Griechische Landschildkröte
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| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Testudo hermanni | ||||||||||||
| Gmelin, 1789 |
Die Griechische Landschildkröte (zool.: Testudo hermanni GMELIN 1789) gehört der Gattung Testudo an. Die anderen Mitglieder der Gattung sind Dalmatinische Landschildkröte (Testudo hercegovinensis), Maurische Landschildkröte (Testudo graeca), Breitrandschildkröte (Testudo marginata), Vierzehenschildkröte (Testudo horsfieldi) und Ägyptische Landschildkröte (Testudo kleinmanni).
Inhaltsverzeichnis |
Allgemeines
Griechische Landschildkröten sind tagaktive Reptilien, die für die Verdauung ihrer überwiegend vegetarischen Nahrung auf die Zufuhr von ausreichend Sonnenenergie angewiesen sind. Sie können als poikilotherme (wechselwarme) Tiere die nötige Körperwärme nicht selbst erzeugen, sondern müssen sie, ihren jeweiligen Bedürfnissen entsprechend, durch Ortswechsel von schattigen zu sonnigen Plätzen beeinflussen. Für die einwandfreie Verdauung ihrer faserreichen Nahrung benötigen sie einige Stunden am Tag Körpertemperaturen um 25°C-30°C (Präferenztemperatur, Huot-Daubremont, 1996), die sie, z.B. durch ein morgendliches Sonnenbad, auch dann erreichen, wenn die Lufttemperaturen noch deutlich niedriger liegen. Überhalb von 40°C geraten sie in Lebensgefahr und vergraben sich deshalb in der kühleren Erde. Unterhalb von 8°C verfallen sie in Starre; der Stoffwechsel kommt zum Erliegen und auch die Atmung und Herzfrequenz sind stark herabgesetzt.
Unterarten
Von Testudo hermanni sind zwei Unterarten bekannt. Bis 1993 unterlagen die beiden Unterarten einer anderen Nomenklatur, da bei der Erstbeschreibung durch Gmelin 1789 ein Fehler unterlaufen war. Er bezog sich mit seiner Beschreibung von Testudo hermanni hermanni auf ein Exemplar der anderen Unterart. So wurden als Testudo hermanni hermanni zunächst Tiere der östlichen Verbreitungsgebiete bezeichnet, solche der westlichen Verbreitungsgebiete dagegen als Testudo hermanni robertmertensi. Inzwischen haben sich allgemein folgende Bezeichnungen durchgesetzt:
Testudo hermanni hermanni, Gmelin 1789
Bild:WegehauptThhSardinien.jpg Verbreitung: Ostspanien, Südfrankreich, Balearen, Korsika, Sardinien, Mittelitalien (Toskana).
Der Rückenpanzer (Carapax) der Westrasse der Griechischen Landschildkröte ist hochgewölbt und hat eine intensive Färbung, wobei der gelbe Farbton stark mit den schwarzen Flecken kontrastiert. Die Farben wirken bei älteren Tieren verwaschen, dennoch bleibt die Intensität der Gelbtöne oft erhalten. Der Bauchpanzer (Plastron) hat zwei zusammenhängende schwarze Bänder entlang der Mittelnaht. Die Färbung des Kopfes ist oliv bis gelblich mit vereinzelt dunklen Flecken. Ein Merkmal dieser Unterart ist der gelbe Fleck auf der Wange, den jedoch nicht jedes Tier besitzen muss. Die Vorderfüße besitzen in der Regel an ihrer Unterseite keine schwarze Pigmentierung. Die Basis der Krallen ist oft, jedoch nicht immer, hell gefärbt. Der Schwanz besitzt am Ende einen Hornnagel und das Oberschwanzschild ist in der Regel geteilt.
Der Art- bzw. Unterartnamen "hermanni" wurde zu Ehren des deutschen Mediziners und Pflanzensammlers Paul Hermann (1646-1695) gewählt.
