Geschichte Österreichs

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Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Die Alpenraumländer und die fruchtbaren Ebenen des Donautals waren schon seit dem Paläolithikum besiedelt. Siehe hierzu Ur- und Frühgeschichte zwischen Alpen und Maingebiet.

Frühgeschichte

Das erste staatliche Gebilde im Donau- und Alpenraum war ein Königreich der Kelten, genannt Norikum, das durch den Zusammenschluss mehrerer keltischer Stämme unter der Führung der Noriker entstand.

Die keltischen Siedlungen im Ostalpenraum waren reich begütert vor allem durch den Salzabbau. Eine dieser Abbaustätten befindet sich in Hallstatt. Die so genannte „Hallstattzeit“ steht für eine Epoche der Eisenzeit (800-400 v. Chr.).

Der größte Teil des heutigen Österreich wurde um Christi Geburt vom Römischen Reich erobert. Zahlreiche Siedlungen entstanden durch die Römer. Die östlich von Wien gelegene Stadt Carnuntum war die größte römische Stadt. Im 2. Jahrhundert n. Chr. begann sich das Christentum auszubreiten; die kirchliche Organisation des Landes geht auf das 4. Jahrhundert n. Chr. zurück.

Mit der germanischen Völkerwanderung begann der Niedergang der römischen Macht, mit dessen Ende auch die lateinische Lebensart, deren soziale und kulturelle Struktur, wieder aus der Region verschwand. Hiernach bildeten sich neue germanisch dominierte Staatswesen heraus, u. a. das Frankenreich.

Ab dem 6. Jahrhundert begann eine kontinuierliche Besiedlung durch die Bajuwaren, die auf aus dem Osten vordringende Awaren und Slawen stießen. Zur Abwehr errichtete der fränkische Herrscher Karl der Große um 800 eine Grenzmark in der Region des heutigen Niederösterreich, zwischen den Flüssen Enns, Raab und Drau, die auch als Awarenmark bezeichnet wurde. Weite Gebiete des heutigen Österreich gehörten im späten 8. Jahrhundert zum bairischen Stammesherzogtum.

Ostarrîchi

Bild:Awarenmark-frankenreich.png

Zur Zeit Karl des Großen existierte im Frankenreich eine Grenzmark gegen die Awaren – diese wurde durch die Einfälle der Ungarn vernichtet. Nach den drei Schlachten von Pressburg im Sommer 907 wurde die Grenze des nachfolgenden Ostfrankenreiches bis an die Enns zurückgenommen.

Der ostfränkische König Otto I. bannte 955 in der Schlacht am Lechfeld bei Augsburg für immer die Bedrohung durch die Ungarn, die danach sesshaft wurden.

In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts entstand erneut eine dem Herzog von Baiern unterstellte Markgrafschaft östlich der Enns, die marchia orientalis genannt wurde. 976 wurde Liutpold (Leopold) aus dem Geschlecht der Babenberger mit dieser Mark belehnt. 996 wird hierfür erstmals urkundlich der Name Ostarrîchi verwendet; daraus entwickelte sich später die Schreibweise Österreich. Daneben ist auch noch sehr lange die Namensform Osterlant (Ostland bzw. Land im Osten) gebräuchlich, die Einwohner sind der Ostermann und die Osterfrau. Die latinisierte Form Austria für dieses Gebiet taucht in den Schriften erst im 13. Jahrhundert auf (siehe auch Austrien als östlicher Teil des Frankenreiches und heute Australien).

Die Babenberger trieben eine zielbewusste Rodungs- und Kolonisierungspolitik und errichteten – in Zusammenarbeit mit anderen Häusern, etwa den Kuenringern – eine gefestigte Landesherrschaft. Die Residenz befand sich anfangs in Pöchlarn, später in Melk. Markgraf Leopold III. gelang es, sich ins Kaiserhaus einzusippen; im Machtkampf zwischen Kaiser Heinrich IV. und König Heinrich V. wechselte er zu Heinrich V. und trug so wesentlich zu dessen Sieg bei. Als Lohn erhielt er die Hand von Heinrichs Schwester Agnes von Hohenstaufen. Er wurde wegen seiner Klostergründungen – vor allem Klosterneuburg – nach seinem Tod heilig gesprochen.

Herzogtum Österreich

Im Zuge des Konfliktes zwischen den Staufern und den Welfen kam 1139 das Herzogtum Baiern an die Babenberger. Als Friedrich I. diesen Streit beenden wollte, gab er den Welfen das Herzogtum Baiern zurück – als „Trostpreis“ wurde mit dem Privilegium Minus 1156 eine eigene Herzogswürde für Österreich kreiert. Erster Herzog war Heinrich Jasomirgott, der auch 1146 Wien zur Residenzstadt erhob. Mit der Georgenberger Handfeste 1186 fiel der Besitz der Traungauer Grafen von Steyr an die Babenberger, wodurch die Steiermark, die auch den zentralen Teil des heutigen Oberösterreichs umfasste, in dieser Form entstand.

Bild:Rudolf von habsburg.png

Mit Leopold VI. erreichte das hochmittelalterliche Österreich einen kulturellen Höhepunkt – unter ihm wurde auch die damals revolutionäre Kunst der Gotik eingeführt. Mit seinem Sohn Friedrich II. starb 1246 die männliche Linie der Babenberger aus; unter den vielen Nachfolgekandidaten konnte sich der König von Böhmen, Ottokar Přemysl durchsetzen, der 1256 von den Ständen ins Land gerufen worden war, um die Wirren zu beenden. Seine Politik war aber dennoch darauf ausgerichtet, den Adel zurückzudrängen und das städtische Bürgertum zu fördern, weswegen er den Wienern bis tief in die Habsburger-Zeit in guter Erinnerung blieb. Sein Griff nach der Kaisermacht (HRR)wurde von Rudolf von Habsburg begegnet, der ihn 1278 in der Schlacht auf dem Marchfeld besiegte. Die Habsburger konnten sich daraufhin als Herzöge von Österreich und der Steiermark etablieren.

1335 konnten die Habsburger die Grafen von Görz in Kärnten und Krain beerben und 1363 fiel auch Tirol von Margarete Maultasch an Herzog Rudolf IV.. Dadurch entstand ein Länderkomplex in den Ostalpen der Herrschaft zu Österreich genannt wurde.

Rudolf IV. war der umtriebigste Herrscher des Spätmittelalters: Er setzte vielerlei Maßnamen, die vor allem die Bedeutung der Stadt Wien heben sollten. Er ließ das Privilegium Maius fälschen, das Österreich zum Erzherzogtum erhob und ihm innerhalb des Reiches eine Anzahl von Privilegien sicherte. Anerkannt wurde dies erst von dem Habsburger Friedrich III..

1379 wurde in Neuberg an der Mürz die habsburgische Herrschaft geteilt; fast das gesamte 15. Jahrhundert ist eine Phase wirrer Erbteilungen und Familienstreitigkeiten, die die politische und wirtschaftliche Bedeutung des Landes natürlich völlig untergruben. Dies wurde durch Friedrich V. († 1493) mit einem sehr einfachen Rezept beendet: er überlebte alle seine Gegner. Schon Albrecht V. war als Erbe der Luxemburger zum römisch-deutschen König gewählt worden. Diese Position ging in der Folge an Friedrich über, der 1452 sogar zum Kaiser des HRR gekrönt wurde und sich fortan Friedrich III. nannte.

