Grenzverlauf
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Als Grenzverlauf wird eine geometrisch definierte Linie bezeichnet, die zwei oder mehr Gebietskörperschaften trennt und durch Grenzsteine oder digital in einem eindeutigen Bezugssystem der Koordinaten definiert ist.
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Von Grundstücks- bis zu Staatsgrenzen
Die für den Alltag der meisten Staatsbürger wichtigsten Grenzverläufe sind die Staatsgrenzen und die Eigentums- bzw. Grundstücks-Grenzen. Die Trennlinien der unteren Verwaltungsebenen wie Bundesländer beziehungsweise Kantone oder politische Gemeinden - sind für die Bürger, je nach dem wie föderalistisch der Staat gesinnt ist, nur seltener von Bedeutung.
Die Lage der Grenzsteine oder sonstiger Markierungen (Schranken, Tafeln, Ecken von Gebäuden usw.) wird cm-genau vermessen und durch Koordinaten und meist auch Höhe in Datenbanken verspeichert.
Regelfall: die gerade Linie
Um Rechtsunsicherheiten zu vermeiden, gilt im Regelfall die gerade Linie zwischen den Grenzpunkten. Nur in Ausnahmefällen werden Krümmungs- oder Trassierungselemente statt der Geraden herangezogen. Letztere hat neben ihrer Einfachheit (4 Zahlen genügen zu ihrer Definition) auch den Vorteil, dass man sie durch eine freiäugige Visur oder ein Alignement leicht nachprüfen kann.
Schwieriger ist die Festlegung der Grenzverläufe im Gebirge bzw. an Bächen oder Flüssen. Im Bergland muss der Geodät oder der Forstwirt einen höheren technischen Aufwand betreiben, und auf manchem Steilhang ist es schwer, die Punkte dauerhaft zu vermarken, weil Erosion, Hangrutschungen usw. das Gelände verändern.
An Gewässern wiederum ändert sich die Uferlinie andauernd, während die Kataster-Grenze allenfalls in längeren Zeitabständen der Natur angepasst werden kann. Die früheren Probleme der Punkt-Strabilisierung gehören allerdings seit der Praxistauglichkeit von GPS (etwa 1985) und dem Aufkommen rein digitaler Methoden der Vergangenheit an. Freilich sind auch die Ansprüche an die Genauigkeit gestiegen.
Bild:Karte Kanton St.Gallen-Berge.png
Staatsgrenzen und globale Bezugssysteme
In aller Welt verlaufen die Staats- und Landesgrenzen - wenn möglich - an breiten Gewässern und entlang der Gebirgskämme. Diese stellen im Regelfall die Sprach- und Kulturgrenzen dar und haben schon früh als logische Landmarken zur Vermeidung bewaffneter Konflikte beigetragen.
Heute sind diese Grenzen allerdings - durch die auf wenige Zentimeter gestiegenen Erwartungen an die Genauigkeit - nur durch aufwendige Techniken entsprechend abzusichern (siehe oben) und überdies Gegenstand von langfristigen Verschiebungen, zu denen die Geodynamik einige mm bis cm jährlich beiträgt (siehe Plattentektonik. Seit etwa 1990 dient die Satellitengeodäsie und VLBI zur genauen Definition moderner Bezugssysteme, die durch hunderte hochpräziser Vermessungspunkte und Dutzender Fundamentalstationen global realisiert werden. Die zugehörigen Europa- und Weltkoordinaten werden im Abstand von 1-3 Jahren durch die Systeme ETRF und ITRF den großräumigen Verändferungen der Natur nachgeführt.
Gemeindegrenzen im Flach- und Bergland
Die Gemeindegrenzen folgen ebenfalls meistens den o.a. Linien, überdies aber auch den Grenzen der Einzugsgebiete der Bäche und Flüsse oder den Wetterscheiden. Im Hochgebirge sind das häufig steile Geländeformen und Steige, Felsnasen und Wildbäche. Auf den Landkarten sind sie durch dünne, strichpunktierte Linien dargestellt, während die Länder- und Staatsgrenzen eine dickere, farblich unterlegte Signatur haben.
Markante Namen von Grenzpunkten
Hervorstechende natürliche Punkte der "Grünen Grenzen" tragen oft landschaftstypische Namen wie Wartberg, Sonnwend-, Zwölfer- oder Mittagskogel, Scheidegg, Wetterstein, Hörnli, Nebelhorn, Dreiländereck usw., während grenznahe Flussübergänge häufig auf Namen wie Bruck, -Brücken oder Steg enden, bzw. nach Furten und ähnlichem benannt sind.
Gebietsweise trägt jede zweite Grenzstadt den Namen "Mark" oder "Burg" - z.B. Freiburg und Straßburg - während viele Grenzübergänge an wichtigen Pässen lautmalerisch die Wetterscheide, den Ausblick oder die Transit-Funktion betonen: beispielsweise Reschenpass, Pfitscherjoch, Kärntner oder Schweizer Tor, Luginsland, Lukmanier- oder Furkapass.
Siehe auch:
- Politische Grenze, Enklave, Exklave, Grenzregelung, Vermarkung, Vermessung
- Grenzer, Grenzvertrag, Innerdeutsche Grenze
- Bundesland (Deutschland), Bundesland (Österreich), Kanton (Schweiz), Oblast usw.
- Kataster, Gemarkung, Grenzstreit, Grenzverhandlung
- Absteckung, Baufluchtlinie, Baustelle, Schnurgerüst.



