Hugenotten

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Hugenotten ist die seit etwa 1560 gebräuchliche Bezeichnung für die französischen Protestanten (heute vermeiden die Franzosen dieses abwertende Wort, das vermutlich auf das französische Wort aignos -Eidgenosse- anspielt). Ihr Glaube ist von der Lehre Johannes Calvins geprägt, dem sogenannten Calvinismus, der auch die reformierten Kirchen in Deutschland, den Niederlanden, Südafrika, Schottland und der französischen Schweiz prägte. Die Hugenotten wurden in den Hugenottenkriegen 1562-1598 in den Süden Frankreichs abgedrängt und erhielten im von Heinrich IV., der zuvor von der protestantischen Konfession zum Katholizismus übergetreten war, erlassenen Edikt von Nantes beschränkte Religionsfreiheit und militärische Sicherheitsplätze. 1598 stellten die Hugenotten ca. 10% der französischen Bevölkerung, um bis 1685 auf ca. 5% abzusinken. Besonders die Verfolgungen unter Ludwig XIV. ab 1669 mit der Aufhebung des Edikt von Nantes 1685 lösten eine erneute Fluchtwelle von einer Viertelmillion Hugenotten in die umliegenden protestantischen Länder aus. Diese hugenottische Diaspora prägte besonders die weniger entwickelten Gastländer stark und stärkte die kulturelle Hegemonie Frankreichs bis in die napoleonische Zeit. Die französische Verfassung von 1791 garantierte endgültig Religionsfreiheit.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Hugenotten vor den Hugenottenkriegen

Die protestantische Kirche in Frankreich entstand nicht direkt aus der mittelalterlichen Glaubensgemeinschaft der Waldenser, die wegen ihrer friedlichen Grundüberzeugungen im Mittelalter nur mässig verfolgt wurde und so in abgelegenen Rückzugsgebieten wie den Cevennen und dem westlichen Piemont überlebte; das westliche Piemont gehörte 1543-1588 zu Frankreich und fiel durch Gebietstausch 1601 endgültig an Savoyen-Pietmont. Die Waldenser schlossen sich ab 1532 teilweise dem Calvinismus an und gingen in Frankreich in den Hugenotten auf.

1521 verurteilte die Sorbonne die Schriften Luthers als ketzerisch. Die Anhänger Luthers werden ohne Kompromisse verfolgt. Trotzdem breitete sich der reformatorische Gedanke in Frankreich aus. Margarete von Angoulême, durch Heirat Königin von Navarra und deshalb auch als Margarete von Navarra bekannt, hat als Schwester des französischen Königs Franz I. großen Einfluß: Sie sympathisierte mit der Kirchenreform und sammelte erst in Meaux östlich von Paris, später in Nérac in der Gascogne protestantisch beeinflußte Humanisten an ihrem Hof; zu diesem Zeitpunkt verstanden sich diese Humanisten wie auch Erasmus von Rotterdam als Reformkräfte innerhalb der katholischen Kirche.

Diese Situation änderte sich ab etwa 1540 mit der katholischen Reformation und dem radikalen protestantischen Calvinismus. Johannes Calvin stammte aus Nordfrankreich, musste 1533 aus Frankreich fliehen, weil er als radikaler Protestant verfolgt wurde. Er fand Aufnahme in Genf, und Genf mit seiner Kirchenordnung, seiner protestantischen Universität und seiner planmässigen Mission vor allem im französischen Sprachbereich wurde zum Gegenpol des katholischen Rom. Unter den französischen Königen Heinrich II. und Franz II. 1547-1560 setzte eine scharfe anti-hugenottische Politik ein, die auch außenpolitisch motiviert war: Die schottische Königin Maria Stuart war mit Franz II. verheiratet und konnte aus katholischer Sicht Ansprüche auf den englischen Thron erheben. Trotzdem bildeten sich ab 1555 in ganz Frankreich protestantische Gemeinden nach dem Vorbild der calvinistischen Gemeinde in Genf. Etwa vier Jahre später schließen sich diese Gemeinden auf einer geheimen Nationalsynode in Paris zur "reformierten Kirche Frankreichs" zusammen. Dort verabschieden sie auch ihr Glaubensbekenntnis, die "Confessio gallicana", und ihre Kirchenordnung, die "discipline ecclesiastique".

Hugenottenkriege 1562-1598

Katharina von Medici, Mutter und Regentin für den König Karl IX., bemühte sich erfolglos um einen Ausgleich zwischen katholischer und reformierter Kirche. Ab 1562 beginnen die Hugenottenkriege. Auslöser dafür war das Blutbad von Vassy, ein Gemetzel an friedlich zum Gottesdienst versammelten Hugenotten, das der Herzog von Guise entgegen den Intentionen von Katharina von Medici durchführt. Während der nächsten 30 Jahre finden 8 Hugenottenkriege statt.

Das schlimmste Ereignis ist die sogenannte Bartholomäusnacht vom August 1572: Die Hochzeit des jungen Hugenotten Heinrich von Navarra, dem späteren Heinrich IV., mit der katholischen Margarete von Valois entartet zu einem Massaker an den Hugenotten, die in das südliche Frankreich abgedrängt werden.

Durch Todesfälle im Haus Valois wird der spätere Heinrich IV. Thronfolger. Im langen Achten Hugenottenkrieg 1584-1598 kann er durch Konversion zum Katholizismus 1593 die katholischen Adeligen schrittweise auf seine Seite ziehen und die spanischen Interventionstruppen aus Frankreich vertreiben. Zur Befriedung erlässt er 1598 das Edikt von Nantes. Es bestätigt das katholische Bekenntnis als Staatsreligion, gewährt aber Anhängern der reformierten Gemeinden Gewissens- und örtlich begrenzte Kultfreiheit. Hugenotten bekamen auch Zutritt zu öffentlichen Ämtern. Zur Wahrung des Rechts wurden konfessionell gemischte Gerichtshöfe gegründet. Außerdem bekamen sie "Sicherheitsplätze", deren wichtigster die Hafenstadt La Rochelle war.

Hugenotten nach 1598

1610 wurde Heinrich von Navarra vom religiösen Fanatiker François Ravaillac ermordet. Daraufhin begann Ludwig XIII. seine Regierungszeit, die maßgeblich durch Kardinal Richelieu bestimmt wurde. Rebellionen gegen den König beendete Kardinal Richelieu 1627 mit der Belagerung von La Rochelle, bei der 15.000 Einwohner verhungerten. Nach der Kapitulation von La Rochelle verloren die Hugenotten 1629 sämtliche Sicherheitsplätze. Richelieu setzte sich stark für die Zentralisation Frankreichs ein. Trotzdem blieb das Edikt von Nantes in Kraft und war Grundlage ihrer bürgerlichen und religiösen Rechte bis zu seiner Aufhebung im Edikt von Fontainebleau.

Ab 1643 war Ludwig XIV. König. Ab 1669 wurden die Hugenotten verfolgt und zwangsweise rekatholisiert. Dazu dienten die berüchtigten Dragonaden. Der König hatte das Recht, Soldaten (konkret Kavalleristen, die sogenannten Dragoner) bei Bürgern einzuquartieren. Dieses Recht wurde dazu mißbraucht, bekannte Hugenotten zu terrorisieren. 1685 erließ Ludwig XIV. das Edikt von Fontainebleau, das das Duldungsedikt seines Großvaters Heinrich IV. aufhebt. Er wollte die Glaubenseinheit in Frankreich wiederherstellen. Im wesentlichen waren folgende Maßnahmen vorgesehen:

  • Alle protestantischen Kirchen sollen sofort zerstört werden, der Wiederaufbau ist verboten.
  • Private Versammlungen und Gottesdienste werden verboten.
  • Die Hugenotten sollen rekatholisiert werden und ihre Kinder katholisch erzogen werden.
  • Alle Geistlichen, die nicht zum katholischen Glauben wechseln wollen, sollen das Land innerhalb von 14 Tagen verlassen.
  • Kinder, die älter als 7 Jahre sind, müssen zurückbleiben und werden im Schutz der staatlichen Fürsorge katholisch erzogen.
  • Die Auswanderung der protestantischen Gemeindemitglieder wird verboten.

Allen Verfolgungen zum Trotz gelang es etwa 250 000 Hugenotten zu fliehen, diese Flüchtlinge wurden auch als Réfugiés bezeichnet. Bald nach 1700 ebbte der Flüchtlingsstrom ab; doch die Verfolgung der Hugenotten, z.B. im Cevennenkrieg, endete erst mit dem Ende der Regierung von Ludwig XIV.

In Brandenburg-Preußen erließ Kurfürst Friedrich Wilhelm am 29. Oktober 1685 das Edikt von Potsdam, in dem er die französischen Reformierten in sein im Dreißigjährigen Krieg verwüstetes und entvölkertes Land einlädt. Die hugenottischen Kolonisten werden mit Privilegien und Beihilfen ausgestattet.

Siehe auch

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