Der Aufstieg der Habsburger zur Großmacht

Die Hausmacht des Kaisers im Reich war nicht besonders groß. Die vielen adligen Herrscherhäuser strebten im und außerhalb des Reiches nach eigener politischer Macht. So hinterließ die glanzlose aber zähe Politik Friedrichs III. eine gefestigte Herrschaft, deren Bedeutung durch einen überraschenden Coup schlagartig erhöht wurde, nämlich der Heirat (1477) seines Sohnes Maximilian mit Maria, der Erbin des burgundischen Länderkomplexes zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Frankreich. In dieser Zeit entstand der berühmte Spruch: Bella gerant alii – tu felix austria nube (Kriege mögen andere führen – Du glückliches Österreich heirate). Da dessen Sohn Philipp der Schöne gleichfalls durch eine Heirat überraschend zum König von Spanien (mit seinen frisch eroberten Kolonien) werden konnte, standen die Habsburger kurz davor, nach der Weltmacht zu greifen. Dieses Ziel wurde von Karl V. knapp aber spektakulär verfehlt.

Schon 1520 wurden die österreichischen Länder vom Kaiser an seinen Bruder Ferdinand I. übergeben, der die ersten Anfänge zentraler Verwaltungsstrukturen etablierte. 1526 nach der unglücklich verlaufenen Schlacht von Mohács erbte Ferdinand nicht nur die Königreiche Ungarn und Böhmen (mit den Nebenländern Mähren, Schlesien und Lausitz), sondern auch die Bedrohung durch das Osmanische Reich, gegen das Ungarn vorher ein Schutzschild gewesen war.

Nachdem es schon seit dem späten 15. Jahrhundert zu Einfällen von türkischen Marodeuren gekommen war, wurde Wien 1529 von der regulären Streitmacht der Osmanen belagert. Nur die Tatsache, dass sie zu spät im Jahr auftauchten, konnte die Stadt damals retten. In der Folge kam es zu einem fast 200-jährigen permanenten Kleinkrieg zwischen kaiserlichen und türkischen Truppen, der nur durch Phasen regulären Krieges unterbrochen wurde.

Auch die Religionsspaltung wurde damals zum Thema. In den damaligen österreichischen Ländern (mit Ausnahme Tirols) trat die Bevölkerung fast geschlossen zum Protestantismus über. Die Re-Katholisierung setzte erst gegen 1600 ein (siehe auch Gegenreformation), dafür aber mit umso größerer Heftigkeit und Gewalttätigkeit. In diesem Prozess taten sich die Jesuiten und der Kardinal Melchior Khlesl, der Kanzler von Erzherzog Matthias hervor. Ein führender Betreiber dieser Politik war vor allem aber Ferdinand II., von dem der Ausspruch stammt, er wolle lieber eine Wüste regieren als ein Land voller Ketzer.

Durch diese Politik wurden die österreichischen Länder auch in den Dreißigjährigen Krieg verwickelt, bei dem es eine Zeit lang so aussah, als könnten die Habsburger das Heilige Römische Reich in eine absolutistische Monarchie umwandeln (siehe auch Schlacht am Weißen Berg); am Ende dieses Krieges sahen sie sich jedoch auf die österreichischen und böhmischen Länder zurückgeworfen, so dass sie gezwungen waren, aus ihnen ein sinnvolles Staatsgebilde zu machen. Schon in den 1680er Jahren gab es ökonomische Theoretiker wie Philipp von Hörnigk oder Johann von Justi, die in diese Richtung drängten.

Die Osmanen belagerten 1683 Wien ein zweites Mal erfolglos. Einen entscheidenden Ausschlag gab das von Herzog Karl von Lothringen geführte Entsatzheer unter dem nominellen Kommando des Königs von Polen, Johann III. Sobieski, das mit seinen Husaren vom Kahlenberg aus den Belagerern in den Rücken fiel. In den Jahren darauf gelang endlich der Befreiungsschlag gegen die osmanische Bedrohung. Mit Hilfe von fähigen Feldherren wie Karl von Lothringen und Prinz Eugen von Savoyen konnten die Osmanen in den Friedensschlüssen von Karlowitz (1699) und Passarowitz (1718) bis hinter Belgrad zurückgeworfen werden.

Dies ermöglichte nun ein beispielloses Aufblühen der Barockkultur, die eine spezifisch österreichische Ausformung entwickelte und das Land zutiefst prägte.

18. und frühes 19. Jahrhundert

Nach dem Aussterben der spanischen Habsburger 1700 kämpften die österreichischen Habsburger mit Ludwig XIV. um das Spanische Erbe. Er wurde vor allem von Joseph I. mit Verve und Erfolg geführt – nach seinem Tod brach jedoch alles zusammen. Sein Bruder Karl war der letzte lebende Habsburger; er hätte ein Weltreich geerbt, was die anderen Mächte natürlich verhindern wollten. Immerhin kamen mit dem Frieden von Utrecht 1713 aus der Erbmasse alle europäischen Nebenlande Spaniens (Spanische Niederlande, Neapel, die Lombardei) an die Habsburger, deren Gebiet auf diese Weise seine größte territoriale Ausdehnung erreichte. (siehe auch: Spanischer Erbfolgekrieg)

Im selben Jahr wurde auch die Pragmatische Sanktion erlassen, das als erstes Grundgesetz für die Habsburgermonarchie angesehen werden kann, da es die Unteilbarkeit und Untrennbarkeit der Monarchie befahl und zu diesem Zweck eine einheitliche Thronfolge nach dem Prinzip der Primogenitur und subsidiärer weiblicher Erbfolge einführte. Besonders letzteres stellte sich schon bald als bedeutsam heraus, da der 1740 verstorbene Karl VI. nur eine Tochter, die 1719 geborene Maria Theresia, hinterließ. Da die Habsburger nun im Mannesstamm ausgestorben waren, wurde sie mit ihrem Ehemann Franz Stephan von Lothringen die Begründerin einer neuen Dynastie in dem Haus Habsburg-Lothringen.

Dieses Erbe konnte sie im Österreichischen Erbfolgekrieg überwiegend verteidigen; nur Schlesien fiel an Preußen und konnte trotz vieler verbissener Bemühungen und zweier weiterer Kriege nicht wiedergewonnen werden.

Die Regierung Maria Theresias (1740-1780), vor allem aber die ihres Sohnes Joseph II. (1780-1790) war geprägt von einer Reformpolitik, die Recht und Verwaltung auf eine modernere Grundlage stellen sollte. Den Reformen Josephs II. haftete allerdings ein überstürzter und gelegentlich auch schrullig-despotischer Charakter an, so dass vieles nach seinem Tod wieder zurückgenommen wurde. Trotzdem gilt er als wichtiger Aufklärer und entscheidender Wegbereiter der bürgerlichen Gesellschaft.

Josephs Nachfolger war sein jüngerer, fähiger Bruder Leopold II. Seine Hilfe – gemeinsam mit Preußens Friedrich Wilhelm II. – für den französischen König Ludwig XVI. kam nicht mehr zu Stande, Leopold II. starb völlig überraschend im März 1792 mit 44 Jahren.

Die aufklärerischen Ansätze wurden jedoch nach dem Schock der Französischen Revolution schnell eingefroren: Leopolds Sohn Franz II. trieb eine geradezu starrköpfige Reaktionspolitik, die auch vor allem mit dem Namen des Staatskanzlers Metternich verbunden ist. Diese politische Stagnation sollte die gesamte erste Hälfte des 19. Jahrhunderts andauern.

