Odin über das Land ziehen sollten. Für Odins Pferd Sleipnir stellte man Nahrung vor die Tür. Ebenfalls in den Rauhnächten spielt das Märchen um Frau Holle, die deutliche Bezüge zur germanischen Totengöttin Hel hat.

Germanische Bräuche

Das Julfest war auch eine zwölftägige Friedenszeit, in der die Häuser mit immergrünen Zweigen wie Buchsbaum, Eibe, Fichte, Tanne, Stechpalme, Kiefer, Efeu, Wacholder geschmückt wurden, denen man schützende und heilende Kräfte zuschrieb. Ein alter Brauch war es auch, einen großen Holzklotz aus dem Wald zu holen, den "Julklotz" - und ihn zwölf Tage und Nächte brennen zu lassen. Mit seiner Asche wurden die Felder gedüngt und krankes Vieh versorgt. Das Haus stand den Gästen offen, die ein und aus gingen und reich bewirtet wurden. Von Anhöhen oder Bergen wurden brennende Sonnenräder, wohlmöglich mit Stroh bespanntes Holz oder geflochten, ins Tal gerollt. Ebenfalls aus vorchristlicher Zeit stammt der "Julbock", ein aus Stroh geflochtener Ziegenbock. Dieser lässt sich vielleicht zurückführen auf die Ziegen des Gottes Thor, die seinen Wagen zogen. Er bringt auf seinem Rücken die Geschenke.

Das Julfest nach der Christianisierung

Im Zuge der Christianisierung wurde das Julfest durch das Weihnachtsfest abgelöst, wobei einige Bräuche leicht abgewandelt übernommen wurden (Weihnachtsbaum, Adventskranz, Bescherung, Kerzenschein). Papst Julius I. (im Amt 337 bis 354) erklärte den 25. Dezember zum Geburtstag Jesu Christi. Karl der Große machte in Mitteleuropa um 800 das Weihnachtsfest zum Kirchenfest. Auch die Rauhnächte sind in der christlichen Weihnacht bekannt. Im Christentum vermischten sich diese nordischen Bräuche mit dem orientalischen Sonnenkult (Mithraskult) und bekamen dadurch einen neuen Sinn.

siehe: Geschichte Weihnachtens

Das Julfest als christliches Weihnachtsfest

Vor allem in Skandinavien sind viele der ursprünglichen Bräuche erhalten geblieben und werden heute beim allgemeinen christlichen Weihnachten, was dort auch immernoch Jul heißt, gefeiert. Man wünscht sich "God Jul" ("Frohe Weihnachten"). Auch ist dort der Julbock erhalten geblieben, der meist unter dem Weihnachtsbaum aufgestellt wird und die Geschenke trägt. Ein leichtes Wiederaufkommen dieses Gegenstands gab es in Deutschland, da ein bekanntes schwedisches Möbelhaus den Strohbock zur Weihnachtszeit im Sortiment trägt, weil dieser in Schweden eben mit zum Weihnachtsfest gehört. Der eigentliche Mittelpunkt am Weihnachtsabend ist das gemeinsame Essen. Nach dem Nachtisch werden die "Julklapp"-Päckchen aus den Verstecken geholt. Beim Brauch des Julklapp wird ein in vielen Hüllen gepacktes Geschenk in den Raum geworfen und dabei "Julklapp! Julklapp!" gerufen. Bei diesen Geschenken ist weniger der materielle Wert von Bedeutung als die Kleinigkeit oder der Vers, der immer in positiver oder negativer Hinsicht auf die Person des Beschenkten ausgerichtet ist. Keiner darf auspacken, ohne das Verschen vorzulesen. - Wenn sich das Gelächter über diese Reimchen gelegt hat, wenn die Geschenke begutachtet und bewundert worden sind, dann wird um den Weihnachtsbaum getanzt. Am ersten Weihnachtstag geht es zur Kirche, dabei säumen brennende Kerzen in den Fenstern der Landgemeinden den Weg. Dieser Tag ist im Gegensatz zu den vorherigen eher ruhig und beschaulich. Die Nachbarn und Bekannten besuchen einander, die Kinder beschäftigen sich mit den neuen Spielsachen oder ziehen von Haus zu Haus und wünschen "God Jul".

Das Julfest im Nationalsozialismus

Während ihrer Herrschaft versuchten die Nationalsozialisten, das christliche Weihnachtsfest durch das altgermanische Julfest zu ersetzen; es konnte sich aber nicht gegen das liebste Fest der Deutschen durchsetzen.

Das Julfest im nordisch-germanischen Neuheidentum

Im nordisch-germanischen Neuheidentum (z.b. Asatru) findet das Julfest als germanisches Fest wieder Bedeutung und man bedient sich dem, was von den alten Bräuchen bekannt ist. So wird das Haus geräuchert mit den Worten "Glück ins Haus - Unglück hinaus." und auch der oben beschriebene "Julklotz" und "Julbock" sowie die brennenden Sonnenräder finden ihre Verwendung.

Bezüge und Weiteres

Etymologisch verwandt ist das Wort mit dem zu Sowjetzeiten künstlich geschaffenen russischen Jolkafest.

Das Cover des Albums "Sorrow Throughout The Nine Worlds" der schwedischen Death-Metal-Band Amon Amarth ziert das brennende Sonnenrad und auch in ihrem Video zum Lied "The Pursuit Of Vikings" werden ebendiese einen Berg heruntergerollt. (siehe: [1])

Weblinks

Rundenkunde.de - Bräuche Julfest



Views
'Persönliche Werkzeuge
Werkzeuge
Andere Sprachen
Ähnliche Links