Testudo hermanni boettgeri, Mojsisovics 1889
Verbreitung: Kroatien, Mazedonien, Rumänien, Bulgarien, Albanien, Griechenland, europäischer Teil der Türkei
Der Rückenpanzer der Ostrasse ist meist hochgewölbt und rundlich, es sind jedoch auch Tiere mit flacheren und länglichen Rückenpanzern bekannt. Die Färbung des Panzers ist bräunlich bis gelb, bzw. olivbraun mit abgesetzten schwarzen Flecken. Bei älteren Tieren wirkt die Färbung oft verwaschen. Der Bauchpanzer ist fast immer einheitlich hornfarben und weist an beiden Seiten der Mittelnaht einzelne schwarze Flecken auf. Der Kopf hat eine bräunliche bis schwarze Färbung und ist fein beschuppt genauso wie die Vorderfüße. Diese besitzen in der Regel fünf Krallen, die an der Basis eine dunkle Färbung aufweisen. Die Hinterfüße wirken plump. Der äußerst kräftige Schwanz endet ebenfalls mit einem Hornnagel.
Der Unterartname "boettgeri" geht auf den Frankfurter Herpetologen Oskar Boettger (1833-1910) zurück.
- Testudo (hermanni) hercegovinensis: Vor kurzem wurde innerhalb der Ostrasse ein neuer Formenkreis entdeckt, der inzwischen von Vinke & Vinke (2004) als eigenständige Art beschrieben wurde (Dalmatinische Landschildkröte, Testudo hercegovinensis, WERNER 1899). Sie unterscheidet sich von Testudo hermanni unter anderem durch ihre kleinere Körpergröße und fehlende Inguinalschilde (Achselschilde).
Wachstum und Lebenserwartung
Bild:ThbGeschluepft.jpg Bild:Zwergform800.jpg Wachstum: Griechische Landschildkröten wachsen, solange sie leben. In den ersten Jahren zeigen Testudo h. boettgeri einen relativ linearen, jährlichen Längenzuwachs von ungefähr 1 cm Panzerlänge (Stockmaß). Dabei bilden sich durch die regelmäßigen jährlichen Wachstumsperioden in der Natur an den Schildern des Rückenpanzers deutlich sichtbare Wachstumsringe aus, die zur ungefähren Altersbestimmung herangezogen werden können. Einige Zeit nach der Geschlechtsreife verlangsamt sich das Wachstum und die Wachstumsringe werden zunehmend schmäler. Bei sehr alten Tieren bildet sich kein sichtbarer Zuwachs mehr und auch die früheren Wachstumsringe sind nicht mehr deutlich genug für eine Altersbestimmung. Geschlechtsreife und Ende des schnellen Jugendwachstums variieren bei verschiedenen Populationen beträchtlich (Geschlechtsreife: Männchen ca. 6 – 14 Jahre, Weibchen 7 - 16 Jahre; Ende des schnellen Wachstums: ca. 9-20 Jahre / Durchschnittswerte verschiedener Populationen von Testudo h. boettgeri in Griechenland). Die beträchtlichen Unterschiede in den Durchschnittsgrößen einzelner Populationen werden nicht durch höhere Schlupfgewichte und stärkeres Jugendwachstum hervorgerufen, sondern durch ein späteres Ende des schnellen Wachstums. Im Gegenteil, kleiner bleibende Tiere haben oft sogar ein etwas schnelleres Jugendwachstum als größer werdende. Die Wachstumskurve flacht bei ihnen nur sehr viel früher ab. Die größte Panzerlänge (31,4 cm) wurde an einem Museumsstück in Bulgarien gemessen. Normalerweise bleiben die Tiere jedoch deutlich kleiner: Männchen bis 20cm, Weibchen bis 26cm, auch sehr viel kleinere Lokalformen sind bekannt (Willemsen et al., 1999). Testudo h. hermanni erreicht selten eine Länge über 18 cm (Durchschnittswert für alte Weibchen in Kalabrien 12,8cm, Willemsen 2000) Es gibt auch Tiere, die ausgewachsen nur 7 cm messen.
