Friedrich Paulus
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Friedrich Wilhelm Ernst Paulus (* 23. September 1890 in Breitenau, Hessen; † 1. Februar 1957 in Dresden) war ein deutscher Heeresoffizier (seit 1943 Generalfeldmarschall) und Armeekommandeur während des Zweiten Weltkrieges.
Inhaltsverzeichnis |
Vorkriegsjahre
1935 Nach Saar-Anschluss (Januar), Einführung der Wehrpflicht und Reichsarbeitsdienst und im selben Monat der Nürnberger Rassengesetze begann Paulus General-Karriere. 45-jährig als Nachfolger des Panzergenerals Guderian als Generalstabschef über das erste neue Panzerkorps während der heimlichen Wiederaufrüstung. Genau ein Jahr später verkündet Hitler seinen Vierjahresplan, um das Deutsche Reich kriegsfähig zum machen.
Blitzkrieg an Ost- und Westfront
1939 Seine Kriegskarriere beginnt mit dem Überfall auf Polen als Oberbefehlshaber der 10. Armee. Diese wurde unter seiner Führung beim Frankreichfeldzug in die 6. Armee überführt, die nach dem Stellungskrieg unmittelbar den Überfall auf die Sowjetunion anführte. Alle erfolgreichen Feldzüge und Schlachten werden bei Paulus meistens von seinem Vorgesetzten, Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt begleitet. Dieser galt als inoffizieller Widersacher unter Hitlers obersten Generälen und lehnte mehrmals den Dienst unter Hitler ab, bis er schließlich Mitte 1944 von Hitler von seinem Posten abgelöst wurde.
Ausbildung/Rückblick auf den 1. Weltkrieg
1910 Paulus Ausbildung fand ebenfalls bereits vor dem Ersten Weltkrieg als 20-jähriger Leutnant und Bataillonsadjutant im Alpenkorps der deutschen Generalität während des 1. Weltkrieges statt. Mit 22 Jahren heiratete er die Schwester eines Regimentskameraden, Elena Rosetti Solescu, eine rumänische Adelstochter. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Seine Rolle während der Novemberrevolution bei den marodierenden Freikorps, "Grenzschutz Ost", ist erwähnenswert, da er die rauen Nachkriegsjahre im eher beschaulichen Konstanz als Hauptmann eines Infanterieregimentes ausharrte.
Plan B im Osten (Abkehr von Zielrichtung Moskau)
Erste Winterkrise bei Charkov
1941 Paulus' größte militärische Erfolge fanden während des Vormarsches auf Kiew und Charkow, sowie am Dnjepr in der Ukraine statt. Sein Vorgesetzter Gerd v. Rundstedt hielt damals bereits die gesamte Ost-Offensive wegen fehlender Kraft und Nachhaltigkeit der Wehrmacht für gescheitert und kritisierte mehrfach offen das Zusammengehen der Wehrmacht mit der Waffen-SS. Nach seiner Einnahme von Charkov kam es gemeinsam mit Waffen-SS General Paul Hausser zu den größten Kriegsverbrechen der Wehrmacht, die sich an den Säuberungen durch den Kommissarbefehl der Ukraine beteiligte. Am 5. Dezember beginnen bereits die ersten Abwehrgefechte rund um Charkov.
- 6. Juni 1941 Überliefert ist die Weitergabe des Kommissarbefehls bei Erich von Manstein. Wie Paulus ist dieser nicht der Ansicht des Generalfeldmarschalls v. Rundstedt gewesen, die Wehrmacht hätte den Krieg im Osten bereits verloren. Von Manstein scheitert als Armeekommandeur später bei Hitler mit der Forderung, die eingekesselten Truppen von Stalingrad durch Ausbruch aus dem Kessel und Durchbrüche seiner nächstgelegenen 11. Armee zu retten.
