Guanchen
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Die Guanchen (auch Guantschen) waren die Ureinwohner der Kanarischen Inseln. Synonym wird auch der Begriff Altkanarier verwendet.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Es gab mehrere/drei Besiedlungsschübe auf die Kanaren.
Die Guanchen wanderten vermutlich ab etwa 3000 v. Chr. von Ost nach West auf die Kanaren ein und brachten Vieh und Saatgut mit. Es ist wahrscheinlich, dass sie von einem Wüstenvolk aus der Sahara abstammen, welches mit Binsenbooten von Nordafrika übersetzte. Außerdem weisen archäologische Ausgrabungen auf eine (weitere) Besiedlung aus Europa hin.
Um 1100 v. Chr. erreichten die Phönizier auf der Suche nach Handelsmöglichkeiten die Kanarischen Inseln.
Im Zeitraum von 500 - 200 v. Chr. kommen weitere Menschen aus Nordafrika auf die Kanaren. Ein zweiter Besiedlungsschub. Höchstwahrscheinlich finden diese Leute aber schon kleine, existierende Königreiche vor (mehrere auf jeder Insel).
Berber erreichten die Kanaren vom 6. Jahrhundert an bis ungefähr ins Jahr 800. Der dritte und letzte große Besiedlungsschub. Während dieser Zeit ging wahrscheinlich das antike Wissen um die Kanaren im mittelalterlichen Europa verloren.
Als Kolumbus nach Amerika aufbrach, landete er auf diesen Inseln. Dort wohnten in einer Art steinzeitlicher Kultur die Guanchen. Die Bevölkerung betrug ca. 25.000 - 30.000 Einwohner. Der Eroberungskrieg durch die Spanier dauerte von 1402 bis 1496 und endete in einer für die Guanchen verheerenden Schlacht im Jahre 1495. Sie zogen sich danach ins Hochland zurück, wurden aber dennoch weitestgehend ausgerottet.
Zeittafel
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| vor 10 Mio. Jahren | Vulkanaktivitäten im Atlantik formen die Kanaren |
| 3000 v. Chr. | Besiedlung der Kanaren in mehreren Schüben aus Nordafrika und Europa |
| 1100 v. Chr. | Phönizier erreichen während ihrer Seefahrten auf der Suche nach Handelsmöglichkeiten die Kanaren |
| 500 - 200 v. Chr. | weitere Menschen aus Nordafrika besiedeln die Kanaren. Die Siedler finden bereits existierende Königreiche der Guanchen vor |
| 1. Jahrhundert | Aufzeichnungen von Plinius dem Älteren berichten über Expedition des Mauretanien-Königs Juba II. zu den Kanaren.
Begriff "Insula Canaria" wird für Gran Canaria verwendet. Weitere Quelle für die bewusste Existenz der Kanaren bzw. Guanchen: Ovid ("Metamorphosen") |
| 2. Jahrhundert | Auf Ptolemäus' Weltkarte führt der Nullmeridian durch El Hierro |
| 6. - 9. Jahrhundert | Berber von der Nordwestküste Afrikas siedeln auf den Kanarischen Inseln |
| 1312 | Die Kanarischen Inseln werden durch Lanzarote Malocello wieder entdeckt |
| 1402 - 1406 | Jean de Béthencourt erobert für Spanien die Inseln Lanzarote, Fuerteventura und El Hierro |
| 1478 - 1483 | Guanchen Gran Canarias werden unterworfen |
| 1492 | Alfonso Fernandez de Lugo beginnt mit der Eroberung von La Palma |
| 1493 | Die Friedensverhandlungen mit den Guanchen auf Teneriffa scheitern. Der erste spanische Feldzug gegen die Ureinwohner auf Teneriffa beginnt |
| 1494 - 1496 | Alonsa Fernández de Lugo landet auf (der letzten "freien" Insel) Teneriffa. Er erleidet am 31. Mai 1494 bei La Matanza eine schwere Niederlage gegen die Guanchen.
Am 25. Dezember 1495 unterliegen die Guanchen bei La Victoria endgültig den Spaniern. Teneriffa ist die letzte Insel, die von der spanischen Krone unterworfen wird. |
Kultur
Herkunft
Über die Herkunft der Guanchen ist wenig bekannt, jedoch ist sicher, dass die Altkanarier zumindest zum Teil berberischer Herkunft waren.