Alter und Lebenserwartung: Der sparsame Umgang mit Energie ist das Geheimnis, weshalb Landschildkröten ein hohes Lebensalter erreichen können. Nach einer Theorie "Rate of Living", Pearl 1928) ist der Maßtakt des Lebens der Energieverbrauch pro Gramm Körpergewicht. Ist dieses Quantum verbraucht, treten Störungen auf, die zum Alterstod führen. Bei der poikilothermen (wechselwarmen) Griechischen Landschildkröte läuft die Lebensuhr außerdem in manchen Perioden verlangsamt ab, bei Temperaturabsenkung in der Nacht, bei Schlechtwetter und im Winterschlaf. Sie können deshalb gut fünfmal älter als vergleichbar große Säuger werden und unter günstigen Umständen über 100 Jahre leben. Allerdings ist trotz dieses möglichen Höchstalters die tatsächliche Lebenserwartung in der Natur deutlich geringer, nur etwa 1% der geschlechtsreifen Tiere erreichen ein Alter von 50 Jahren. Bei Untersuchungen an einer Population von Testudo hermanni boettgeri in Nordgriechenland wurden jährliche Überlebensraten bei adulten (erwachsenen) Tieren von ca 90% ermittelt, wobei Männchen eine etwas höhere Überlebenswahrscheinlichkeit haben als Weibchen. Männchen haben demzufolge nach Eintritt der Geschlechtsreife (im Mittel mit 9 Jahren) noch durchschnittlich 11,6 Jahre zu leben. Bei Weibchen tritt die Geschlechtsreife im Schnitt erst mit 11 Jahren ein. Sie haben danach eine weitere Lebenserwartung von nur noch 8,1 Jahren. Ihre kürzere Lebenserwartung wird mit den Folgen von Paarungsverletzungen durch die Männchen erklärt, die über Infektionen und Madenbefall zum Tode führen können. Die Lebenserwartung von Weibchen steigt mit sinkender Bestandsdichte (weniger Tiere, weniger Paarungsversuche und dadurch weniger Verletzungen bei den Weibchen), die der Männchen dagegen bleibt gleich. Bei Jungtieren konnte kein Unterschied in der Überlebensrate zwischen den Geschlechtern festgestellt werden (Hailey et al. 1990/2000).
Fortpflanzung
Bild:Th Maennchen 350.jpg Bild:Th Weibchen 350.jpg Der französische Forscher Claude Pieau hat 1971 herausgefunden, daß bei vielen Schildkrötenarten das Geschlecht nicht durch Geschlechtschromosomen bereits bei der Zeugung festgelegt wird, sondern erst im Laufe der Embryonalentwicklungs durch die Bruttemperatur bestimmt wird (ESD/TSD, umwelt-/temperaturabhängige Geschlechtsfixierung). Bei Testudines entstehen unterhalb der sog. Scheiteltemperatur Männchen, darüber Weibchen. Als Scheiteltemperatur wird diejenige Bruttemperatur bezeichnet, die unter konstanten Laborbedingungen ein ausgewogenes Geschlechtsverhältnis bewirkt. Für Testudo hermanni liegt sie bei 31,5°C.
Geschlechtsunterschiede und Geschlechtsverhältnis: Griechische Landschildkröten besitzen einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus, d.h. Männchen und Weibchen zeigen deutliche sekundäre Geschlechtsmerkmale, die sich im Vorfeld der Geschlechtsreife mit etwa 4-6 Jahren ausprägen. Frisch aus dem Ei geschlüpfte Tiere sind nicht nach Geschlechtern zu unterscheiden. Erwachsene Männchen haben einen längeren Schwanz und eine dickere Schwanzwurzel, in der der Penis verborgen ist und nur zur Begattung ausgestülpt wird. Der Hornnagel am Schwanzende kann bei einem älteren Männchen eine enorme Größe annehmen. Der Bauchpanzer ist leicht konkav. Auch die Form der Schwanzschilde des Bauchpanzers und das Oberschwanzschild des Rückenpanzers charakterisieren das Männchen. Weibchen sind insgesamt größer und schwerer als Männchen und ihre Kloake liegt näher am Körperende des Schwanzes als bei Männchen. Ihr Hornnagel ist wesentlich kleiner und leicht nach innen gebogen. Der Bauchpanzer ist plan.
