Internationales Phonetisches Alphabet

aus Freepedia, der freien Wissensdatenbank

Das Internationale Phonetische Alphabet (Abk.: IPA) ist ein phonetisches Alphabet, eine Sammlung phonetischer Zeichen, mit deren Hilfe die Laute aller menschlichen Sprachen genau beschrieben werden können. Die IPA-Zeichentabelle nutzt teilweise abgewandelte und ergänzte Buchstaben des lateinischen und griechischen Alphabets. Diese Sonderzeichen sind in Unicode im Bereich von U+0250 bis U+02AF aufgenommen worden.

Das IPA ist nicht zu verwechseln mit der IPA, die das IPA entwickelt hat.

Inhaltsverzeichnis

Zeichenzuordnungen der Laute und Lautzeichenerweiterungen

Bild:Ipa-chart-all-1000px.png

Vokale

  vorne fast
vorne
zentral fast
hinten
hinten
ung. ger. ung. ger. ung. ger. ung. ger. ung. ger.
geschlossen i y     ɨ ʉ     ɯ u
fast geschlossen     ɪ ʏ       ʊ    
halbgeschlossen e ø     ɘ ɵ     ɤ o
mittel         ə        
halboffen ɛ œ     ɜ ɞ     ʌ ɔ
fast offen æ       ɐ        
offen a ɶ             ɑ ɒ

Verweilen Sie mit der Maus auf einer Zelle, um den Unicode-Code des Zeichen zu erfahren.
Die Abkürzung »ung.« steht hier für »ungerundet« und »ger.« für »gerundet«.

Konsonanten (pulmonal)

  bilabial labio-
dental
dental alveolar post-
alveolar
retroflex palatal velar uvular pha-
ryngal
glottal
stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth.
Plosive p b         t d     ʈ ɖ c ɟ k g q ɢ     ʔ  
Nasale   m   ɱ       n       ɳ   ɲ   ŋ   ɴ        
Vibranten   ʙ           r                   ʀ        
Taps/Flaps               ɾ       ɽ                    
Frikative ɸ β f v θ ð s z ʃ ʒ ʂ ʐ ç ʝ x ɣ χ ʁ ħ ʕ h ɦ
laterale Frikative             ɬ ɮ                            
Approximanten       ʋ       ɹ       ɻ   j   ɰ            
laterale Approximanten               l       ɭ   ʎ   ʟ            

Verweilen Sie mit der Maus auf einer Zelle, um den Unicode-Code des Zeichen zu erfahren.
Dunkel hinterlegte Felder bezeichnen physiologisch unmögliche Artikulationen. (Beispielsweise ist ein glottaler Nasal unmöglich, weil bei einem Verschluss der Stimmlippen keine Luft durch die Nase ausströmen kann usw.)

Konsonanten (nicht pulmonal)

Klicks
Zeichen Unicode-Code Bedeutung
ʘ U+0298 bilabialer Klick
ǀ U+01C0 dentaler Klick
ǃ U+01C3 (post)alveolarer Klick
ǂ U+01C2 palatoalveolarer Klick
ǁ U+01C1 lateraler alveolarer Klick
Implosive
Zeichen Unicode-Code Bedeutung
ɓ U+0253 stimmhafter bilabialer Implosiv
ɗ U+0257 stimmhafter dentaler/alveolarer Implosiv
ʄ U+0284 stimmhafter palataler Implosiv
ɠ U+0260 stimmhafter velarer Implosiv
ʛ U+029B stimmhafter uvularer Implosiv
Ejektive
Zeichen Unicode-Code Bedeutung
U+2019 Diakritikum, Beispiele:
p’ U+0070 (p), U+2019 bilabialer Ejektiv
t’ U+0074 (t), U+2019 dentaler/alveolarer Ejektiv
k’ U+006B (k), U+2019 velarer Ejektiv
s’ U+0073 (s), U+2019 alveolarer ejektiver Frikativ

Bei den Konsonanten sind verschiedene Luftstrommechanismen zu unterscheiden. Die pulmonalen Konsonanten werden mit ausströmender Atemluft (d. h. Luft aus der Lunge) erzeugt (pulmonal-egressiv). Zu dieser Gruppe zählen die allermeisten Konsonanten. Bei den Ejektiven und Implosiven wird der Luftstrom dagegen durch Bewegungen des Kehlkopfs erzeugt. Bei den Ejektiven bewegt sich der Kehlkopf nach oben, sodass Luft ausströmt (glottal-egressiv), bei den Implosiven bewegt er sich nach unten, sodass Luft einströmt (glottal-ingressiv). Schnalzlaute (manchmal auch als Avulsive oder im Englischen als clicks bezeichnet) entstehen dadurch, dass Zunge und Gaumensegel einen abgeschlossenen Hohlraum bilden, der durch eine Zurück- und Abwärtsbewegung der Zunge vergrößert wird. Beim Öffnen des Hohlraums findet ein Druckausgleich statt (Luft strömt hinein, daher velar-ingressiv), sodass ein Laut erzeugt wird.