Am 2. Januar 1942 durchbrachen sowjetische Truppen erstmals die deutsche Ostfront. Erst im Mai, ausgerechnet während seiner Inspektionsreise bei General Rommel in Afrika, gelingt seiner 6. Armee zunächst die Sicherung von Charkov in einer Kesselschlacht gegen die Sowjets.
Marsch auf Stalingrad gegen alle Warnungen
- 28. Juni 1942 Durchbruch der 6. Armee in neuer Ost-Offensive (Fall Blau). Paulus und seine 300.000 Mann starke multinationale 6. Armee waren bereits der letzte Hoffnungsträger Hitlers im Kampf um Erdölfelder im Kaukasus und Bergbaugebiete im Donez-Becken.
- 17. August 1942 drei Monate verlustreicher Häuserkampf bis zur Einnahme Stalingrads
- 19. November 1942 Anschließend begann die Einkesselung durch nachrückende Sowjetverbände.
Stalingrad, die Folgen für Paulus und den Krieg
Kriegsverbrechen bis zur Gefangennahme
Gegen den Befehl Hitlers, bis zum Tod und bis zum letzten Mann zu kämpfen, kapitulierte Paulus am 31. Januar 1943 mit den verbliebenen 125.000 Mann der 6. Armee im Südteil des Kessels von Stalingrad. Zuvor hatte Paulus auf Anweisung Hitlers jeglichen Versuch unterlassen, aus dem Kessel auszubrechen, wobei er noch am 26. Januar 1943 eine Revolte seiner Generäle unterdrückte. Stattdessen erteilte er bereits zuvor am 9. Januar 1943 seinen Soldaten den Befehl, auf Unterhändler des Gegners zu schießen und verstieß brutal gegen geltendes Völkerrecht. Anlass war offenbar das schriftliche Angebot einer ehrenvollen Kapitulation an eine Armee des sowjetischen Generaloberst Rokossowski an Paulus. Die Beförderung zum Generalfeldmarschall durch Adolf Hitler war eine indirekte Aufforderung zum Selbstmord, da noch nie zuvor ein deutscher Feldmarschall kapituliert hatte.
Paulus' persönliche Kapitulation
Er widersetzte sich erst Hitlers Befehlen, als die Verbindungen vieler seiner Einheiten untereinander abrissen, so dass mehrfach und verzögert kapituliert wurde (kapitulierende Einheiten). Er ließ sich widerstandslos gefangen nehmen, ohne dies rechtzeitig an alle Gefechtsstände weiterzumelden. Dadurch wurden hohe Offiziere vom Gegner ebenfalls gezielt und widerstandslos gefangen genommen, aber gleich darauf als Überläufer durch eigene Einheiten unter Feuer genommen. Das Chaos solcher erzwungenen "Kapitulationen" weniger Offiziere, in denen ein Kommandeur treue Soldaten, die zwischen Gehorsam und Selbstmord stehen, buchstäblich auf dem Gewissen hat, wurde General Paulus auf alle Zeiten angelastet. Während jedem Überläufer sofortige Erschießung drohte, gestanden sich die höchsten Offiziere und Generäle eine persönliche Kapitulation und Gefangennahme zu.
Paulus' persönliche Gefangenschaft
Vom Moment der Gefangennahme bestand die Sonderbehandlung durch seinen Gegner, Kommandeur Georgi Konstantinowitsch Schukow (Unterzeichner der Kapitulation in Karlshorst) und später durch Stalin persönlich. Es wurde für Komfort gesorgt, während von seinen Soldaten nur 5.000 Offiziere den Weg Richtung Westen zurückfanden.
Charkovs Rückeroberung nach Stalingrad
- März 43: erneute Eroberung von Charkov durch Erich v. Manstein. Die nachhaltige Verzögerung des Rückzuges aller Ostarmeen und damit des Krieges insgesamt ist auf Stabsgeneräle in der 2. Reihe wie v. Manstein und Paulus zurückzuführen. V. Manstein hielt seine Behauptung, die Wehrmacht hätte "ohne Hitler" im Osten gewonnen, nach seiner Dienstenthebung durch Hitler und noch nach seiner Verurteilung zu 18 Jahren Haft im britischen Militärgefängnis aufrecht.
