Buch Jeremia

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Das Buch Jeremia ist ein Buch des Alten Testaments der Bibel. Nach dem Aufbau des hebräischen Kanons gehört es zur Abteilung der 'Hinteren Propheten'. Neben den Büchern Jesaja und Ezechiel ist das Buch Jeremia eines der drei grossen Prophetenbücher. Seit dem Mittelalter wird es in 52 Kapitel unterteilt.


Inhaltsverzeichnis

Gliederung

1-10 Berufung Jeremias als Prophet und Gerichtsworte

Besonders beachtenswert ist die Tempelrede in Kap. 7 und die Götzenpolemik in Kap. 10 (vgl. Jes 44).

11-20 Klagen und Gerichtsworte

Die Konfessionen Jeremias thematisieren die Einsamkeit des Propheten, der darum Gott anklagt. Einprägsam sind auch die zahlreichen Zeichenhandlungen Jeremias: Der verdorbene Gürtel (10), der zerschmetterte Krug (19), u.a..

21-24 Worte an die Führenden: Jerusalem wird zerstört werden!

25 Ansage des 70jährigen Exils

26-29 1. Schülerbericht: Das Schicksal Jeremias

Hier wird Jeremia im Konflikt mit anderen Propheten gezeigt, v.a. dem Hofpropheten Hananja.

30-35 Heilsworte

Die Rede vom Neuen Bund (31) wird verdeutlicht durch den Ackerkauf in Anatot (32). Dies soll zeigen, dass Israel jenseits der bevorstehenden Zerstörung Jerusalems eine Zukunft hat.

36-45 2. Schülerbericht: Das Schicksal Jeremias im belagerten Jerusalem

Hier steht Jeremia im Konflikt mit dem letzten König Judas Zidkija. Nach der Eroberung Jerusalems (39) und der Ermordung des babylonischen Statthalters Gedalja (41) flieht er nach Ägypten (43). Seine letzte Zeichenhandlung dort (43) kündigt die Eroberung Ägaptens durch die Babylonier an.

46-51 Worte gegen fremde Völker

52 Bericht über die Zerstörung Jerusalems und die Begnadigung Jojachins (vgl. 2Kön 24f)


Jeremia 1 als Programmtext

Jer 1 kann als Programmtext des gesamten Buches gelesen werden. Dieses Kapitel legt vielfältige Spuren ins Buch hinein:

- Die komplexe Überschrift in Jer 1,1 qualifiziert die „Worte Jeremias“ als JHWH-Wort und akzentuiert zwei Primärdaten: 628 – evtl. Beginn der Kultsäuberungsmaßnahmen Josias – und 586.

- Jer 1,5 bezeichnet Jeremia als „Prophet für die Völker“ – so eindeutig wie kein anderer Charakter des Alten Testaments trägt er diesen Titel: 31 Mal wird Jer als „der Prophet“ bezeichnet.

- In Jer 1,11-15 führt der Anblick eines Mandelzweiges, dessen Bezeichnung hebräisch wie „Wachebaum“ klingt, zur Eingebung, dass JHWH über der Erfüllung seines Wortes wacht. Dies ist eine zentrale Aussage des gesamten Buches.

- „Ausreißen und niederreißen, vernichten und einreißen, aufbauen und einpflanzen“ (1,10) sind Jer Aufgaben. Dem Übergewicht der destruktiven Wortpaare entspricht die Dominanz der Gerichtsreden im Buch Jeremia.

- „Ich werde mein Urteil sprechen“ lautet Jer 1,16. Dementsprechend wird die erste Buchhälfte von Anklagen und Urteilsankündigungen beherrscht.

- „Fürchte Dich nicht vor ihnen“ lautet Jer 1,8: Bevor noch die Adressaten der Gerichtsworte Jeremias genannt sind, wird klar: Jeremia als Bote des Wortes Gottes wird massiv bedroht! Unter Jeremias Gegnern fallen zv.a. wei Gruppen auf: Propheten / Priester (Jer 26-29) sowie Könige / Beamte (Jer 21-24.34-38).