Im Gegensatz zu anderen europäischen Landschildkrötenarten ist in sehr vielen natürlichen Boettgeri-Populationen das Zahlenverhältnis der Geschlechter erwachsener Tiere untereinander nicht ausgewogen, sondern teilweise stark zugunsten der Männchen verschoben. Als Ursache dafür werden, neben früherem Eintritt der Geschlechtsreife bei Männchen, vor allem die kürzere Lebenserwartung der Weibchen angegeben (Hailey, 2000) Bild:WegehauptThhPaarung.jpg
Paarung: Landschildkröten haben Paarungsrituale, die auf den Menschen ausgesprochen grob wirken. Das Männchen verfolgt und umkreist das Weibchen unablässig und versucht es durch kräftiges Beißen in die Beine am Davonlaufen zu hindern. Bisse in den Kopf veranlassen das Weibchen den Kopf einzuziehen, wobei die Kloake leicht hervortritt. Jetzt kann das Männchen aufreiten. Bei der Kopulation öffnet er das Maul und stößt piepsende Laute aus, deren Tonhöhe möglicherweise stimulierend auf das Weibchen wirkt (Galeotti et al., 2005). Bei der Paarung der Ostrasse kann es zu schweren Verletzungen des Weibchens durch den langen Hornnagel des Männchens kommen. Testudo hermanni Männchen sind das ganze Jahr paarungswillig, mit Peaks im Frühjahr und vor allem im Herbst. Die Paarungsversuche des Männchens verlaufen aber häufig ergebnislos. In einer Untersuchung kam es in weniger als einem Prozent der Versuche zur vollzogenen Paarung (Willemsen, 2003). Als Ausgleich dafür dient vermutlich die Fähigkeit des Weibchens, Samen aus früheren erfolgreichen Paarungen über längere Zeit, möglicherweise Jahre, zu speichern und so die heranreifenden Eier auch ohne erneute Paarung zu befruchten.
Eiablage: Die Reproduktion aller Schildkrötenarten erfolgt über Eigelege, die jedoch nicht aktiv bebrütet werden. Die Brutpflege des Schildkrötenweibchens beschränkt sich auf die sorgfältige Auswahl des Eiablageplatzes in Bezug auf Temperatur und Feuchtigkeit und vermutlich auch Nahrungsangebot und Deckung für die schlüpfenden Jungtiere. Sie verläßt dazu häufig ihr angestammtes Territorium und sucht lange bis sie einen passenden Platz gefunden hat, der dann aber über Jahre beibehalten werden kann. Hat sie ihn gefunden, gräbt sie mit den Hinterbeinen eine relativ tiefe Eigrube, in die sie vorsichtig die Eier platziert. Danach wird die Grube sorgfältig wieder zugeschaufelt und der Nachwuchs der Sonne zum Ausbrüten überlassen. Griechische Landschildkrötenweibchen legen zwei- bis dreimal im Jahr (von April bis Juni) bis zu 14 hartschalige Eier, im Mittel aber 3-6 Eier pro Gelege mit einem durchschnittlichen Gewicht von 16g und einer Größe von 35-37 mm. Die Gelegegrößen varieren bei den verschiedenen Populationen (Stubbs, 1985, Hailey 1988, Eendebak 1995). Die Gefahr für die abgelegten Eier durch Nesträuber ist extrem groß und sehr viele Gelege werden komplett zerstört, in manchen Populationen bis nahe 100% (Willemsen et al. 1989).Schlupf und erste Lebensjahre: Die kleinen Schildkröten schlüpfen von Ende August bis Ende September nach einer durchschnittlichen Brutdauer von ca. 90 Tagen in Frankreich bis 110-124 Tagen in Rumänien (Cheylan, 1981, Cruce et al., 1976). Wenn herbstliche Regenfälle die ausgetrocknete Erde wieder aufweichen und ein reiches Nahrungsangebot versprechen, graben sie sich in gemeinsamer Anstrengung aus der Eigrube nach oben und verbringen die ersten Lebensjahre verborgen im Bereich von Hecken und Büschen. Wegen ihrer geringen Körpergröße stellt Überhitzung und Austrocknung für sie eine wesentlich größere Gefahr dar als für erwachsene Schildkröten. Sie sind daher eher an bedeckten Tagen und in den kühleren Tages- und Jahreszeiten aktiv. Die Überlebensrate von Jungtieren in der Natur ist aufgrund ihrer verborgenen Lebensweise wenig erforscht. Sie wird jedoch allgemein als gering angesehen. Es gibt aber auch Hinweise auf hohe Überlebensraten von über 80 % in manchen Populationen (Willemsen, pers. Mitlg.)
Lebensweise in der Natur
Bild:WegehauptHabitatSardinien1.jpg Biotope: Die Griechische Landschildkröte besiedelt fast alle Vegetationsformen im Mittelmeerraum bis in eine Höhe von etwa 1500m, lichte Kiefern-, Eichen- und Korkeichenwälder, Hecken-, Strauch- und Heidelandschaften (Macchia, Garrigue), sowie Kulturflächen wie Wiesen, Oliven- und Zitrushaine, Ackerland und Gärten. Teilweise wird zwischen einzelnen Vegetationsformen gewechselt, z.B. zur Eiablage.
