Jugendarbeitslosigkeit

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Bild:Switzerland flag medium.png Dieser Artikel stellt nur die Situation in der Schweiz dar. Hilf mit die Situation in anderen Ländern zu schildern.

Die Jugendarbeitslosigkeit wird als Spezialfall von Arbeitslosigkeit oft speziell betrachtet. Jugendliche sind besonders anfällig auf Arbeitslosigkeit, da die Übergänge von der obligatorischen Schule zur Berufsbildung (Übergang I) und von der Berufsbildung in den Arbeitsmarkt (Übergang II) mit einem erhöhten Arbeitslosenrisiko verbunden sind. Jugendliche sind nach dem schweizerischen Bundesamt für Statistik 15 bis 24 Jahre alt.

Inhaltsverzeichnis

Übergang I

Der Übergang I (auch Schnittstelle I), also der Übergang von der obligatorischen Schule zur Berufsbildung ist mit besonderen Problemen verbunden.

In der Schweiz wird ein grosser Teil der Berufsbildung über das duale und triale System gewährleistet. Die beiden Begriffe beziehen sich auf die Anzahl Lernorte, also zwei (Lehrbetrieb und Berufsschule) oder drei Lernorte (zusätzlich Einführungskurse meistens durch den Berufsverband). Bei diesem System müssen also Betriebe bereit sein, Ausbildungsplätze für Lehrlinge anzubieten. Ein grosser Teil der Jugendarbeitslosigkeit rührt daher, dass nicht genügend Lehrstellen vorhanden sind.

Schlechte Wirtschaftslage oder strukturelle Änderungen führen oft dazu, dass Betriebe bei den Lehrstellen sparen. Die Gesamtbeschäftigung in der Schweiz stieg zwischen 1985 und 2001 um 6.5 Prozenz. In der gleichen Zeit reduzierte sich aber das Angebot an Lehrstellen um 15 Prozent. So wurden zum Beispiel Jahr 2002 3% weniger Lehrstellen als im Vorjahr angeboten. Seither hat sich die Lage ein wenig entspannt. Im Jahr 2003 stieg das Lehrstellenangebot leicht und im Jahr 2004 um 2% auf ca. 71'500. Momentan (Stand 2005) sind zwar rein zahlenmässig fast ausreichend Lehrstellen vorhanden, jedoch unterscheidet sich die Situation je nach Branche. In einigen Sektoren, wie High-Tech und Gestaltung ist die Nachfrage grösser als das Angebot, während es sich zum Beispiel im Bau- und Nahrungsmittelsektor umgekehrt verhält.

Etwa 30 Prozent der Schweizer Firmen bieten Lehrstellen an. Bundesrat Joseph Deiss geht davon aus, dass sich die Lehrstellensituation erst entspannen wird, wenn weitere 10% der Betriebe in der Schweiz Lehrstellen anbieten.

Probleme

Auf Arbeitgeberseite sind verschiedene Ursachen für den Lehrstellenabbau auszumachen. Zunächst wollen die Unternehmen aus der Ausbildung für sich einen Nettonutzen herausholen können. Dies ist in der Schweiz meistens der Fall, wird jedoch von Firmen die keine Lehrlinge ausbilden oft nicht so wahrgenommen. So verzichten einige Firmen auch bewusst auf die Ausbildung und werben statt dessen ausgebildete Berufsleute nach der Lehre ab.

Natürlich führt auch eine schlechte Wirtschaftslage dazu, dass weniger Lehrstellen angeboten werden. Jedoch bauen oft auch gesunde Firmen Lehrstellen ab. Zum Beispiel reduzierte die Grossbank UBS von 1999 bis 2005 den Lehrlingsbestand um 35 Prozent während der Gewinn in der gleichen Zeit um 55 Prozent auf acht Milliarden Franken zunahm. Mario Antonelli vom Kaufmännischen Verband Schweiz sieht darin ein problematisches Signal für den Lehrstellenmarkt in der Schweiz.