Theologische Schwerpunkte

Theologische und ethische Analysen gehen ineinander über, ebenso die Kritik. Ein Grundgedanke ist, dass - wenn Israel anderen Göttern folgt - JHWH gegen sein auserwähltes Volk prozessiert und mit dem Verlust des Landes droht. Saeqaer (Hebr. = Lug, Trug, Verlogenheit) gilt als Schlüsselwort: Nicht mehr das Recht JHWHs bestimmt eine auf Solidarität gründende Gemeinschaft, sondern Täuschung, Betrug und Gewinn prägen die Gesellschaft. Daher trifft die Kritik v.a. die Propheten, Priester und Könige.

In manchen Texten scheint das Gericht als unausweichlich, dann wieder gibt es doch konkrete Heilserwartungen - vermutlich verstärkt durch spätere Zusätze. Heil und Unheil lassen sich nicht immer säuberlich scheiden. Heil liegt darin, dass die Zeit des Unheils begrenzt ist, dass Gott auf Bestrafung verzichtet und Jerusalem zurückkehren darf zu JHWH.


Textgeschichte des Buches

Das Jeremiabuch ist in zwei Versionen überliefert, einer griechischen und einer herbäischen. Die griechische Version ist offensichtlich eine sklavische, aber eigenwillige Übersetzung eines komplexen hebräischen Originals, das nicht die heute vorliegende hebräische Version ist. Unterschiede zwischen den beiden Versionen bestehen in Position und Reihenfolge der Völkerorakel, sowie in der Länge: Die hebräische Version ist um ein Siebtel länger. Ob nun die uns vorliegende hebräische Version oder die hebräische Vorlage der griechischen Version älter ist, ist umstritten.


Entstehung des Buches

Als Verfasser gilt in der biblischen Tradition der gleichnamige Prophet Jeremia, der zum Beginn des 7. Jahrhunderts in Jerusalem wirkte. Der Name Jeremia/Jirmejah/Jirmejah bedeutet "Gott erhöht". Jer 1,1.11 bezeichnet ihn als Sohn des Priesters Hilkija (vgl. 2Kön 22). Eine priesterliche Prägung seiner Botschaft, wie etwa beim Propheten Ezechiel, ist jedoch nicht erkennbar. Er stammt aus Anatot (Jer 1,1), dessen Bewohner ihm das Auftreten als Prophet ausreden wollen (Jer 11,18-23). Hatte er eine verwandtschaftliche Beziehung zum dorthin verbannten Priester Davids Ebjatar (1Kön 2,26)?

Interessanterweise ist das Buch Jeremia durchzogen von Hinweisen auf eine entstehende Schriftkultur: Nicht nur Baruch trägt den Titel ‚Schreiber’ (36,26), sondern der Titel ist auch sonst Funktionsbezeichnung (36,12; 37,15.20; 52,25). Von Tafel (17,3), Tinte (36,18) und Schreibermesser (36,23) ist die Rede. Die wörtlich zitierte Unheilsdrohung Michas (26,17f) und Anspielungen auf zahlreiche frühere Propheten setzen schriftliche Dokumentation dieser früher entstandenen Prophetenbücher voraus.

In der wissenschaftlichen Theologie wird zugestanden, dass überraschend grosse Anteile des Buches authentischen Ursprungs sind - dies gilt v.a. für die biographischen Passagen, in denen eine auffällige Häufung von Personennamen für ereignisnahe Darstellung bürgt: Baruch ben Nerija, Ahikam ben Schafan, Zefanja ben Maaseja, Ebed-Melech. Dennoch ist das Buch von deuteronomistischen Schülern Jeremias in exilischer Zeit stark nachbearbeitet worden. Wie dies genau geschah, ist umstritten.


Personen/ Wichtiges:

Siehe auch: Bibel, Liste der Bücher der Bibel, Altes Testament, Prophet Jesaja, Klagelieder Jeremias, Portal Bibel



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