In Betracht kommt ebenso eine teilweise Abstammung von den Phöniziern, die auf ihren Seefahrten im Atlantik die Kanarischen Inseln - dabei aber u.U. eine schon existente Kultur - vorgefunden haben.
Für eine Teil-Besiedlung aus Europa spricht die ethnische Beschaffenheit der hochgewachsenen und weißen, hellhäutigen Altkanarier.
Es gibt allerdings auch Hinweise, dass ein Zusammenhang mit der ägyptischen Kultur besteht. Hierfür sprechen Bestattungsriten, die viele Parallelen zur ägyptischen Einbalsamierung zeigen.
Sprache und Schrift
Archäologische Funde legen die Existenz einer der libysch-berberischen verwandten Schrift nahe.
Auf den meisten Inseln findet man zahlreiche Petroglyphen der Altkanarier.
Es sind nur noch wenige Wörter aus ihrer ausgestorbenen Sprache, dem Guanche, bekannt. So bedeutet Guanche eigentlich Mann/Mensch aus Teneriffa und wurde erst später zu einer Sammelbezeichnung. Die Sprache starb im 17. Jahrhundert aus. Allerdings haben sich bis heute Elemente dieser Sprache im Kanarischen Dialekt gehalten. So ist beispielsweise das auf den Kanaren übliche Wort für "Bus" Gua-gua. Dieses Wort ist guanchischen Ursprungs, allerdings ist unbekannt, was es ursprünglich bedeutete.
Leben
Die Guanchen waren Hirten und betrieben Ackerbau. In ihrer bäuerlichen Kultur züchteten sie Ziegen, Schafe und Schweine. Angebaut wurden Gerste, Weizen und Hülsenfrüchte. Da sich für den Ackerbau keine planen Flächen boten, legten sie riesige Terrassentreppen an, die mit Bewässerungsgräben durchzogen waren. Wissenschaftler behaupten, es soll eine Echsenart (Größe ca. 40 cm) gegeben haben, welche bejagt wurde. Metallverarbeitung war ihnen unbekannt. Kleidung und Schuhe wurden aus Tierfellen gefertigt. Bevorzugt nutzten die Ureinwohner der Kanaren kühle Berghöhlen als Wohnstätten und Vorratslager. Es wird aber ebenso von vereinzelten Hüttendörfern berichtet. Sie verwendeten einen langen Stock aus Riesenheideholz, um die extrem zerklüfteten Vulkanlandschaften zu meistern und kleine Schluchten zu überwinden.
Ihre Kultur kannte Steingefäße und Kunst (kringelförmige Muster).
Experten fanden Schädel mit deutlichen Anzeichen einer Trepanation. Somit mussten die Altkanarier ein gewisses medizinisches Wissen gehabt haben.
Soziale Ordnung
Die Guanchen organisierten sich in Stämmen unter einem König/Stammeshäuptling, dem sogenannten Mencey.
Der wohl legendärste von ihnen lebte auf Teneriffa. Es war der Mencey Tinerfe.
Religion/Glaube
Auf Teneriffa befinden sich einige pyramidenähnliche Bauten ("Pyramiden von Güímar"), bei denen es sich möglicherweise um Kultstätten handelt; ebenso auf La Palma. Einige Guanchen wurden mumifiziert bestattet. Sie sind heute z.T. in Museen in Spanien zu besichtigen. Folglich besaßen die Guanchen wohl ein religiöses Verständnis und hatten sicherlich einen Glauben. Inwiefern sich dieser inselübergreifend überschnitt, ist nicht bekannt; d.h. es kann sich sowohl um vereinzelte Stammesreligionen, als auch um eine die ganzen Kanarischen Inseln umspannende Religionsform, gehandelt haben.
Literatur
- Harald Braem: Tanausú - König der Guanchen. Historischer Roman, Zech Verlag, Teneriffa 2003 (geschrieben 1988) ISBN 84-933108-0-8
- Harald Braem: Die Geheimnisse der Pyramiden. Sachbuch, Heyne 1999, ISBN: 345314774X
- Horst Uden: Der König von Taoro - Historischer Roman der Eroberung Teneriffas. Zech Verlag, Teneriffa 2003 (geschrieben 1941) ISBN 84-933108-4-0