Nach der Französischen Revolution wurde auch Österreich in die Napoleonischen Kriege verwickelt. Die Kaiserkrönung Napoleons 1804 wurde von Franz II. mit der Ausrufung des Kaisertums Österreich beantwortet; Kaiser Franz II. (HRR) war nun als Franz I. auch Kaiser von Österreich. Im Frieden von Pressburg (1805) musste Österreich große Gebietsteile abtreten, unter anderem Venetien aber auch Tirol und Vorarlberg an das mit Napoleon verbündete Bayern, dafür kam Salzburg zu Österreich. Auf Drängen Napoleons musste Franz II. 1806 die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation niederlegen, das damit aufhörte zu existieren. Gleichzeitig gründeten deutsche Fürsten auf Bestreben Napoleons den ihm zur Heeresfolge verpflichteten Rheinbund. Auf Drängen des mittlerweile zum Außenminister aufgerückten Metternich wurde Marie Louise, die Tochter von Franz II. im Jahre 1810 mit Napoleon verheiratet. Napoleon wurde von den vereinten Österreichischen, Russischen und Preußischen Truppen im Oktober 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig vernichtend geschlagen. Im April 1814 dankte Napoleon ab, im September begann der Wiener Kongress zur Neuordnung Europas.

Im März 1815 kehrte Napoleon aus seinem Exil in Elba nach Frankreich zurück, sein Ende war die Niederlage bei Waterloo im Juni 1815. In Folge gründete sich der Deutsche Bund mit dem Bundestag in Frankfurt unter dem ständigen Vorsitz Österreichs als Nachfolge des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte die ersten Ansätze des Nationalismus, wobei die Nationalismen der verschiedenen Nationalitäten im Vielvölkerstaat Österreich vehement gegeneinander arbeiteten und so vom Kaiserhaus gegeneinander ausgespielt werden konnten. Diese Uneinigkeit der Nationalitäten rettete auch in der Revolution von 1848 das Kaiserreich vor dem Auseinanderfallen.

Am 13. März 1848 wurden von verschiedenen Gruppen in Petitionen Pressefreiheit, Geschworenengerichte und akademische Freiheiten verlangt, die anschließenden Demonstrationen jedoch blutig niedergeschlagen. In Wien kam es daraufhin zu heftigen Aufständen, Metternich wurde entlassen und floh nach England. Die Zensur wurde aufgehoben, Pressefreiheit und eine konstitutionelle Verfassung versprochen. Diese wurde am 25. April 1848 verkündet und stieß – vor allem wegen der Bestimmungen über die Zusammensetzung des Parlaments (Reichstages) auf Ablehnung, weshalb es im Mai zu neuerlichen Unruhen kam und die Verfassung revidiert wurde. Auf dieser Grundlage trat am 22. Juli 1848 der Reichstag, das erste österreichische Parlament im modernen Sinne, in Wien zusammen. Da es noch kein Parlamentsgebäude gab, bediente man sich der Winterreitschule als provisorische Unterkunft.

Inzwischen griff die Revolution auf andere Landesteile (Ungarn, Mailand, Venetien und Prag) über. Der Aufstand in Mailand wurde schließlich von Radetzky niedergeschlagen, der in Prag im Juni von Windischgrätz. Im September übernahm in Ungarn Lajos Kossuth die Macht und stellte eine Armee auf. Nachdem sich in Wien kaiserliche Truppen weigerten, nach Ungarn abzumarschieren und von Bürgern unterstützt wurden, brachen heftige Kämpfe aus.

Der Hof floh nach Olmütz und verlegte den Reichstag in das benachbarte Städtchen Kremsier. Wien wurde am 1. November von kaisertreuen Truppen unter Führung von Windischgrätz erobert, 24 Revolutionäre wurden hingerichtet, die Revolution war gescheitert.

In Olmütz dankte Kaiser Ferdinand I. zugunsten seines Neffen Franz Joseph Karl ab, der als Franz Joseph den Thron bestieg. Der Reichstag von Kremsier wurde am 4. März 1849 aufgelöst und am selben Tag eine neue Verfassung vom Kaiser oktroyiert (Oktroyierte Märzverfassung), die jedoch nur zu einem geringen Teil wirksam wurde, insbesondere wurde kein neuer Reichstag einberufen. Nachdem die Aufstände in Italien und in Ungarn vollständig niedergeschlagen worden war, hob Franz Joseph mit den sog. Silvesterpatenten vom 31. Dezember 1851 auch die Oktroyierte Märzverfassung von 1849 wieder auf und leitete eine Phase des Neoabsolutismus ein.

Diese Ära endete nach den Niederlagen in Italien 1859 gegen die italienische Einigungsbewegung (Risorgimento). Unmittelbare Ergebnisse der Niederlagen in Italien waren Verfassungsexperimente, nämlich das Oktoberdiplom 1860 und das Februarpatent 1861. Die Niederlage von Königgrätz im deutschen Krieg (Deutscher Bund unter Vorsitz Österreichs gegen Preußen) führte zur Auflösung des Deutschen Bundes. Hintergrund des deutschen Krieges war, dass Bismarck ein deutsches Bündnissystem unter der Hegemonie Preußens anstrebte. Eine solche Hegemonie war nach Einschätzung Bismarcks nur ohne Österreich möglich, da Österreich als bisherige Hegemonialmacht des Deutschen Bundes wirtschaftlich und militärisch zu bedeutend war. Nachdem Bismarck durch seinen Sieg bei Königgrätz gegen den Willen Österreichs die Gründung eines Norddeutschen Bundes ohne Österreich durchgesetzt hatte, führte eine weitere Verfassungsreform zur Gründung der Österreichisch-Ungarischen Doppelmonarchie.

Österreich-Ungarn (K.u.K.-Monarchie, Donaumonarchie)

Am 8. Juni 1867 wurde Kaiser Franz Joseph I. von Österreich in Budapest (Pest-Buda) zusätzlich zum Apostolischen König von Ungarn gekrönt. Die nicht-ungarischen („cisleithanischen“) Länder erhielten am 21. Dezember 1867 mit der Dezemberverfassung eine Verfassung, die im Wesentlichen bis zum Ende der Monarchie Bestand haben sollte. In diesem 19. Jahrhundert, in Zeiten wachsender Bevölkerungen, begann der – bisher von den Herrscherhäusern unterdrückte – Nationalismus seinen Siegeszug durch die Länder Europas und insbesondere der Habsburger Monarchie. Zur Abschwächung des ungarischen Nationalismus gedacht, verschärfte der Ausgleich von 1867 die Spannungen mehr als er sie kalmierte. Dieser Ausgleich schuf nun die Situation, dass die Ungarn in der Doppelmonarchie als zweites „Herrenvolk“ neben die Deutschen traten. Die Polen in Galizien waren noch einigermaßen privilegiert, ansonsten fühlten sich jedoch die slawischen Nationalitäten (insbesondere die Tschechen) um ihre Gleichberechtigung geprellt. Vor allem in Böhmen und Mähren nahmen die Differenzen zu – der Mährische Ausgleich 1911 nahm dem Konflikt zwar einiges an Schärfe, konnte aber keine Wirkung mehr entfalten. Gleichwohl profitierte Böhmen aufgrund seiner Nähe zu Wien überproportional von der Ansiedlung neuer Industrien auf Veranlassung des Kaisers. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die Differenzen zwischen den einzelnen Volksgruppen der Donaumonarchie bereits so stark, dass das Parlament (der Reichsrat) nicht mehr arbeitsfähig war. Aufgrund der dadurch hervorgerufenen faktischen Lähmung des Staates ging diese Periode als die Zeit des „Fortfrettens und Fortwurschtelns“ (wienerische Ausdrücke für „mühsam weiterkommen“) in die österreichische Geschichtsschreibung ein.

In dieser Zeit, vor allem um 1900 erlebte Österreich aber eine kulturelle Blütezeit, die unter anderem mit dem Namen Sigmund Freud verbunden war, dessen Psychoanalyse auf Wissenschaft und Kunst befruchtend wirkte.

Am 28. Juni 1914 entluden sich die aufgestauten nationalen Gefühle in dem Attentat von Sarajevo auf den Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand durch den serbischen Nationalisten Gavrilo Princip. Das daraufhin von Österreich-Ungarn an Serbien gestellte Ultimatum bewirkte die Erfüllung der sich aus den europaweit bestehenden Bündnissystemen und Beistandspakten bestehenden Beistandspflichten und führte so zum Ersten Weltkrieg.

