Idealtypus
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Der Idealtypus (auch: Idealtyp) ist ein von Max Weber in seinem Werk „Wirtschaft und Gesellschaft“ (1922) eingeführtes Begriffswerkzeug zur Untersuchung sozialer Phänomene. Der Begriff des Idealtypus beschreibt in der Soziologie in etwa das, was in anderen Wissenschaften als Modell bezeichnet wird: ein vereinfachtes, abstraktes, pragmatisch definiertes Abbild der Realität.
Beispiel: der Idealtypus der Demokratie: alle Demokratien verbindet der Gedanke der „Herrschaft durch das Volk“, allein ist jede Demokratie im Detail unterschiedlich ausgeprägt. Die englische, deutsche, direkte, Basis-, repräsentative Demokratien sind real existierende Instanzen des Idealtypus „Demokratie“, manchmal als Realtypus/Realtyp bezeichnet. Max Weber verwendete den Begriff des Realtypus nicht.
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Darstellung und Abgrenzung des Begriffs Idealtypus
Ein Idealtypus ist eine exakte Beschreibung eines sozialen Tatbestands, wie zum Beispiel der Herrschaft oder Bürokratie. Er beinhaltet akzentuierte wesentliche Charakteristika dieses Tatbestands und erleichtert dadurch das Verstehen und Erklären eines Realtypus. Er ist demnach keine Definition. Einem anderen Ansatz folgt der Normaltyp von Ferdinand Tönnies.
Hat man erst einmal einen Idealtypus definiert, kann man damit eine systematische Analyse eines Gegenstandsbereichs durchführen. Dabei beschreibt man jeweils die Abweichungen vom Idealtypus. Der Vorteil des Idealtypus liegt darin, dass er eine exakte Beschreibung ermöglicht und sich nicht auf häufig zweideutige Begriffe stützen muss.
Der Begriff des Idealtypus selbst ist allerdings missverständlich, da er umgangssprachlich einen idealen Typus nahe legt, d. h. normativ aufgefasst werden könnte.
Zur Konstruktion des Idealtypus
Die Kategorien und Gesetze, die die Gesellschaftswissenschaften bieten, sind nach Weber reine Gedankenbilder, die in ihrer begrifflichen Reinheit in der Wirklichkeit nirgends empirisch auffindbar sind. Sie vereinigen "bestimmte Beziehungen und Vorgänge des historischen Lebens zu einem widerspruchslosen Kosmos gedachter Zusammenhänge". Diese gedanklichen Konstruktionen entstehen nicht durch einfache Zusammenfassung des Gemeinsamen in vielen Erscheinungen oder durch Durchschnittsbildung, sondern durch
- Stilisierung,
- Erfassen des Charakteristischen und
- die "gedankliche Steigerung bestimmter Elemente der Wirklichkeit".
Die so entstehenden Gedankenbilder sind nach Weber keine Darstellung und keine Widerspiegelung der Wirklichkeit, sondern Fiktionen. Die Heraushebung einzelner Elemente erfolgt nicht gemäß einer historischen Wirklichkeit, sondern gemäß den Erkenntnisinteressen des Subjekts. Andererseits aber darf nach Weber das Gedankenbild keine Gedankenspielerei sein und die Wirklichkeit nicht ignorieren.
Zur kritischen Analyse des Weberschen Idealtypus und seiner Kriterien
Hierzu ist festzustellen, dass es sich beim Idealtypus um einen bunt schillernden Begriff handelt, der korrekte und inkorrekte, zum Teil widersprüchliche Ansichten zu verschiedenen methodologischen, erkenntnistheoretischen und ideologischen Aspekten der gesellschaftswissenschaftlichen Begriffsbildung vermengt:
- 1. Weber sieht korrekt, dass Begriffs- und Theorienbildung sich nicht in einfacher Zusammenfassung von empirisch Gegebenem erschöpfen, sondern dass sie schöpferisch geistige Leistung, Idealisierung und Modellbildung einschließen und dass dabei auch die Erkenntnisinteressen des Subjekts eine Rolle spielen. Soweit der Begriff des Idealtypus nur diese Seite der Begiffsbildung erfasst, spricht er ein reales erkenntnistheoretisches Problem an. Allerdings handelt es sich hier um ein Problem, das sowohl in der naturwissenschaftlichen als auch in der gesellschaftwissenschaftlichen Erkenntnis auftritt, wenn sich mit ihm auch in letzterer besondere Schwierigkeiten verbinden.
- 2. In der weiteren Frage, wie sich die so entstehenden "Gedankenbilder" zur Wirklichkeit verhalten, ob sie einer Wirklichkeit entsprechen, ob sie die Struktur und Dynamik realer Prozesse in ihren Grundzügen widerspiegeln, nimmt Weber einen agnostizistischen Standpunkt ein, den er allerdings durch einige Hinweise ("die Wirklichkeit nicht ignorieren") verhüllt. In Bezug auf diesen Aspekt des Problems dient der Begriff des Idealtypus also dazu, einen bestimmten philosophischen Standpunkt zu manifestieren.
- 3. Die unter 1. und 2. genannten allgemeinen erkenntnistheoretischen Probleme vermengt Weber nun mit der Frage nach der Spezifik sozialwissennschaftlicher Begriffsbildung, wo seine Konzeption des Idealtypus eindeutig agnostizistisch, idealistisch und konservativ wird. Hier nämlich geht Weber von der neukantianischen Auffassung aus, dass sich Gesellschaft und Geschichte den Wissenschaften als ein Strom einmalig-individueller, unwiederholbarer Ereignisse darstellen, der nicht rational erfassbar ist und in dem insbesondere keine Linien aufgewiesen werden können. Hier können nach neukantianischer Auffassung nur individuelle Ereignisse beschrieben und im Sinne eines an sich fiktiven "Als-ob" gedanklich geordnet werden. Dabei handelt es sich um die Ordnung einer irrationalen Realität mittels einer rationalen Konstruktion, der aber, wie Weber verschiedentlich betont, keine reale gesetzmäßige Ordnung und kein realer gesetzmäßiger Prozess entspricht.
Zur Kritik des Idealtypus
Wissenschaftstheoretisch abweichend hat Ferdinand Tönnies den Normaltyp eingeführt, der gelegentlich auch ideeller Typ genannt wird.



