Fettkräuter

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Fettkräuter
Bild:Pinguicula vulgaris.JPG
Systematik
Abteilung: Blütenpflanzen (Magnoliophyta)
Klasse: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Asternähnliche (Asteridae)
Ordnung: Lamiales
Familie: Wasserschlauchgewächse
(Lentibulariaceae)
Gattung: Fettkräuter
Wissenschaftlicher Name
Pinguicula
L.

Die Fettkräuter (Pinguicula) sind eine karnivore Gattung aus der Familie der Wasserschlauchgewächse (Lentibulariaceae) mit über 90 Arten, es werden jedoch noch immer wieder weitere entdeckt.

Inhaltsverzeichnis

Botanische Geschichte und Etymologie

Zum ersten Mal erwähnt wurde das Fettkraut im Jahre 1479 als "Smalz chrawt" von Vitus Auslasser, sein heutiger botanischer Name geht auf Conrad Gesner 1561 zurück, der in seinem "Horti Germaniae" auf die fettglänzenden Blätter verwies, "propter pinguia et tenera folia ...". Der deutsche Name "Fettkraut" spiegelt diesen Ursprungsnamen wieder. Die erste offizielle Beschreibung dieser Gattung erfolgte 1753 durch Carl von Linné.

Beschreibung

Wurzeln

Das Wurzelwerk der Fettkräuter ist nur schwach ausgeprägt. Es ist weiss und fein und dient in erster Linie der Verankerung im Untergrund (insbesondere bei epiphytischen Arten) sowie der Aufnahme von Spurenelementen.

Blätter

Alle Arten bilden bodenständige Rosetten mit glatten, festen Blättern. Das von den Blattoberseiten ausgeschiedene Sekret, an dem Beutetiere kleben bleiben und verdaut werden, lässt die Blätter fettig glänzen. Sie sind -je nach Art- zwischen 2 und 30 cm groß.

Blüten

Wie bei fast allen Karnivoren ragen ihre Blüten weit über die eigentliche Pflanze hinaus, um ein Fangen von Bestäubern zu verhindern. Die Blüten sind wie bei allen Wasserschlauchgewächsen zygomorph und gespornt, sie stehen einzeln und sind langblühend.

Wuchsformtypen

Grob können die Fettkräuter in zwei Hauptgruppen mit je zwei Untergruppen eingeteilt werden. Die Unterteilung der Hauptgruppen geht dabei auf klimatische Gegebenheiten zurück, die der Untergruppen auf morphologische Merkmale.

Generell gilt für alle Fettkräuter, dass sie (nach Casper) saisonal wechselnd sogenannte vegetative Rosetten und generative Rosetten bilden. Tropische Wuchsformen beenden dabei jede Rosettenbildung mit der Ausbildung einer Blüte und gehen nach dieser wiederum in die nächste Rosettenform über. Die sogenannten "temperierten Wuchsformen" hingegen bilden zwar eine vegetative Rosette aus, diese aber blüht nicht, sondern bildet in ihrem Zentrum einen sogenannten Hibernakel, der als Überwinterungsorgan dient. Nach der Ausbildung des Hibernakels sterben die Blätter der vegetativen Rosette ab. Erst nach Überwinterung und Neuaustrieb in einer vegetativen Rosette beginnt die Pflanze die Bildung einer Blüte.

Als Unterscheidungsmerkmal der Untergruppen dient wiederum die Gestalt der Rosetten einer Art. Wenn vegetative und generative Rosette einer Art in ihrem Erscheinungsbild identisch sind, so spricht man von homophyllem Wuchs, wenn sie sich in Form und/oder Grösse unterscheiden, so spricht man von heterophyllem Wuchs.

So ergeben sich also vier Formenkreise:

  • Tropischer Wuchsformtyp: Arten, die keine Kälteperioden kennen und wechselnd Rosetten bilden und blühen.
    • Tropisch-heterophyller Wuchsformtyp: vegetative und generative Rosette einer Art unterscheiden sich in Form und/oder Grösse. Beispiele: P. acuminata, P. caudata, P. gypsicola oder P. moranensis.
    • Tropisch-homophyller Wuchsformtyp: vegetative und generative Rosette einer Art sind in ihrem Erscheinungsbild identisch. Beispiele: P. emarginata, P. filifolia oder P. pumila.
  • Temperierter Wuchsformtyp: Arten gemäßigter Zonen mit Kälteperioden. Sie bilden wechselnd Rosetten und blühen und überwintern wechselnd.
    • Temperiert-heterophyller Wuchsformtyp: vegetative und generative Rosette einer Art unterscheiden sich in Form und/oder Grösse. Beispiele: P. lutea oder P. lusitanica.
    • Temperiert-homophyller Wuchsformtyp: vegetative und generative Rosette einer Art sind in ihrem Erscheinungsbild identisch. Beispiele: P. alpina, P. grandiflora oder P. vulgaris.

Karnivorie

Wie alle Gattungen der Familie der Wasserschlauchgewächse sind die Fettkräuter karnivor. Jedoch erst als W. Marshall Charles Darwin auf die klebenbleibenden Insekten auf den Blättern aufmerksam machte, untersuchte dieser die Pflanzen genauer und stellte die Karnivorie fest.

Verbreitung

Das Fettkraut ist über die ganze Nordhalbkugel der Erde verteilt. Ebenso sind die Pflanzen in Südamerika zu finden. In Afrika ist die Verbreitung allerdings auf den äußersten Nordwesten beschränkt. Einzige "weiße Flecken" sind Australien und Neuseeland. Das Ursprungsgebiet der Pinguicula ist wahrscheinlich Mittelamerika. Zwei Arten, nämlich das Gemeine Fettkraut und das Alpen-Fettkraut, sind auch im deutschsprachigen Raum einheimisch.

Systematik

Systematisch werden Fettkräuter in vier Untergattungen und 15 Sektionen unterteilt.

Untergattung Isoloba

Sektion Agnata

Sektion Cardiophyllum

Sektion Heterophyllum

Sektion Homophyllum

Sektion Isoloba

Untergattung Orcheosanthus

Sektion Crassifolia

Sektion Longitubus

Sektion Orcheosanthus

Untergattung Pinguicula

Sektion Pinguicula

Untergattung Temnoceras

Sektion Ampullipalatum

Sektion Micranthes

Sektion Nana

Sektion Temnoceras

Literatur

  • Casper, S. J.: "Monographie der Gattung Pinguicula", (Bibliotheca Botanica, Heft 127/128), 1966, Stuttgart
  • Barthlott, Wilhelm; Porembski, Stefan; Seine, Rüdiger; Theisen, Inge: "Karnivoren", Stuttgart, 2004, ISBN 3-8001-4144-2


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