Die Erste Republik

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    Die Jahre 1918 bis 1920 sind in verfassungsrechtlicher Hinsicht
    eine bedeutende Zäsur: Die konstitutionelle Monarchie
    "Österreich-Ungarn" wird zur demokratischen "Republik Österreich".

Noch in der Endphase des Weltkrieges 1918 und den damals zutage tretenden Auflösungstendenzen, versuchte Kaiser Karl durch sein Manifest vom 17. Oktober 1918 den Ententemächten Friedensbereitschaft zu signalisieren: Österreich soll, dem Willen seiner Völker gemäß zu einem Bundesstaat werden, in dem jeder Volksstamm auf seinem Siedlungsgebiet sein eigenes Gemeinwesen bildet. Nachdem sich am 21. Oktober die deutschsprachigen Abgeordneten des Reichsrates im niederösterreichischen Landhaus in der Wiener Herrengasse zu einer provisorischen Nationalversammlung getroffen hatten, verzichtete Kaiser Karl (auch unter dem Eindruck der Ereignisse in Berlin) am 11. November 1918 an seinem Anteil an den Staatsgeschäften (keine formelle Abdankung) – die Regentschaft der Habsburger endete somit nach 6 Jahrhunderten. Die Donaumonarchie zerfiel in eine Vielzahl kleiner Staaten. Am 12. November 1918 wurde vor dem Parlamentsgebäude der neue Staat, die demokratische Republik Deutschösterreich ausgerufen. Erster Staatskanzler wurde Karl Renner.

Sowohl weite Teile der Bevölkerung, wie auch die neuen politischen Eliten, mit Ausnahme von Monarchisten und Kommunisten, sahen die neue Republik Deutschösterreich als Teil einer gesamtdeutschen Republik. Es wurde die Auffassung vertreten, dass dieser deutsche „Rest-“ bzw. „Rumpfstaat“ – beraubt der ungarischen Agrar- und der böhmischen Industriegebiete – alleine nicht lebensfähig sei, oder wie es der Publizist Hellmut Andics in einem Buchtitel ausdrückte: Der Staat, den keiner wollte. Der „Anschluss“ an die Deutsche Republik (später Weimarer Republik), wurde aber in der Folge von den alliierten Siegermächten mit dem Vertrag von St. Germain verboten, hätte dies doch möglicherweise ein zu starkes Deutsches Reich bedeutet. Vor diesem Hintergrund wurde auch der Name „Deutschösterreich“ verboten. Am 21. Oktober 1919, mit Ratifizierung des Friedensvertrages, wurde der Name in „Republik Österreich“ geändert. Nochmals erklärt wurde dies in der von Bundeskanzler Ignaz Seipel mit dem Völkerbund ausgehandelten „Genfer Sanierung“ zur Stützung des inflationsgeschüttelten Staatshaushaltes. Auch die Pläne Österreichs für eine Zollunion mit dem Deutschen Reich wurden 1931 mit Hinweisen auf die Bestimmungen des Friedensvertrages verboten.

Die Verfassung vom September 1920 markiert den Beginn der Ersten Republik Österreich. Kelsen versuchte darin Grundsätze des Föderalismus und des Zentralismus zu verbinden. Bedingt durch das zerstrittene Parteienspektrum, erfolgte 1929 eine Novelle, die durch eine direkte Volkswahl die Stellung des Bundespräsidenten stärkte. Sie wurde in dieser Form auch 1945 in der Zweiten Republik Österreich wieder eingeführt.

Ursprünglich hatte der neue Staat alle Gebiete der ehemaligen Monarchie mit deutschsprachiger Mehrheit für sich beansprucht, doch wurde das Staatsgebiet von den Siegermächten vorgegeben. Immerhin konnte das deutschsprachige Westungarn, das spätere Burgenland gewonnen werden: Da die Siegermächte vorerst unsicher waren, wem dieses Gebiet zugeteilt werden sollte und der Vorschlag einer Aufteilung zwischen der Tschechoslowakei und Jugoslawien nicht einmal von diesen Staaten selbst ernsthaft verfolgt wurde, gab man es an Österreich – in der Hoffnung, einen Keil zwischen zwei Staaten zu treiben, die an einer Revision der Friedensverträge potentiell interessiert waren. Für die Einwohner der Stadt Ödenburg (Sopron) kam es zu einer Volksabstimmung über die künftige Staatszugehörigkeit, die für Ungarn ausging. Ohne Abstimmung behielt die Tschechoslowakei Südmähren mit der Stadt Znaim (Znojmo). Die Volksabstimmungen in Südkärnten, das vom SHS-Königreich beansprucht wurde, ging am 10. Oktober 1920 dagegen eindeutig für eine Zugehörigkeit des Abstimmungsgebietes südlich der Drau zur Republik Österreich aus. Dieser Abstimmung waren heftige Kämpfe von Kärntner Heimwehrverbänden gegen SHS-Einheiten vorausgegangen. Da die Masse der SHS-Truppen in Ungarn gebunden waren und Italien als Siegermacht Österreichs Position unterstützte, hatten die Siegermächte sich für diese Abstimmung entschieden. Keine Chance hatte die Republik, das seit Kriegsende (Waffenstillstand 3. und 4. November 1918) von Italien besetzte Südtirol zurückzubekommen. (Erst 1969 konnte mit dem „Südtirol-Paket“ eine befriedigende zwischenstaatliche Lösung – als Autonomie – gefunden werden.)

Die Wirtschaft des jungen Staates lag nach Kriegsende den Umständen (Kriegsfolgen, Reparationen, Gebietsverluste) entsprechend darnieder. Die damit zusammenhängende Hyperinflation („galoppierende Inflation“) konnte erst Anfang 1924 durch eine Währungsreform mit Einführung des im November 1924 beschlossenen Schillings ab 1. März statt der Krone beendet werden; Voraussetzung war eine Anleihe des Völkerbundes. Für 10.000 Kronen bekam man 1914 noch einen Häuserblock wogegen man im Dezember 1922 nur noch einen Laib Brot bekam. Erst danach begann ein zaghafter wirtschaftlicher Aufschwung, der jedoch lediglich ein Zwischenhoch Mitte der 1920er Jahre darstellte und mit der Weltwirtschaftskrise 1929 ein jähes Ende fand. Zur latenten Strukturkrise war die große Konjunkturkrise gekommen. 1933 waren etwa ein Drittel der Arbeitskräfte ohne Arbeit.

Mit den Unruhen der unmittelbaren Nachkriegszeit und den wirtschaftlichen Problemen ging eine immer schärfere politische Polarisierung einher: Hauptgegner waren einerseits die auf Bundesebene regierende Christlichsoziale Partei und die in der Stadt Wien regierenden Sozialdemokraten. Gegner dieser beiden waren wiederum die österreichischen Nationalsozialisten, die die Vereinigung der „Ostmark“ mit dem „Reich“ anstrebten und vor allem außerhalb Wiens (etwa in der Steiermark) eine große Anhängerschaft hatten. Darüber hinaus spielten paramilitärische Einheiten, wie die Heimwehr (der Christlichsoziale Partei nahestehend, aber ohne klare Parteibindung) und der Republikanische Schutzbund verhängnisvolle Rollen. Die politischen Gegensätze in Österreich waren groß und eskalierten schließlich 1927: Im Burgenland, in Schattendorf wurden bei einem Heimwehraufmarsch Mitglieder des Schutzbundes erschossen. Mit dem Schattendorfer Urteil wurden die mutmaßlichen Täter danach von einem Geschworenengericht aber freigesprochen. Die danach folgenden Demonstrationen einer empörten Menge konnte die Sozialdemokratische Parteiführung nicht mehr kontrollieren. Der Justizpalast – neben dem Parlament – wurde von der Menge gestürmt und in Brand gesetzt. Nachdem auch Polizeiwachzimmer gestürmt worden waren, bekam die Polizei von ihrem Präsidenten Johann Schober den Befehl die Demonstration mit Waffengewalt aufzulösen. Die Bilanz: 89 Tote, 1.057 Verwundete, fast 1.000 Neubeitritte zu den deutschnational ausgerichteten Heimwehren unter ihrem Führer Graf Starhemberg, und – wegen der unnachgiebigen Haltung des christlichsozialen Bundeskanzlers Ignaz Seipel – bis Jahresende 28.000 Kirchenaustritte. Die endgültige Polarisierung war vollzogen. Durch diese Ereignisse wurde die Sozialdemokratie entscheidend geschwächt.

