Interferenz (Linguistik)
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Mit dem Begriff muttersprachliche Interferenz bezeichnet man die Übertragung muttersprachlicher Sprachstrukuren auf die Fremdsprache, und zwar sowohl die Übertragung grammatikalischer Strukturen als auch die Übertragung des muttersprachlichen Phonemsystems auf die Fremdsprache.
Nichtmuttersprachler erkennt man zu Allererst auf Grund ihrer von der Norm der Fremdsprache abweichenden Aussprache. Speziell anhand der Aussprachefehler, zu denen deutschsprachige Englischlernende neigen, soll das Problem näher erläutert werden.
Probleme der fremdsprachlichen Aussprache
Im Hinblick auf die Unterschiede zwischen der muttersprachlichen Aussprachenorm und der Aussprachenorm der Fremdsprache ergeben sich folgende Problemfelder:
- Unterschiede im Phoneminventar zwischen Muttersprache und Fremdsprache.
- Unterschiede in den Phonemdistributionen und Phonemkombinationen
- Unterschiede im Allophonbestand.
- Unterschiede in den satzphonetischen Erscheinungen (Sprechtakt, Sprechrhythmus, Betonung)
Übertragung des muttersprachlichen Phoneminventars – Ersatz durch ähnlich klingende Laute der Muttersprache
Unterschiede im Phoneminventar führen dazu, dass die fremden Laute der Fremdsprache durch ähnliche Laute der Muttersprache ersetzt werden.
Problematisch wird die Ersetzung fremdsprachiger Laute durch ähnliche Laute der Muttersprache, wenn dabei Phonemgrenzen überschritten werden, d.h. wenn der Ersatzlaut mit einem anderen Laut der Fremdsprache zusammenfällt.
Im Falle deutscher Englischlernender ist das bekannteste Beispiel das so genannte englische „th“, welches in zwei Varianten vorkommt: als stimmloser interdentaler Frikativ und als stimmhafter interdentaler Frikativ.
Da es im Deutschen keine interdentalen Frikative gibt, ersetzen deutsche Muttersprachler die Varianten des englischen "th" durch die alveolaren Frikative [s] wie in "reißen" bzw. [z] wie in "singen". Es wird also sowohl engl. "thing" als auch engl. "sing" als "sing" ([sɪŋ]) realisiert. Wenn hier durch den Kontext keine Klärung gegeben ist, ergeben sich Verständnisschwierigkeiten.
Man spricht in diesem Falle von interlingualer Interferenz. Sie ist vorhersehbar und entsteht, weil jeder Muttersprachler unbewusst das eigene Phoneminventar als universell annimmt. Er hört nicht den fremden Laut, sondern das, was er auf Grund seiner Muttersprache gewöhnt ist zu hören und er bildet den Laut so, wie er ihn meint aus dem Munde der fremdsprachigen Muttersprachler zu hören.
In einer Matrix lassen sich diese Aussprachefehler wie folgt darstellen:
| [s] wie in reißen | [z] wie in Reise | [v] wie in Wein | [ɛ] wie in Bett | |
| [θ] wie in thing | ✓ | ✗ | ✗ | ✗ |
| [s] wie in sing | ✓ | ✗ | ✗ | ✗ |
| [ð] wie in this | ✗ | ✓ | ✗ | ✗ |
| [z] wie in zebra | ✗ | ✓ | ✗ | ✗ |
| [w] wie in whim | ✗ | ✗ | ✓ | ✗ |
| [v] wie in vim | ✗ | ✗ | ✓ | ✗ |
| [æ] wie in bad | ✗ | ✗ | ✗ | ✓ |
| [e] wie in bed | ✗ | ✗ | ✗ | ✓ |
thing und sing, writhe und rise, whim und vim sowie bad und bed klingen also bei dieser falschen Aussprache jeweils gleich.
Literatur
Bernstein, W. (1979). Wie kommt die muttersprachliche Interferenz beim Erlernen des fremdsprachlichen Wortschatz zum Ausdruck? In: Linguistik und Didaktik 38, 142-147.
Földes, Cs. (2005). Kontaktdeutsch. Zur Theorie eines Varietätentyps unter transkulturellen Bedingungen von Mehrsprachigkeit. Tübingen: Gunter Narr Verlag 2005.