Andere Symbole

Zeichen Unicode-Code Bedeutung
ʍ U+028D stimmloser labiovelarer Frikativ
w U+0077 (w) stimmhafter labiovelarer Approximant
ɥ U+0265 stimmhafter labiopalataler Approximant
ʜ U+029C stimmloser epiglottaler Frikativ
ʢ U+02A2 stimmhafter epiglottaler Frikativ
ʡ U+02A1 stimmloser epiglottaler Plosiv
ɕ, ʑ U+0255, U+0291 stimmloser und stimmhafter alveolopalataler Frikativ
ɺ U+027A lateraler alveolarer Flap
ɧ U+0267 stimmloser velopalataler Frikativ ([ʃ] und [x] zugleich)

Suprasegmentalia

Zeichen Unicode-Code Bedeutung Beispiele
ˈ (kein Apostroph) U+02C8 Hauptbetonung April /aˈprɪl/, Backe /ˈbakə/
ˌ (kein Komma) U+02CC Nebenbetonung Wasserpfeife /ˈvasərˌpfaɪfə/, Ringelblume /ˈrɪŋəlˌbluːmə/
ː (kein Doppelpunkt) U+02D0 lang Lack [lak], lag [laːk]
ˑ U+02D1 halblang
˘ U+0306 extrakurz ĕ
. U+002E (.) Silbengrenze Bo-te [ˈboː.tə], Mu-se-um [mu.ˈzeː.ʊm]
| U+007C (|) untergeordnete Intonationsgruppe (Sprechtaktgrenze) Sie haben Glück, nicht wahr? [ziː habən ↓glʏk | nɪçt ↑vaːr‖]
U+2016 übergeordnete Intonationsgruppe
U+203F Lautverbindung (Liaison) les enfants [lez‿ɑ̃ˈfɑ̃] (frz. 'die Kinder')

Töne und Intonation

Zeichen Unicode-Code Bedeutung Beispiele
 ̋ (Doppelakut) oder ˥ U+030B oder U+02E5 besonders hoch []
 ́ (Akut) oder ˦ U+0301 oder U+02E6 hoch [é]
 ̄ (Makron) oder ˧ U+0304 oder U+02E7 mittel [ē]
 ̀ (Gravis) oder ˨ U+0300 oder U+02E8 niedrig [è]
 ̏ (Doppelgravis) oder ˩ U+030F oder U+02E9 besonders niedrig [ȅ]
 ̌ (Hatschek) U+030C steigend [ě]
 ̂ (Zirkumflex) U+0302 fallend [ê]
U+2193 -> Downstep  
U+2191 -> Upstep  
U+2197 -> Global rise  
U+2198 -> Global fall  

Bemerkung:

  • Unicode hat keine eigenen Zeichen für die meisten Konturtöne. Stattdessen werden Folgen aus Zeichen für Registertöne verwendet und die genaue Darstellung wird der jeweiligen Schriftart überlassen, üblicherweise durch OpenType-Regeln: [é̄ ḕ̄] oder [e˥˧ e˧˩˨] (in vielen Browsern nicht korrekt dargestellt). Weil nur sehr wenige Schriftarten die Kombinierung von Registerton-Zeichen erlauben, wird oft das alte System der Tonmarkierung durch hochgestellte Nummern von '1' bis '5' verwendet, beispielsweise [e53 e312]. Deren Verwendung hängt allerdings von lokalen Linguistiktraditionen ab; bei asiatischen Sprachen wird '5' für den höchsten Ton verwendet und '1' für den tiefsten, bei den afrikanischen Sprachen umgekehrt. Gelegentlich ist noch eine alte IPA-Tradition anzutreffen, nach der die Konturtöne durch untergesetzte Diakritika bezeichnet werden: [e̖ e̗] für tief-fallend bzw. tief-steigend.
  • Die Diakritika für Upstep und Downstep wären eigentlich übergeschriebene Pfeile, doch stellt Unicode zurzeit keine eigenen Zeichen dafür zur Verfügung.

Diakritika

  Zeichen Unicode-Code Bedeutung Beispiele
Phonation untergestellt:  ̥ U+0325

stimmlos, entstimmt
Entstimmung eines normalerweise stimmhaften Lautes, z. B. weil er von zwei Stimmlosen umschlossen ist.

Ob mit Diakritika versehene Zeichen Äquivalente zu dem jeweils anderen Zeichen der Artikulationsart und des Artikulationsortes sind, ist von der IPA nicht vollständig festgelegt worden.

Im Handbuch der International Phonetic Association heißt es dazu: „Es ist strittig, ob [] und [g] phonetisch identische Laute bezeichnen, und dasselbe gilt für [s] und []. Möglicherweise werden bei der Unterscheidung zwischen [] und [g] oder [s] und [] unterschiedliche Dimensionen einbezogen, die von der Stimmbandvibration unabhängig sind, wie etwa Gespanntheit gegenüber Ungespanntheit in der Artikulation, sodass die Möglichkeit, Stimmhaftigkeit separat zu bezeichnen, wichtig wird. Es kann aber in jedem Fall vorteilhaft sein, wenn man in der Lage ist, die lexikalische Form eines Wortes beizubehalten […].“

See [z̥eː] (südliches Deutsch)
übergestellt:  ̊ U+030A gut [g̊uːt] (südliches Deutsch)
untergestellt:  ̬ U+032C

stimmhaft
Stimmhaftes Sprechen eines normalerweise stimmlosen Lautes.