Austrofaschismus und Ständestaat

Anfang der 30er Jahre begannen sich einer Reihe von Staaten Europas faschistische Bewegungen durchzusetzen. Auch Österreich blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Vor allem die Heimwehr vertrat faschistische Ideen nach dem Vorbild Italiens. Mussolini wurde auch von der im Ausland isolierten Regierung als wichtigste Unterstützung gesehen.

Im März 1933 schaltete der christlichsoziale Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß das Parlament aus. Eine patt auszugehenden Abstimmung über die Eisenbahnergehälter und taktisch bedingte Rücktritte der drei Parlamentspräsidenten nützte Dollfuß, um das Parlament als handlungsunfähig zu erklären. Eine Notverordnung von 1917 wurde (wie auch in der deutschen Innenpolitik dieser Jahre) dazu verwendet, ohne die parlamentarische Volksvertretung regieren zu können. Ein neuerliches Zusammentreten des Nationalrats wurde für illegal erklärt und mit Polizeigewalt unterbunden. Zusätzlich legte der Bundeskanzler durch den Rückzug der christlichsozialen Mitglieder den Verfassungsgerichtshof lahm. Der Weg in einen autoritären Ständestaats nach dem Vorbild des faschistischen Italien war damit beschritten. Er verbot alle Parteien, bis auf die Vaterländische Front (einer Vereinigung der Christlichsozialen mit einigen Wehrverbänden) und ließ politische Gegner verhaften. Auch die österreichischen Nationalsozialisten wurden verboten, wodurch die Selbständigkeit Österreichs noch einmal bekräftigt werden sollte.

Hauptartikel: Österreichischer Bürgerkrieg

In Folge einer Hausdurchsuchung nach Waffen in einem Parteiheim der Sozialdemokraten in Linz kam es am 12. Februar 1934 zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten, der Heimwehr bzw. dem Bundesheer, die sich zum Generalstreik und zu einem Bürgerkrieg ausweiteten. Insbesondere in Wien und den verstreuten Industriezentren (Steyr, Obersteiermark, Linz) wurde einige Tage lang heftig gekämpft. Polizei, Bundesheer und die sie unterstützenden Heimwehrabteilungen konnten den damals schon desorientierten, verzweifelt kämpfenden Schutzbund relativ leicht niederkämpfen. Die sozialdemokratische Parteileitung unter Dr. Otto Bauer, Julius Deutsch u.a. flüchtete in die Tschechoslowakei. Am Ende waren die Sozialdemokraten als Partei besiegt. Am 1. Mai 1934 trat eine neue, ständische Verfassung in Kraft. Eine wichtige Rolle hatte dabei der Einfluss Mussolinis gespielt, den die auch gegen die steigende NS-Agitation kämpfende Bundesregierung als Rückendeckung suchte.

Am 25. Juli 1934 kam es zu einem nationalsozialistischen Putschversuch, den so genannte Juliputsch. 154 als Soldaten und Polizisten verkleidete österreichische SS-Leute stürmten das Bundeskanzleramt, Engelbert Dollfuß wurde angeschossen und verblutete kurze Zeit später an den Folgen der Schussverletzungen. Eine zweite Gruppe der Putschisten besetzte die Rundfunkstudios der RAVAG und verbreiten die Falschnachricht, dass Dollfuß die Regierungsgeschäfte Anton Rintelen übergeben habe. Dies war das vereinbarte Zeichen für einen nationalsozialistischen Aufstand in ganz Österreich, insbesondere in der Steiermark, der allerdings nach wenigen Tagen von Polizei und Bundesheer niedergeschlagen werden konnte. Der Unterrichtsminister des Dollfuß-Regimes, Kurt Schuschnigg übernahm die Regierungsmacht.

Unterstützung bekam Schuschnigg von Mussolinis Italien, das Österreich wie auch Ungarn an sich binden wollte und so gegen das Deutsche Reich auszuspielen versuchte. Drohend marschierten italienische Truppen am Brenner auf, worauf Adolf Hitler, der österreichische Diktator des Deutschen Reichs, jeden Einfluss auf die Vorgänge in Österreich (seinem Geburtsland) energisch bestritt.

Schuschnigg orientierte sich zwar an der Selbstständigkeit eines „freien und deutschen Österreichs”, bekam aber immer mehr Gegner, zumal der italienische Diktator Benito Mussolini zunehmend in Abhängigkeit zum Deutschen Reich geriet und daher immer weniger in der Lage war, seine auf die Selbständigkeit Österreichs ausgerichtete Politik aufrechtzuerhalten. 1936 wurde die Achse Rom-Berlin geschmiedet. Die Machthaber in Österreich konnten dem inneren und äußeren politischen und wirtschaftlichen Druck immer weniger entgegensetzten. Die alten großdeutschen Ideen bekamen zusehends mehr an Gewicht. Viele Menschen erhofften sich eine wirtschaftlich bessere Zukunft, da das Land weiterhin unter hoher Arbeitslosigkeit in einer Wirtschaftskrise litt. So bekamen die – freilich weiterhin illegalen – österreichischen Nationalsozialisten Zulauf und einen größeren Rückhalt bei den Bürgern.

„Anschluss“ an das Deutsche Reich

Hauptartikel: Anschluss (Österreich)

Seit der Machtergreifung Adolf Hitlers und seiner NSDAP im vormals republikanischen Deutschen Reich (siehe auch Zeit des Nationalsozialismus) ließ er den Anschluss Österreichs vorbereiten, das er als seine Heimat bezeichnete, obwohl er die österreichische Staatsbürgerschaft abgelegt und die deutsche angenommen hatte. Ein Ziel, das er sich schon seit Langem gesetzt hatte. Unterdessen war aber auch in Österreich ein autoritäres System entstanden, der Ständestaat (siehe auch Austrofaschismus), das sich allerdings für die Selbständigkeit Österreichs aussprach und nationalsozialistische Organisationen verboten hatte.

Hitler forderte 1938 – unter Androhung des Einmarsches der Wehrmacht – die Aufhebung des NSDAP-Verbots und die Beteiligung der österreichischen Nationalsozialisten an der Regierung. Bundeskanzler Kurt Schuschnigg beugte sich dem Diktat. Den schnellen Aufstieg der Nationalsozialisten versuchte er jedoch mit einer Volksabstimmung für ein „freies, unabhängiges, deutsches und christliches Österreich“ zu retten, die für den 13. März 1938 angesetzt war. Den Tag zuvor, am 12. März, ließ Hitler die Wehrmacht in Österreich einmarschieren und die Soldaten wurden unter dem Jubel großer Teile der österreichischen Bevölkerung empfangen. Der nationalsozialistische Innenminister Arthur Seyß-Inquart bildete sofort eine nationalsozialistische Regierung und vollzog den Anschluss an das Deutsche Reich. Zuvor war Hitler in Wien vor einer begeisterten Menschenmenge aufgetreten, die ihren „Sohn” willkommen hieß und hatte „den Eintritt seiner österreichischen Heimat in das Deutsche Reich erklärt“. Den Anschluss ließ er nachträglich, am 10. April, durch eine Volksabstimmung bestätigen (offizielles Ergebnis: 99,73 % dafür). Bis dahin waren rund 8 % der eigentlich Wahlberechtigten bereits von der Wahl ausgeschlossen worden (Juden, „Mischlinge“, verhaftete Gegner der Nationalsozialisten).