Reviergrößen: Auf ihren Wanderungen zur Futtersuche legen die Tiere im Durchschnitt 80 m täglich zurück, teilweise aber auch über 400m. Im Jahr kommen so Wege von ca. 12 km Länge zustande. Die Tiere nützen dabei sehr große Reviere, je nach Biotop 1,8 ha und mehr (Hailey 1989).
Tages- und Jahreszyklus: Nach Ende des Winterschlafes im März/April verbringen die Tiere die Zeit hauptsächlich mit Aktivitäten zur Thermoregulation (Sonnenbaden in den warmen Vormittagsstunden). Im Mai /Juni liegt die Hauptaktivitätsphase der Tiere mit gesteigerter Nahrungsaufnahme, Ortswechseln und Sexualverhalten wie Kopulation und Eiablagen. Die sommerliche Hitze im Juli August zwingt die Tiere zu einem geteilten Tagesrhythmus mit Rückzug in kühlere Verstecke während der heißesten Tageszeit. Im Herbst (September/Oktober) geht die Aktivität deutlich zurück, die Aufwärmphasen nehmen jetzt wieder einen Großteil der aktiven Zeit in Anspruch (Cheylan, 2001). Daneben kommt es aber auch zu erneuter Paarungstätigkeit. Die kalte Jahreszeit (3-5, in Ausnahmefällen 6 Monate) wird überwiegend inaktiv in Höhlen verbracht.
Bild:WegehauptBaden.jpg Nahrung: Aufgenommen wird eine Vielzahl von ein- und mehrjährigen Pflanzen aus einem breiten Spektrum von Pflanzenfamilien. Nahrungsvorlieben sind jedoch deutlich feststellbar. So machten bei einer Untersuchung in Korsika nur 9 Pflanzenarten den Hauptnahrungsanteil von 62% aus. Das sind, in der Reihenfolge der Beliebtheit, Vertreter von Asteraceae, Fabaceae, Ranunculaceae, Araceae, Campanulaceae, Convolvulaceae und Rubiaceae. Überwiegend (ca. 70%) werden die Blätter der Pflanzen gefressen, aber auch Blüten, Früchte und in geringem Maße Stengel. Darüberhinaus wurden die Tiere beim Aufnehmen von Wirbellosen (z.B. Gehäuseschnecken), Aas und Kot von Wirbeltieren und kleinen Steinchen beobachtet. Aromatisch duftende Pflanzen wie Lavendel und Thymian werden nicht gefressen. (Cheylan, Huot-Daubremont, Nougarède).
Feinde: Das Ausplündern der Gelege, meist unmittelbar nach der Ablage, bringt die größten Verluste, daneben haben aber vor allem Jungtiere eine Reihe von Fressfeinden wie Raub- und Rabenvögel, Ratten, Marderartige, Füchse, Hunde und Wildschweine. Für größere Schildkröten stellen nur noch sehr große Raubvögel, Hunde, Wildschweine und der Mensch eine Gefahr dar.
Gefährdungsstatus und Artenschutz
Bild:ThbPassbild350.jpg Artenschutzabkommen: Wie alle europäischen Landschildkröten ist Testudo hermanni, insbesondere die Westrasse, in ihren Heimatländern im Bestand bedroht. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts war es vor allem das systematische Absammeln für den mittel- und nordeuropäischen Heimtiermarkt, das viele Populationen an den Rand der Ausrottung brachte. Folgerichtig war Testudo hermanni von Anfang an, also seit 1975, im Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) in Appendix II gelistet. Seitdem gilt für die Unterzeichnerstaaten ein vollständiges Handelsverbot für der Natur entnommenen Tiere. Mit dem Beitritt der großen europäischen Abnehmerländer zur Artenschutzkonvention, überwiegend in den Jahren 1976-1978, brach der Markt für den Export weg, auch wenn die meisten Heimatländer der Griechischen Landschildkröte erst sehr viel später unterzeichneten. Griechenland und die Türkei traten z.B. erst 1993 bzw. 1996 bei. In Gefangenschaft nachgezogene Tiere unterliegen einer behördlichen Meldepflicht und brauchen für die Weitergabe an andere Halter Vermarktungsgenehmigungen. Seit 1996 sind das die sog. EU-Papiere mit Identifikation einzelner Individuen. Zunächst mußten Tiere über 500g mit elektronischem Mikrochip versehen werden. Jetzt wird eine Fotodokumentation mit Fotos von Rücken- und Bauchpanzer verlangt, da die Form der Schilder die einzelnen Tiere unveränderlich kennzeichnet. Ohne diese Papiere ist eine Weitergabe in der gesamten EU illegal und wird bestraft, genauso wie eine illegale Einfuhr aus den Herkunftsländern z.B. als Touristensouvenir.