Lösungsvorschläge

Das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement (EVD) hat unter der Federführung von Joseph Deiss die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zu einer Priorität erklärt. Durch den Rückgang der Lehrstellen im Jahr 2002, veranlasste Deiss im März 2003 als kurzfristige Massnahme die "Task Force Lehrstellen 2003" einzusetzen. Diese steuerte durch ihre Massnahmen dem befürchteten Trend eines weiteren Lehrstellenabbaus entgegen. Die ergriffenen kurzfristigen Massnahmen der Task Force waren:

  • Lehrstellenförderung: Personen, welche in der regionalen Wirtschaft gut verankert sind, motivieren andere Unternehmen, zusätzliche Ausbildungsplätze zur Verfügung zur stellen.
  • Startfinanzierung von Lehrbetriebsverbünde: In diesen Verbünden schliessen sich Unternehmen zusammen, die alleine nicht in der Lage wären Lehrlinge auszubilden.
  • Vermittlung und Mentoring: Jugendliche ohne Lehrstellen werden gezielt betreut.
  • Lehrstellenmarketing: Durch Inserate und Studie wird den Betrieben das Anbieten von Lehrstellen schmackhaft gemacht.

Am 30. April 2003 entschied sich zudem der Bundesrat mit gutem Vorbild voran zu gehen und in der Bundesverwaltung 100 weitere Lehrstellen zu schaffen. Damit stieg der Lehrlingsanteil der Beschäftigten beim Bund auf 2.9 Prozent.

Die Studie von AMOSA zur Jugendarbeitslosigkeit 2004 zeigt auf, dass Arbeitgeber sich eine Reform des zehnten Schuljahrs zu mehr Praxisbezug und mehr Zusammenarbeit mit den Volksschulen wünschen.

Weitere Massnahmen, welche den Arbeitsmarkt für Firmen allgemein attraktiver machen könnten sind laut der Studie "Hat das duale Ausbildungssystem eine Zukunft?" von Hans Geser (1999):

  • Berufsmatur fördern
  • Ausbau des Modularsystems
  • Mehr Ausbildungsverbünde
  • Mehr Einführungskurse
  • Mehr praktische Ausbildung im Betrieb

Politik

Auf der politischen Ebene wird das Problem der Jugendarbeitslosigkeit ebenfalls immer wieder angegangen. Gute Lösungen von Seiten der Politik sind jedoch schwierig zu finden. Wirtschaftsvertreter betonen ebenfalls immer wieder, dass das Problem von der Wirtschaft gelöst werden soll. Solche Versprechen der Wirtschaft haben sich aber in der Vergangenheit immer wieder in Luft aufgelöst und grosse Unternehmen, wie die oben erwähnte UBS, reduzieren regelmässig den Lehrstellenbestand.

Am 18. Mai 2003 kam in der Schweiz die Lehrstellen-Initiative zur Abstimmung. Diese wollte das Recht auf eine ausreichende Berufsbildung in der Verfassung verankern und einen Berufsbildungsfonds zur Finanzierung der dafür notwendigen Angebote einrichten. Die Initiative wurde mit 68.4 gegen 31.6 Prozent der Stimmen abgelehnt.

Eine 2003 von Ruedi Lustenberger eingereichte parlamentarische Initiative fordert die Ausbildung von Lehrlingen als Kriterium im öffentlichen Beschaffungswesen (Geschäftsnummer 03.445). Diese Initiative wurde in Frühjahrsession 2005 am 1. März im Nationalrat diskutiert und angenommen.

Übergang II

Als Übergang II (auch Schnittstelle II) wird der Schritt von der Berufsbildung in die Erwerbstätigkeit bezeichnet.

Junge Berufsleute sind besonders stark von der schwachen Konjunktur betroffen. In solchen Zeiten ersetzen Unternehmen die Abgänge oft nicht, was Jugendlichen den Berugseinstieg erschwert. Hinzu kommt eine Diskepanz der angebotenen Ausbildungsplätzen zu den verfügbaren Arbeitsplätzen in den einzelnen Sektoren. Für Handwerksberufe gibt es genügend Lehrstellen, aber zu wenige Arbeitsplätze für Lehrabgänger, während es im Dienstleistungssektor genau umgekehrt ist. Dies führt dazu, dass Lehrabgänger oft nach der Lehre den Sektor wechseln müssen und schwer vermittelbar sind.

Quellen

Siehe auch



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