Hitler ließ den (ungeliebten) Namen Österreich durch die, vom mittelalterlichen marcha orientalis hergeleitete, Bezeichnung „Ostmark“ ersetzen, später durch „Donau- und Alpenreichsgaue“ und das vergrößerte deutsche Reich später als „Großdeutsches Reich“ bezeichnen. Am 1. Mai 1939 wurde das sogenannte Ostmarkgesetz verabschiedet, mit dem die Befugnisse vom Reichsstatthalter an den Reichskomissar übergeben werden sollen. Der Vollzug dieses Gesetzes war am 31. März 1940 beendet. Damit war das Gebiet der jungen und souveränen (1.) Republik Österreich zu einem in Reichsgaue aufgeteiltem Land im großdeutschen Reich geworden, das dessen nationalsozialistische Geschichte bis zum Zusammenbruch 1945 teilte.

Nachkriegszeit

Hauptartikel: Besetztes Nachkriegsösterreich

Als am 8. Mai 1945 die Bedingungslose Gesamtkapitulation der Deutschen Wehrmacht in Kraft trat und der zweite Weltkrieg in Europa damit sein Ende fand, waren alliierte Truppen bereits weit in die so genannten „Donau- und Alpenreichsgaue“ vorgedrungen. Am 13. April 1945 hatten die sowjetischen Truppen den Kampf um Wien, der rund 19.000 deutsche und 18.000 sowjetische Soldaten das Leben gekostet hatte, für sich entschieden. Im späten April und Anfang Mai drangen die Westalliierten von Westen her vor.

Bereits am 1. April hatte Karl Renner, der erste Staatskanzler der 1. Republik, Kontakt mit den sowjetischen Truppen aufgenommen, die in das Burgenland vorgedrungen waren. Schon seit 1941 gab es sowjetische Pläne, nach Kriegsende den Staat Österreich wieder herzustellen. 1943 stellten die Alliierten (USA, Großbritannien, Sowjetunion, wenig später auch das französischeKomitee der Nationalen Befreiung“) in der Moskauer Deklaration fest, dass sie den Anschluss Österreichs und des Sudetenlandes 1938 an das Deutsche Reich Hitlers für null und nichtig ansehen und die Befreiung Österreichs eines ihrer Kriegsziele sei. Zuvor hatte es, vor allem in Großbritannien, auch andere Denkmodelle gegeben, die neben einem eigenen Staat auch einen föderalistischen „Alpenstaat“ mit Bayern oder eine „Donaukonföderation“, ähnlich der ehemaligen Donaumonarchie beinhalteten. [1]

Renner wurde von den Sowjets mit der Bildung einer provisorischen Staatsregierung beauftragt. Ursprünglich wollte Renner nur behilflich sein, eine Regierung zu bilden. Von Stalin wurde er aber direkt beauftragt, einer Regierung vorzustehen. Daher stand er bei den Alliierten im Verdacht mit den Sowjets zu kollaborieren. In der Folge kam es am 14. April zur Gründung der SPÖ (aus Sozialdemokraten und „Revolutionäre Sozialisten“) sowie am 17. April der ÖVP (Christlichsoziale und Landbund) und der KPÖ. Am 27. April 1945 – also noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs – wurde die Unabhängigkeit Österreichs erklärt. Am 29. April trat die provisorische österreichische Staatsregierung zusammen (zehn Vertreter der SPÖ, neun ÖVP, sieben KPÖ und drei unabhängige). Die Abgeordneten der KPÖ kamen zumeist direkt aus Moskau, wo sie im Exil gelebt hatten. Anfangs war die Regierung nur von der Sowjetunion anerkannt; die USA, Großbritannien und Frankreich folgten aber im Verlauf des Jahres. Ziel der Regierung war die Wiederherstellung der österreichischen Republik auf der Grundlage der Verfassung von 1920. Bereits am 25. November 1945 fanden die ersten Nationalratswahlen statt.

Als vormaliger Teil des deutschen Reiches war Österreich in vier Besatzungszonen aufgeteilt: Vorarlberg und Tirol gehörten zur französischen Zone, Kärnten, die Steiermark und Osttirol zur britischen, Salzburg und der südlich der Donau gelegene Teil Oberösterreichs zur US-amerikanischen und Oberösterreich nördlich der Donau, Niederösterreich und das Burgenland zur sowjetischen Zone. Wien wurde, wie Berlin, in vier Besatzungszonen aufgeteilt, wobei die „Innere Stadt” (der erste Bezirk) von den Alliierten gemeinsam verwaltet wurde.

Die sowjetische Besatzungsmacht demontierte in ihrer Zone Industriekomplexe und vieles, was als „Deutsches Eigentum” deklariert worden war, wurde unter dem Namen USIA beschlagnahmt. In den westlichen Besatzungszonen der USA, Großbritanniens und Frankreichs wurde hingegen der so genannte Marshall-Plan aufgelegt. Um an die finanziellen Mittel zu gelangen war eine Währungsreform notwendig. Nicht zuletzt deshalb kam es in der Folge zu den Oktoberstreiks 1950. Wegen der ungleichen Mittelverteilung kam es im Westen des Landes erstmals zu einer eigenständigen Industrieentwicklung.

Mit dem Niedergang und der Auflösung des Deutschen Reiches verbunden war die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus ihren angestammten Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa und deren Zuzug auch nach Österreich.

Die Zweite Republik

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1955 erlebte die Republik Österreich ihre zweite Geburtsstunde. Durch den Österreichischen Staatsvertrag mit allen vier Besatzungsmächten bekam das Land – anders als BRD und DDR – seine volle staatliche Souveränität zurück. Als Gegenleistung dafür musste die Zweite Republik ihre „immerwährende Neutralität“ erklären und per Verfassungsgesetz festschreiben. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die österreichische Wirtschaft ähnlich wie die bundesdeutsche, wobei die Wirtschaft in der ehemaligen Sowjetzone einen großen Nachholbedarf gegenüber den westlichen Bundesländern hatte und sich dieses Ost-West-Gefälle erst nach Jahrzehnten ausglich (siehe auch Wirtschaftswunder).

Durch seine politisch neutrale Position wurde Österreich ein wichtiger Zufluchtsort für Beteiligte des Aufstandes in Ungarn (1956) und für viele Mitwirkende des Prager Frühlings (1968). Speziell im Jahr 1956, wo vor allem Ostösterreich noch stark durch die Besatzung in Mitleidenschaft gezogen war, war die humanitäre Hilfe für das Nachbarland sehr groß. Ganze Siedlungen wurden für Flüchtlinge aus dem Boden gestampft. Obwohl ein großer Teil der Flüchtlinge vor allem von Überseeländern aufgenommen wurden, blieben doch auch sehr viele in Österreich. Auch das Bundesheer, das erst neu aufgestellt wurde, hatte seine erste Bewährungsprobe. In beiden Fällen spielte auch der ORF eine große Rolle, die Bevölkerung in den jeweils betroffenen Nachbarländern als Staatsrundfunk möglichst neutral zu informieren.

