Gnade
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Unter Gnade versteht man generell eine Wohlgelittenheit bei Höheren (NN steht beim König in besonderen Gnaden) und speziell die geschenkhafte Zuwendung einer Person an eine andere, die sich in personalen Akten äußert (Majestät hat mir die Gnade erwiesen, mich bei meinem Namen anzureden), aber auch in der Form einer Gabe ausdrücken kann (als Zeichen besonderer Gnade überreichte mir der Hohe Herr eine Schnupftabakdose mit seinem Bildnis).
Im theologischen Sinn wird mit Gnade der freie und unverdienbare Hulderweis Gottes gegenüber den Menschen bezeichnet:Besonders in der Taufe wird das deutlich als gratia praeveniens: "Fürchte Dich nicht, ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du bist mein"(Jesaja 43,1) (Ach bleib mit deiner Gnade / bei mir, du Herr und Gott). Die "Gnadenlehre" kommt zum Tragen in der Theologische Anthropologie.
Gegenteil der Gnade ist die Ungnade. (Seit ich bei Hof in Ungnade gefallen bin, grüßen mich nicht einmal die Bauern mehr.)
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Sprachgeschichtliche Anmerkungen zum deutschen Wort "Gnade"
Das deutsche Wort Gnade leitet sich vom althochdeutschen ginada und vom mittelhochdeutschen genade her. Sprachgeschichtlich verwandt ist es mit dem germanischen Wortstamm neth, dem indogermanischen net und dem altindischen nath, was soviel heißt wie um Hilfe bitten.
Christliche Theologie
Augustin
Die Gnadenlehre des Augustinus von Hippo basiert auf der Vorstellung, dass es jedem Menschen freistehe, dem Willen Gottes zu gehorchen oder zu sündigen. Ohne die Gnade Gottes kann der Mensch nicht wirksam das Gute tun. Jedem Menschen steht es aber frei, sich bewusst gegen Gnade zu stellen und sündig zu handeln. Zitat: "Du bist ein Kind der Gnade. Wenn Gott dir die Gnade deshalb gab, weil er sie umsonst gab, so liebe ihn auch umsonst. Liebe Gott nicht um Lohn, er selbst sei dein Lohn!"
Katholisch
Gnade ist Ausdruck der Liebe Gottes, die in Jesus Christus den verlorenen Menschen sucht, annimmt und zu guten Werken befähigt. Diesen Teil der Gnade (= gratia ) nennt man gratia praeveniens, weil sie uns ohne unser Zutun annimmt und in der Taufe zuteil wird. Gnade will freilich auch angenommen werden. Geschieht dies, so befähigt sie ihn zu guten Werken und wirkt solche mit ihm und durch ihn: das nennt man die gratia cooperans, weil sie mit dem Gläubigen zusammen wirkt. Wichtig in der katholischen Theologie ist die Unterscheidung von ungeschaffener Gnade (d.i. Gott selbst in seiner Liebe) und geschaffener Gnade (d.i. der Mensch in der Weise, wie Gottes Zuwendung an ihm wirksam wird). Die heiligmachende Gnade erneuert den Menschen in grundlegender Weise (erstmals und grundlegend durch die Taufe), die helfende Gnade erleuchtet den Verstand und stärkt den Willen, Gott und den Nächsten zu lieben. Die Gnade wird angeboten und nicht aufgezwungen. Sie ist das Bewegungsfeld der frei- persönlichen und geheimen Beziehung einer Menschenseele mit ihrem Schöpfer. Gnade ist keine Wesenheit, die blind auf die Menschen einwirkt, sondern sie ist grundsätzlich an die Qualität der persönlichen Beziehung mit Gott gebunden. Ihr Wirken hängt ab von der Tiefe und Intensität dieser Beziehung. Sie bedingt diese Beziehung und wird zugleich von ihr bedingt. Es besteht ein Austausch, und die Gnade selbst ist dieser Austausch. Sie ist die Ursache des Erblühens und Reifens einer gott-menschlichen Beziehung.
Reformatorisch
Gemäß dem klassisch reformatorischen Verständnis wird die Gnade Christi dem Sünder "angerechnet"; er zieht sie an wie ein Kleidungsstück, ohne dass sie ihn selbst in der eigenen Person innerlich erneuert oder heilig macht. Nach calvinistischem Verständnis ist die Gnade "unwiderstehlich"; jeder Mensch, dem sie zukommt, wird "zwangsläufig" erlöst.
Baptistisch
Die Gnade Gottes bewirkt nach baptistischer nicht "zwangsläufig" die Erlösung des Menschen. Sie ist ein Angebot an alle Menschen, die das Evangelium von Jesus Christus hören, muss aber durch den Menschen im Glauben angenommen werden. Das äußere Zeichen, daß man Gottes Gnade im Glauben angenommen hat, ist die Taufe. Eine Ausnahme bilden dabei aber die unmündigen Kinder. Ihnen gehört nach Aussagen Jesu das Reich Gottes. Sie befinden sich im Zustand der Gnade - auch ohne persönlichen Glauben und Taufe.
Orthodox
In der orthodoxen Theologie gilt die Gnade grundsätzlich als ungeschaffene Energie (Tätigkeit) Gottes, die Idee von Gnade als einer geschaffenen Substanz wird hier abgelehnt. Die Heiligung steht hier im Vordergrund, die Rechfertigung wird kaum thematisiert.
Siehe auch
- Portal Bibel, Rechtfertigung (Theologie), Rechtfertigungslehre, Gnadenwahl
- Gottesgnadentum
- Begnadigung