- Sept. 43 (Gründung BDO): Paulus hielt seine Zustimmung zum alten Korpsgeist bis zum 9. August 1944 aufrecht, als beim BDO noch unter den Augen der Sieger Hakenkreuze getragen werden durften.
Vermutlich waren sich Paulus und v. Manstein bis zum Kriegsende einigermaßen ähnlich, so dass Rückschlüsse auf jeden Generalfeldmarschall möglich sein dürfte. Z.B zeigt das Beispiel v. Manstein, dass eine Widersetzung eines erfolgreichen Generals Hitlers Befehlen keinesfalls tödliche Konsequenzen haben musste.
Auf Umwegen zurück nach Deutschland
Juli 1943: Gründung Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) In sowjetischer Gefangenschaft wurde er durch bevorzugte Behandlung zu Beitritt und Führung des Bund deutscher Offiziere (BDO) lange Zeit umworben. Dieser wurde kurz nach Gründung am 11. September 1943 durch seinen von Stalingrad untergebenen General Walther von Seydlitz dem kommunistischen NKFD untergeordnet. Paulus schließt sich nach dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli dem BDO auf Druck der Sowjets an, ohne selbst andere Offiziere zum Beitritt zu überreden. Dies blieb Aufgabe seines Korpsgenerals v. Seydlitz. Während v. Seydlitz den gewendeten Antifaschisten zugerechnet werden kann, fehlt bei Paulus ein eindeutiges bzw. öffentliches Bekenntnis oder entsprechendes Handeln dazu.
Zeuge der Anklage in Nürnberg
1946 trat er bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen als Zeuge der Anklage auf, was viele Wehrmachtsveteranen kritisierten. Dabei war offensichtlich, dass er trotz eigener Kriegsverbrechen von den Sowjets nur zu geringen Geständnissen gezwungen wurde, ohne in Russland oder Nürnberg unter Anklage gestellt worden zu sein. In Nürnberg verlangte der sowjetische Ankläger ausnahmslose den Tod aller Angeklagten. In Sowjetrussland wurden immerhin andere deutsche Offiziere für die Verbrechen von Charkov und Kiew an seiner Stelle angeklagt und umgehend zum Tode verurteilt.
Feldmarschall im Ruhestand
1953 Nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft wünschte er sich, in der DDR zu leben und lebte unauffällig in Dresden auf dem Weißen Hirsch in der Preußstraße.
Paulus war später als Schriftsteller tätig, wurde Leiter des Kriegsgeschichtlichen Forschungsrates an der Hochschule der Kasernierten Volkspolizei in Dresden und war 1955 an der Initiative „Gesamtdeutsche Offizierstreffen“ beteiligt, die die Wiederbewaffnung Ost- und Westdeutschlands verhindern wollte. Einflussreiche Positionen wurden ihm in der DDR nicht übertragen.
Auszeichnungen
- Eisernes Kreuz (1914) 2. und 1. Klasse
- Eisernes Kreuz (1939) 2. und 1. Klasse
- Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub
- Ritterkreuz (26. August 1942)
- Eichenlaub (15. Januar 1943)
Generalfeldmarschall Friedrich Paulus ist auch Hauptautor der Dienstvorschrift der ehemaligen Volksarmee der DDR.
Weblinks
- Deutsches Historisches Museum - Biografie Paulus
- merkur-online - General Paulus: Von Hitler zu Stalin
- Ritterkreuzträger - Friedrich Paulus
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Paulus, Friedrich Wilhelm Ernst |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | Generalfeldmarschall im Dritten Reich |
| GEBURTSDATUM | 23. September 1890 |
| GEBURTSORT | Breitenau |
| STERBEDATUM | 1. Februar 1957 |
| STERBEORT | Dresden |
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