Weiterbestehende Gefährdung: Leider hat das Handelsverbot für griechische Landschildkröten die Bedrohung durch den Menschen nicht beendet. Vor allem die Zerstörung angestammter Lebensräume durch Baumaßnahmen, Urbarmachung von Brachland, z.B. durch Brandroden, Einsatz schwerer Maschinen und Herbiziden, aber auch Überweidung durch Nutztiere (Schafe und Ziegen) entzieht den Landschildkröten, insbesondere den empfindlicheren Jungtieren, Nahrung und Schutz vor Austrocknung bzw. vor Freßfeinden. Wenn der Verlust an Habitat weiter wie bislang fortschreitet, wird der Landschildkrötenbestand z.B. in Griechenland in 100 Jahren auf 20%-40% gesunken und zum Ende des Jahrtausends erloschen sein. Zudem leben viele Populationen durch die Zerstückelung der Landschaft voneinander isoliert, was langfristig durch Verringerung der Genvielfalt die Erhaltung der Art ebenfalls bedroht, wenn auch signifikant weniger als der Verlust an Lebensraum (Hailey et al. 2003).
Schutz- und Wiederansiedlungsprojekte: Um die völlige Ausrottung der Griechischen Landschildkröte zu verhindern, gibt es in den Heimatländern einige, zum Teil umstrittene Artenschutzprojekte. Für die letzte Population der besonders gefährdeten Nominatform Testudo h. hermanni auf der iberischen Halbinsel wurde 1986 in den Ausläufern der östlichen Pyrenäen ein Nationalpark (Parc Natural de l'Albera) eingerichtet, von dem aus auch drei Wiederansiedlungsprojekte in Katalonien betreut werden. In Südfrankreich kümmert sich das SOPTOM-Projekt in Gonfaron neben dem Erhalt von natürlichen Lebensräumen um die Versorgung von Verkehrs- und Brandopfern und die Vorbereitung zur Wiederauswilderung einiger lange in Gefangenschaft gehaltener Tiere. Weitere, z.T. private Naturschutzprojekte sind das Carapax Center in Massa Marittima, Italien und O AETOS e.V. in Platamonas, Griechenland.
Die Griechische Landschildkröte als Heimtier
Landschildkröten werden seit Jahrtausenden vom Mensch genutzt, als Nahrungsquelle, der Panzer als Gebrauchsgegenstand und Schmuckobjekt, das lebende Tier als Kinderspielzeug. Auf einer süditalienischen Vase aus dem 4.Jhrd v. Chr. (Exponat im Britischen Museum) ist ein Mädchen beim Spiel mit einer Landschildkröte abgebildet. Es hat dem Tier eine Schnur an das Hinterbein gebunden und läßt es so kopfüber vor der Nase eines Hundes baumeln. Bild:Jungtiergehege.jpg Die heutige Nutzung dieser Tiere, auch in den Heimatländern, wird durch das Washingtoner Artenschutzabkommen weitgehend auf die Haltung von Nachkommen der einstigen Wildfänge beschränkt. In unseren Breiten stellt die Griechische Landschildkröte relativ hohe Ansprüche an die Haltung, ist sie doch ein Tier, dessen Lebensvorgänge durch die hohe Lichtintensität und Sonnenwärme im Mittelmeergebiet gesteuert werden. Die ausschließliche Haltung im Haus ist deshalb nicht möglich, sie führt schnell zu einem bloßen Dahinsiechen der Tiere mit vorzeitigem Tod.
Unterbringung: Großes, voll sonniges Freigehege im Garten mit einigen Schattenplätzen unter Büschen und freiem Zugang zu einem heizbaren Frühbeet/Gewächshaus für kalte Nächte bzw. für Schlechtwetterperioden.