Durch Bundeskanzler Bruno Kreisky, der als einer der ersten westlichen Politiker mit Arafat und Gaddafi Gespräche führte, bekam Österreich eine wichtige Rolle im Nahostkonflikt. Wien wurde zur Heimat vieler internationaler Organisationen wie der UNO, der IAEO und der OPEC.

Als Folge der jüngeren Geschichte, der Erfahrungen nach dem „Anschluss”, der Verbrechen der Nationalsozialisten und der vollständigen Niederlage des Hitlerreiches im Zweiten Weltkrieg, wandelte sich auch das Verständnis der staatlichen Identität. War das Selbstverständnis und das Verhältnis zum Staat in der Ersten Republik noch in weiten Teilen durch deutschnationale Gedanken geprägt, trat dieser Gedanke nun zunehmend in den Hintergrund. Dieses österreichische Nationalbewusstsein, das sich auch mit einer Abgrenzung zur neuen Bundesrepublik Deutschland verband, hatte allerdings auch zur Folge, dass sich viele Österreicher, „Normalbürger“ wie Politiker, jetzt als erstes Opfer der Nationalsozialisten sehen wollten (auch als „Opfermythos” bezeichnet), obwohl Hitler unter dem Jubel und mit Zustimmung weiter Teile der Bevölkerung den „Anschluss“ herbeigeführt hatte. Die Beteiligungen an den Verbrechen des Dritten Reiches wurden auch deshalb lange Zeit kaum aufgearbeitet. Dieser „blinde Fleck” im Geschichtsbewusstsein fand im Bundespräsidentschaftswahlkampf 1986 besonderen Ausdruck, als Kurt Waldheim seine SA-Mitgliedschaft bzw. seine Rolle in der deutschen Wehrmacht verschwieg. Trotz weltweiter Empörung gewann er die Präsidentenwahl im zweiten Wahlgang. Erst unter der Regierung von Bundeskanzler Franz Vranitzky kam es zu einem ausdrücklichen Bekenntnis zur Mitverantwortung der Österreicher an den Verbrechen des Nationalsozialismus.

Mit dem Zusammenbruch der kommunistischen Regimes in den Ostblockländern, dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Öffnung der Grenzen zu Westeuropa im Jahr 1989 verlor das Land seinen Charakter als westlicher demokratischer Vorposten. Konsequenterweise trat Österreich daher 1995 der Europäischen Union bei, was lange Zeit aufgrund des Neutralitätsgesetzes für undenkbar galt, und unterzeichnete in der Folge auch das Schengener Abkommen zur Grenzöffnung. Seitdem hat Österreich offene Grenzen zu Deutschland und zu Italien.

Die Regierungskoalition der bürgerlich-konservativen ÖVP mit der als rechtspopulistisch bezeichneten FPÖ im Februar 2000 führte zum „Einfrieren der Beziehungen”, den so genannten „Sanktionen“, der anderen EU-Länder gegen die österreichischen Bundesregierung sowie zu lang andauernden Demonstrationen (siehe auch Donnerstagsdemonstrationen) von Gegnern der blau-schwarzen Regierung. Die Politik der Europäischen Union gegenüber der Regierungskoalietion hatte allerdings kaum realpolitische Auswirkungen auf die österreichische Innenpolitik, sondern führte vielmehr zu einer kurzfristigen Stärkung der ÖVP-FPÖ-Koalition und zu einer vergleichsweise größeren Ablehnung der EU. Aufgrund der Empfehlung des von den EU-Ländern letztlich eingesetzten „Rat der Weisen“ hoben die 14 EU-Länder im September 2000 die „Sanktionen” wieder auf.

Am 1. Jänner 2002 wurde auch in Österreich die neue EU-Währung Euro eingeführt und die alte Schillingwährung abgelöst.

Die folgenden Jahre waren vor allem durch die Beitrittsverhandlungen der zehn ost- und südeuropäischen Länder zur EU (Osterweiterung), den Transitvertrag und die Proteste gegen das tschechische AKW Temelín geprägt. Letzteres führte zeitweise zu einem schlechten politischen Klima zwischen Prag und Wien. Die Neuverhandlungen für den Transitvertrag scheiterten im Jahre 2003.

Innenpolitik nach 1955

Die Innenpolitik war vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren stark von den Folgen des österreichischen Bürgerkrieges geprägt. So wurde auf eine gleichmäßige Machtverteilung zwischen der ÖVP und der SPÖ geachtet („Proporz“). Als es 1966 nach einer intensiven Werbeaktion der ÖVP gegen eine drohende rote Gefahr zur Alleinregierung kam, löste dies dementsprechend gegenteilige Befürchtungen aus.

1970 gewann Bruno Kreisky die Wahl und bildete mit Duldung der FPÖ eine Minderheitsregierung. Mit der vorgezogenen Wahl 1971 erlangte die SPÖ die absolute Stimmen- und Mandatsmehrheit. Von 1970 bis 1983 wurden einige wesentliche Änderungen durchgeführt: So schuf Bundeskanzler Bruno Kreisky mit Unterstützung seiner Partei einen modernen Sozialstaat und bekämpfte gleichzeitig die Arbeitslosigkeit – unter anderem auch durch die Aufstockung des Personalstands im öffentlichen Dienst und in den Staatsbetrieben und somit auch auf Kosten der öffentlichen Haushalte. Anderseits wurden Steuern wie die Mehrwertsteuer 1973 eingeführt. Zusätzlich wurde später die 32-prozentige „Luxussteuer“ (erhöhter Mehrwertsteuersatz) oder eine 6-prozentige Besitzsteuer (Vermögenssteuer) eingeführt, die von seinen Nachfolgern wieder abgeschafft wurden. Desweiteren vertrat Kreisky eine sehr liberale Einwanderungspolitik. Die österreichischen Einwanderungsgesetze waren zu dieser Zeit unter den liberalsten in Europa. 1976 kam es zur Bindung des Schillings an die D-Mark, nachdem der Dollarkurs eingebrochen war.

Mitte der 1970er-Jahre befand sich die SPÖ in ihrer Blütezeit – sie errang bei den Nationalratswahlen erneut die absolute Mehrheit. 1978 sorgte vor allem die Volksabstimmung über das Atomkraftwerk Zwentendorf (die Inbetriebnahme wurde mit knapper Mehrheit abgelehnt) für Aufregung, trotzdem erhielt Kreisky 1979 wieder die absolute Mehrheit. Die verlorene Wahl 1983 – die SPÖ hatte die absolute Mehrheit verloren – hatte zur Folge, dass Bruno Kreisky zurücktrat und seine Regierungsgeschäfte an Fred Sinowatz übergab. Es kam zu einer rot-blauen (kleinen) Koalition (SPÖ/FPÖ) mit Norbert Steger als Vizekanzler, die 1986 durch die Ernennung von Jörg Haider zum Parteiobmann der FPÖ ein jähes Ende fand, nachdem der neue SPÖ-Bundeskanzler Franz Vranitzky eine Koalition mit Haider kategorisch ablehnte. In den folgenden Jahren vollzog die FPÖ einen Rechtsruck, der sie in die Nähe anderer rechtspopulistischer Bewegungen in Europa brachte. Dies hatte neben einem enormen Stimmenzuwachs (von ca. 5 % im Jahr 1983 auf 27 % 1999) 1993 den Bruch mit dem liberalen Flügel der Partei zur Folge: Es entstand als Abspaltung das Liberale Forum (LIF), das sich bis 1999 im Nationalrat halten konnte. In den Folgejahren wurden einige Sozialleistungen und Steuern wieder abgeschafft, das Budget unter Finanzminister Ferdinand Lacina (SPÖ) teilweise saniert und die Ausländergesetze unter Innenminister Franz Löschnak (SPÖ) schrittweise deutlich verschärft.