[], []
übergestellt:  ̌ U+030C [ǧ]
ʰ U+02B0 aspiriert Tasse [ˈtʰasə], []
genauere Beschreibung der Artikulation (speziell für Vokale) untergestellt:  ̹ U+0339 stärker gerundet [ɔ̹]
übergestellt:  ͗ U+0357
untergestellt:  ̜ U+031C weniger gerundet [ɔ̜]
übergestellt:  ͑ U+0351
 ̟ U+031F weiter vorne []
 ̠ U+0320 weiter hinten []
 ̈ U+0308 zentralisiert [ë]
 ̽ U+033D zur Mitte zentralisiert []
 ̝ U+031D angehoben [] ([ɹ̝] = stimmhafter alveolarer Frikativ)
 ̞ U+031E gesenkt [] ([β̞] = stimmhafter bilabialer Approximant)
 ̘ U+0318 vorverlagerte Zungenwurzel []
 ̙ U+0319 zurückverlagerte Zungenwurzel []

˞
kombinierte Zeichen: ɚ (U+025A), ɝ (U+025D)

U+02DE rhotisch [ɚ]
genauere Beschreibung des artikulierenden Organs (speziell für Konsonanten) untergestellt:  ̪ U+032A dental [], []
übergestellt:  ͆ U+0346
 ̼ U+033C linguolabial [], []
 ̺ U+033A apikal [], []
 ̻ U+033B laminal [], []
 ̃ U+0303 nasaliert Chance [ʃɑ̃ːsə]
zusätzliche Engebildung ʷ U+02B7 labialisiert Glück [gʷlʷʏkʰ]
ʲ U+02B2 palatalisiert [], []
ˠ U+02E0 velarisiert [], []
ˁ U+02C1 pharyngalisiert [], []

 ̴
kombinierte Zeichen: ɫ (U+026B)

U+0334 velarisiert oder pharyngalisiert [ɫ]
ˀ U+02C0 glottalisiert  
Art der Verschlusslösung für Plosive U+207F nasale Verschlusslösung Redner [ˈreːdⁿnər]
ˡ U+02E1 laterale Verschlusslösung Handlung [ˈhandˡlʊŋ]
 ̚ U+031A keine hörbare Verschlusslösung stimmt [ˈʃtim̚t]
Silbizität untergestellt:  ̩ U+0329 silbisch reden [ˈreːdn̩]
übergestellt:  ̍ U+030D Regen [ˈreːgŋ̍]
untergestellt:  ̯ U+032F nichtsilbisch Stein [ʃtaɪ̯n]
übergestellt:  ̑ U+0311
Stimmqualität untergestellt:  ̤ U+0324 behaucht [], []
übergestellt:  ̈ U+0308
untergestellt:  ̰ U+0330 knarrig [], []
übergestellt:  ̃ U+0303

Zeichen mit Unterlänge können durch ein übergestelltes Diakritikum ausgezeichnet werden. Standardmäßig sollte jedoch mit untergestellten Diakritika ausgezeichnet werden, wenn beide Möglichkeiten bestehen.

Alternative Notationen

Das IPA ist nicht das einzige System zur Notation von Sprachlauten. Im Laufe der Zeit hat es einige Versuche gegeben, die Einteilung der Laute exakter zu gestalten. Ein Beispiel stellt die ikonische Notation dar, wie die Visible Speech von Alexander Melville Bell, bei der einzelne Merkmale eines Lautes (z. B. die Rundung der Lippen und dergleichen) im Zeichen selbst abgebildet werden. Andere Versuche in Richtung einer analphabetischen Notation wurden von den Linguisten Otto Jespersen (1889) oder Kenneth L. Pike (1943) unternommen. Dadurch, dass in diesen Systemen die einzelnen Stellungen der Sprechwerkzeuge unabhängig voneinander angegeben werden können, lassen sich Lautnuancen viel feiner kodieren.

Mit den Notationen SAMPA, X-SAMPA und Kirshenbaum wurden Alphabete entwickelt, mittels derer Lautschrift im ASCII-Code geschrieben werden konnte. Diese Systeme wurden zwar vom IPA abgeleitet, doch da Unicode-Zeichensätze für die Darstellung des IPA immer breitere Verwendung finden, tritt die Bedeutung dieser Systeme immer mehr in den Hintergrund.

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • Duckworth, M.; Allen, G.; Hardcastle, W.; & Ball, M. J. (1990). Extensions to the International Phonetic Alphabet for the transcription of atypical speech. Clinical Linguistics and Phonetics, 4, 273-280.


Views
'Persönliche Werkzeuge
Werkzeuge
Andere Sprachen
Ähnliche Links