Introversion und Extraversion

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Inhaltsverzeichnis

Allgemein

Introversion

Introversion ist eine nach innen gerichtete seelische Einstellung, bei der die Aufmerksamkeit und die Wahrnehmung eher auf die eigenen Gedanken und Gefühle als auf die Außenwelt gerichtet ist.

Introvertierte Menschen gelten als nachdenklich und oft »langsam von Entschluss«, haben meist nur geringen Unternehmungsgeist, schätzen die Ruhe sowie »gute«, tiefe Gespräche und vermeiden es, in laute und spektakuläre »Events« hineingezogen zu werden. Freundschaften kommen in geringerem Umfang zustande als bei extravertierten Menschen, sind aber oft intensiver und dauerhafter.

Eine extreme Introversion – ein dauerhafter Rückzug ins eigene Schneckenhaus – kann hingegen zum Verlust von Freundschaften und Beziehungen und im schlimmsten Fall zu Vereinsamung oder Depression führen.

Introvertierte Menschen haben nicht alle der genannten "typischen" Eigenschaften gegenteilig, fühlen sich aber im Regelfall in leiseren Gesprächen mit Tiefgang wohler als in lauten oder oberflächlichen Gruppen. Manche Introvertierte reden wenig, andere viel - nur die Art des Redens ist anders, eher tiefschürfend.

Vieles wird durch Nachdenken gelöst - oder durch das Bestreben, den Anderen bei Problemen zu verstehen. Rasche Versöhnung - ein häufiges Verhalten Extravertierter - ist Introvertierten eher fremd, aber Versöhnung hält meist länger.

Extraversion

Das Antonym zu Introversion heißt üblicherweise Extraversion oder Extroversion (von lat. extrā »außerhalb« und vertere »wenden«) und bezeichnet eine seelische Einstellung, bei der die Aufmerksamkeit und die Wahrnehmung eher auf die Außenwelt als auf die eigenen Gedanken und Gefühle gerichtet ist.

Extravertierte Personen sind gern unter Menschen und reden meistens gern, haben eine lebendige Körpersprache und Gestik, neigen manchmal zu Oberflächlichkeit, lösen vieles mit Humor und zusammen mit anderen. Trotz ausgesprochener Kontaktfreudigkeit sind ihnen tiefere Gespräche häufig unangenehm.

Der Begriff Extraversion bezeichnet auch ein faktorenanalytisch ermitteltes Persönlichkeitsmerkmal in der differentiellen Psychologie; vgl. Persönlichkeitstest.

Wie immer sind die Definitionen eines nicht "naturwissenschaftlich" greifbaren Thema "verschwommen". Persönliche Erfahrungen haben gezeigt, dass auch extravertierte Personen tiefgehende und hoch emotionale Gespräche suchen; auf ihre persönliche Art. Und über allem steht die Erkenntnis, dass wir Menschen mehr als 90% unserer Entscheidungen intuitiv-emotional treffen. Der Extravertrierte auf seine, der Intovertierte auf die ihm eigene Weise. Eine Pauschalierung ist sicher sehr schwer. Wer das eigene Potenzial kennt und es einsetzen kann, wird beide Seiten in sich wecken und situationsbedingt "einsetzen".

Psychologie

Die Begriffe wurden von C.G. Jung in die Persönlichkeitspsychologie eingeführt. Introversion bezeichnet in der Analytischen Psychologie die Hinwendung der psychischen Energie nach innen, also weg von der Aussenwelt. Von Jung stammt auch der Begriff Extraversion. Die Extraversion bedeutet in der Analytischen Psychologie die Hinwendung der Energie nach aussen.

Hans Jürgen Eysenck greift die Begriffe auf und spannt sie als zwei von insgesamt vier Polen in den von ihm konstruierten Persönlichkeitszirkel ein (Introversion vs. Extraversion, emotionale Stabilität vs. Instabilität bzw. Neurotizismus), in dem er die genannten Pole dem klassischen hippokratischen Temperamentenmodell (sanguinisch, cholerisch, phlegmatisch, melancholisch) überlagert.

Introversion ist dabei dem melancholischen und phlegmatischen Bereich zugeordnet, mit Eigenschaftszuschreibungen wie pessimistisch, reserviert, ungesellig, eher ruhig und passiv, sorgfältig, bedächtig, friedlich (phlegmatisch). Empirische Erkenntnisse Eysencks legen zudem nahe, introvertierte Personen als leicht konditionierbar zu betrachten, die gegenüber äußeren Reizen nur geringe reaktive Hemmungen aufweisen, also bereits durch schwache Reize leicht erregbar sind. Andere psychologische Erfahrungen sehen Letzteres umgekehrt.

In ihrer Eigenschaft als Gegenpol zur Extraversion ist die Introversion auch Kernbestandteil des sog. Fünf-Faktoren-Modells nach Costa und McCrae, das heute als leistungsfähigstes Instrument zur Beschreibung von Persönlichkeits-Eigenschaften gilt.



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