Eines der wichtigsten österreichischen Themen der 1990er-Jahre waren die jugoslawischen Bürgerkriege. Aufsehen erregten vor allem Schießereien zwischen jugoslawischen Truppen und der slowenischen Territorialverteidigung an der österreichischen Grenze 1991 sowie mehrere Grenzüberschreitungen der jugoslawischen Luftwaffe auf österreichisches Territorium. (Unter anderem landete am 25. Oktober 1991 auch eine jugoslawische MiG-21R mit einem desertierenden kroatischen Pilot in Klagenfurt.) Die folgenden Kriege in Kroatien, Bosnien und im Kosovo führten dazu, dass viele Menschen aus diesen Ländern als Flüchtlinge in Österreich Zuflucht suchten. Österreicher leisteten auch mit Spendenaktionen wie „Nachbar in Not“ und mit Aufbauprojekten während und nach dem Krieg Hilfe.

Innenpolitik seit 2000

Nachdem die Regierungsparteien bei der Nationalratswahl am 3. Oktober 1999 schwere Verluste hinnehmen mussten – die ÖVP fiel sogar auf den dritten Platz zurück – und langwierige „Sondierungs-“ und Koalitionsgespräche zwischen SPÖ und ÖVP im Jänner 2000 endgültig gescheitert waren, kam es am 4. Februar 2000 nach 13 Jahren großer Koalition (1987-2000) gegen den Willen von Bundespräsident Thomas Klestil zu einem Regierungswechsel. Es begann die schwarz-blaue Koalition (ÖVP/FPÖ) unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, auf die – wegen der FPÖ-Regierungsbeteiligung – große Teile der österreichischen Bevölkerung mit Empörung und die übrigen EU-Staaten mit so genannten „Sanktionen“ (einem symbolischen Einfrieren diplomatischer Beziehungen) reagierten. Insbesondere Frankreich und Belgien befürchteten, dass der Rechtspopulismus über Österreich in Europa wieder salonfähig werden könnte. Die Sanktionen wurden bald wieder aufgehoben, da schnell klar war, dass Bürgerrechte in Österreich durch die neue Regierung nicht eingeschränkt würden. Der Versuch, aus dem Ausland politischen Druck auf Österreich auszuüben, hatte die schwarz-blaue Regierung allerdings eher gestärkt denn geschwächt, da sie so innenpolitisch die patriotische Karte spielen konnte.

Ein innerparteilicher Bruch in der FPÖ („Knittelfeld“, nach dem Veranstaltungsort der FPÖ-Delegiertenversammlung, die den Rücktritt eines Großteils der FPÖ-Regierungsmannschaft auslöste) führte 2002 zu Neuwahlen, bei denen die ÖVP ihren Stimmenanteil von 26,9 % auf 42,3 % steigern konnte, somit erstmals seit 1966 wieder stimmenstärkste Partei wurde, und ihr Koalitionspartner FPÖ von vormals 26,9 % Stimmenanteil auf nunmehr 10,0 % abrutschte (SPÖ: 36,5 %, Grüne: 9,5 %). Erneut kam es zur Bildung einer schwarz-blauen Koalition („Kabinett Schüssel II“), allerdings diesmal mit einer weitaus schwächeren FPÖ. Unter dieser Koalition wurde und wird der Liberalisierungs- und Sparkurs, der bereits von der SPÖ/ÖVP-Koalition begonnen wurde, fortgeführt.

Im April 2005 kam es durch ein erneutes Zerwürfnis innerhalb der FPÖ zu einer Änderung der Parteienlandschaft: die bisherigen Regierungsmitglieder und ein Großteil der Parlamentierer der FPÖ traten aus der Partei aus und einem vom Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider neu gegründeten „Bündnis Zukunft Österreich“ (BZÖ) bei. Die Regierung wurde als „schwarz-orange“ Koalition fortgesetzt.

Im Jahr 2005 wurde in Österreich aus Anlass mehrerer Jubiläen ein „Gedankenjahr“ abgehalten – gefeiert wurden unter anderem 60 Jahre Kriegsende und Gründung der Zweiten Republik, 50 Jahre Staatsvertrag und Neutralität sowie zehn Jahre EU-Beitritt.

Siehe auch

Portal Österreich, Liste der Markgrafen und Herzöge von Österreich im Mittelalter, Habsburg, Liste der römisch-deutschen Herrscher, Liste der Kaiser von Österreich, Österreichische Kaiserhymnen, Bundeskanzler (Österreich), Österreichischer Gedenkdienst, Braunauer Zeitgeschichte-Tage, Kriegsmarine (Österreich-Ungarn)

Literatur

  • Erich Zöllner: Geschichte Österreichs. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Verlag für Geschichte und Politik, ISBN 3702802223
  • Ernst Bruckmüller: Sozialgeschichte Österreichs, Verlag Herold, ISBN 3700802838
  • Karl Vocelka: Geschichte Österreichs (Kultur – Gesellschaft – Politik), Verlag Styria, ISBN 3453216229
  • Richard und Maria Bamberger, Ernst Bruckmüller, Karl Gutkas (Hrsg.): Österreich-Lexikon , Verlagsgemeinschaft Österreich-Lexikon, ISBN 3950043802
  • Manfred Scheuch: Österreich im 20. Jahrhundert (Von der Monarchie zur Zweiten Republik), Verlag Christian Brandstätter, ISBN 3854980299
  • Stephan Vajda: Felix Austria (Eine Geschichte Österreichs), Ueberreuter
  • Österreichische Geschichte, Herwig Wolfram (Hrsg.), Wien 1994 ff.:
  • Bis 15 v. Chr.: Otto H. Urban: Der lange Weg zur Geschichte. Die Urgeschichte Österreichs, Wien 2000.
  • 15 v. Chr. - 378 n. Chr.: Verena Gassner, Sonja Jilek, Sabine Ladstätter: Am Rande des Reiches. Die Römer in Österreich, Wien 2002.
  • 378-907: Herwig Wolfram: Grenzen und Räume. Geschichte Österreichs vor seiner Entstehung, Wien 1995.
  • 907-1156: Karl Brunner: Herzogtümer und Marken. Vom Ungarnsturm bis ins 12. Jahrhundert, Wien 1994.
  • 1122-1278: Heinz Dopsch, Karl Brunner, Maximilian Weltin: Die Länder und das Reich. Der Ostalpenraum im Mittelalter, Wien 1999.
  • 1278-1411: Alois Niederstätter: Die Herrschaft Österreich. Fürst und Land im Spätmittelalter, Wien 2001.
  • 1400-1522: Alois Niederstätter, Das Jahrhundert der Mitte. An der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, Wien 1996.
  • 1522-1699: Thomas Winkelbauer, Ständefreiheit und Fürstenmacht. Länder und Untertanen des Hauses Habsburg im konfessionellen Zeitalter, 2 Teilbände, Wien 2003.
  • 1699-1815: Karl Vocelka: Glanz und Untergang der höfischen Welt. Repräsentation, Reform und Reaktion im habsburgischen Vielvölkerstaat, Wien 2001.
  • 1804-1914: Helmut Rumpler: Eine Chance für Mitteleuropa. Bürgerliche Emanzipation und Staatsverfall in der Habsburgermonarchie, Wien 1997.
  • 1890-1990: Ernst Hanisch, Der lange Schatten des Staates. Österreichische Gesellschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert, Wien 1994.
  • Roman Sandgruber: Ökonomie und Politik. Österreichische Wirtschaftsgeschichte vom Miottelalter bis zur Gegenwart, Wien 1995.
  • Rudolf Leeb, Maximilian Liebmann, Georg Scheibelreiter, Peter Tropper: Geschichte des Christentums in Österreich. Von der Spätantike bis zur Gegenwart, Wien 2003.

Weblinks

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