Fütterung: Sparsame Ernährung mit rohfaserreichen Wiesenkräutern, z.B. Löwenzahn und Gänsedisteln (Asteraceae), Klee, Luzerne und Vogelwicke (Fabaceae), Acker- oder Zaunwinde (Convolvulaceae) und vielen weiteren Wildkräutern. Für täglich frisches Trinkwasser und ausreichende Kalkzufuhr für ein gesundes Panzerwachstum, z.B. gestoßene Eierschalen, Sepia oder Muschelgrit, ist ebenfalls zu sorgen. Nicht gefüttert werden dürfen alle tierischen Produkte, Obst, Gemüse und kommerzielles Schildkrötenfutter. Deren zu hoher Nährstoffgehalt und ihre unnatürliche Zusammensetzung führen in Gefangenschaft sehr schnell zu lebensbedrohlichen Stoffwechsel- und Knochenerkrankungen.
Winterschlaf: 4-5 Monate im Jahr, vergraben in leicht feuchtem Substrat bei 4-6°C (evtl. in einem separaten Kühlschrank), zu trockene Überwinterung und Temperaturen über 8°C zehren die Tiere aus und vergiften den Organismus wegen fehlender Ausscheidungsvorgänge.
Sonstiges: Jährliche, tierärztliche Kontrolle auf Parasiten und allgemeinen Gesundheitszustand
Literatur
Allgemeine Literatur
- Baur, M. (1999): Die Haltung und Pflege Europäischer Landschildkröten, Mitschrift eines Vortrages, Zoo Karlsruhe (Volltext)
- Dennert, C. (2002): Ernährung von Landschildkröten, ISBN: 3931587533, Natur- und Tier Verlag, Bad Helbrunn
- Fritz, C., Pfau, B. (2002): Haltung und Zucht der griechischen Landschildkröte, DATZ, Sonderheft "Schildkröte" (Volltext)
- Kölle, P., Baur, M.& Hoffmann, R. (1998): Elf Kardinalfehler bei der Landschildkrötenpflege, DATZ 52 (1)
- Mathes, K.A. (2000): Einblicke in die natürliche Lebensweise von Testudo hermanni hermanni, Draco 02, NTV
- Wegehaupt, W.: Die natürliche Haltung und Zucht der Griechischen Landschildkröten, Wegehaupt Verlag, Kressbronn (Bezugsquelle)
- Zirngibl, R. (2000): Ihr Hobby, Griechische Landschildkröten, ISBN: 3-933646-20-0, Bede Verlag
Fachliteratur
- Cheylan, M. (2001): Testudo hermanni GMELIN, 1789 – Griechische Landschildkröte, Handbuch der Reptilien und Amphibien Europas, Band 3/IIIA Schildkröten (Testudines) I (Bataguridae, Testudinidae, Emydidae): 179 - 289, U. Fritz, Aula-Verlag, Wiebelsheim
- Galeotti, P., Sacchi, R., Pellitteri, D., Fasola, R.& M. (2005): Female preference for fast-rate, high-pitched calls in Hermann's tortoises Testudo hermanni, Behavioral Ecology 16(1):301-308;( Volltext )
- Hailey, A. and R.E. Willemsen (2000): Population density and adult sex ratio of the tortoise Testudo hermanni in Greece: evidence for intrinsic population regulation. J. Zool. Lond. 251: 325 - 338 ( Abstract )
- Hailey, A. & Willemsen, R. E.(2003): Changes in the status of tortoise populations in Greece 1984-2001, Biodiversity and Conservation 12: 991-1011 ( Abstract )
- Longepierre, S., Grenot, C., Hailey A. (2003): Individual, local and subspecific variation in female Hermann's tortoise (Testudo hermanni) reproductive characters Contributions to Zoology, 72 (4)( Volltext )
- Willemsen, R.E., Hailey A. (1999): Variation of adult body size of the tortoise Testudo hermanni in Greece: proximate and ultimate causes. J. Zool. 248(3): 379 - 396. ( Abstract )
Weblinks
Haltungsempfehlungen:
- Die natürliche Haltung der Griechischen Landschildkröte
- Weitere Tipps für Haltung und Zucht
- Züchterliste
- Bau von schildkrötentauglichen Frühbeetanlagen
- Bilder von Wiesenkräutern u.v.m.
- Nährwerttabelle einiger Futterpflanzen
- Informationen rund um die Gesundheit der Schildkröte
- Überregionale Interessensgemeinschaft von Schildkrötenhaltern
Artenschutzprojekte:



