Hoden-determinierender Faktor

aus Freepedia, der freien Wissensdatenbank

Der Hoden-determinierende Faktor - abgekürzt TDF, von engl. testis determining factor - bestimmt, dass sich aus der zunächst indifferenten Gonadenanlage ein Hoden zu entwickeln beginnt. Fehlt er, entsteht aus dieser ein Ovar. Seine Anwesenheit bzw. Funktionsfähigkeit ist - abgesehen von der Frage, ob eine Samenzelle mit einem Y-Chromosom oder eine solche mit einem X-Chromosom die Eizelle befruchtete - der primäre Auslöser für die Entwicklung zu einem männlichen Individuum.

Das TDF-Gen befindet sich auf dem kurzen Arm des Y-Chromosoms in einer SRY (Sex determining region of Y) genannten Region. Es wird zuerst in der siebten Wochen der Embryogenese transkribiert und codiert ein 223 Aminosäuren langes Protein das als Transkriptionsfaktor fungiert. Dieses Protein reguliert die Expression zahlreicher anderer Gene des Genoms und leitet die Sexdifferentiation ein.

In der Abwesenheit von TDF folgt die embryonale Entwicklung dem weiblichen Pfad. Wenn also das TDF-Gen (durch eine Mutation) funktionslos ist oder das TDF- bzw. Testosteron-Wahrnehmungssystem nicht funktioniert entwickeln sich XY-Feten zu sterilen weiblichen Lebewesen (sog. XY-Frauen).

Das DAX1-Gen ist eines der Gene das in der TDF-Wahrnehmung mitwirkt. Es befindet sich auf dem X-Chromosom und codiert einen TDF-Rezeptor. Ist dieser Rezeptor nun funktionslos bzw. gar nicht vorhanden, entwickeln sich weiblich aussehende sterile XY-Individuen. Dies ist ein Beispiel für Pseudohermaphroditen, bei denen das chromosomale (XY) und das phänotypische Geschlecht nicht übereinstimmen.

Ein anderes Beispiel sind männliche Individuen, die aber kein Y-Chromosom haben. Bei diesen wurde die SRY-Region im Rahmen der Reifeteilungen während der Spermatogenese auf eines der X-Chromosomen oder eines der Autosomen transloziert. Dies führt dazu dass die embryonale Entwicklung dem männlichen Pfad folgt. Dieser Fall scheint bei Männern in einer Häufigkeit von 1:20.000 zu bestehen, d.h. dass 5 von 100.000 Männern dementsprechend als XX-Männer bezeichnet werden können, und dass dies eine der Ursachen männlicher Infertilität ist, da sie nicht die Gene des Y-Chromosomes besitzen, die für die Bildung mobiler Spermien notwendig sind.

Geschichte

1959 konnte nachgewiesen werden, dass das Y-Chromosom Träger des Gens für den TDF bei Menschen und Mäusen ist. 1966 wurde anhand der Auswirkungen von Gentranslokationen und Chromosomenverkürzungen (Deletionen) die Genlokalisation auf den kurzen Arm des Y-Chromosoms eingeengt.

Seit den späten 80er Jahren des 20. Jahrhunderts weiß man, dass die Region 1 des kurzen Arms des Y-Chromosoms den Faktor als die Sex determining region of Y (SRY) kodiert, inzwischen wird der genaue "Locus" mit Yp11.3 angegeben.

Siehe auch

Weblinks

Bild:Erste hilfe.png Bitte beachten Sie auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!


Views
'Persönliche Werkzeuge
Werkzeuge
Andere Sprachen
Ähnliche Links