Englischer Schweiß

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Der Englische Schweiß, auch bekannt als sudor anglicus oder Schweißfieber, war eine ungewöhnliche, sehr ansteckende Infektionskrankheit mit meist tödlichem Augang, die im 15. und 16. Jahrhundert in fünf Seuchenwellen hauptsächlich in England auftrat und dann anscheinend wieder verschwand. Typisches Symptom waren starke Schweißausbrüche, die der Krankheit zu ihrem Namen verhalfen. Es ist bis heute nicht klar, worum es sich bei dieser Krankheit handelte. Die Mutmaßungen über die Verursacher des Englischen Schweißes reichen von Grippe- bis Hanta-Viren.

Epidemien

Die Ärzte wurden ganz zu Beginn der Herrschaft Heinrichs VII. von England zuerst auf den Englischen Schweiß aufmerksam. Er war definitiv einige Tage nach der Landung Heinrichs in Milford Haven am 7. August 1485 bekannt, auf jeden Fall vor der Schlacht von Bosworth Field am 22. August. Bald nach der Ankunft Heinrichs in London am 28. August brach er in der Hauptstadt aus und forderte viele Todesopfer. Dieser alarmierenden Krankheit wurde bald der Name Schweißkrankheit (engl.: sweating-sickness) verliehen. Sie wurde als sehr verschieden von der Pest oder anderen bis dahin bekannten epidemischen Krankheiten erachtet, nicht nur wegen ihrer speziellen Symptome, die ihr ihren Namen gaben, sondern auch wegen ihres extrem schnellen und tödlichen Verlaufs.

Nach dieser ersten Seuchenwelle trat die Krankheit erst 1507 ein zweites Mal auf und forderte weit weniger Todesopfer als beim ersten Ausbruch. 1517 kam es zu einem dritten, sehr schweren Ausbruch. Oxford und Cambridge hatten ebenso wie viele andere Städte viele Todesopfer zu beklagen. In einigen Städten soll die Hälfte der Bevölkerung umgekommen sein. Es gibt Berichte, wonach sich die Krankheit bis nach Calais und Antwerpen verbreitete. Bis auf diese Ausnahmen blieb die Krankheit aber, wie während der ersten beiden Ausbrüche, auf England beschränkt.

1528 kam es zu einem vierten, sehr schweren Ausbruch. Die Krankheit trat Ende Mai zuerst in London auf und verbreitete sich schnell über ganz England, kam aber nicht nach Schottland und Irland. Die Mortalität in London war sehr hoch. Der Hof wurde aufgelöst; König Heinrich VIII. verließ die Stadt und wechselte oft seinen Aufenthaltsort. Man glaubt, dass Anne Boleyn sich mit der Krankheit ansteckte und überlebte.

Während die ersten drei Ausbrüche auf England beschränkt blieben, breitete sich die Krankheit dieses Mal auch im Rest Europas mit einer solchen Geschwindigkeit aus, dass innerhalb weniger Wochen über tausend Menschen starben. Während der Jahre 1528 und 1529 verursachte der Englische Schweiß ein großes Sterben in Europa. Er verbreitete sich ähnlich wie die Cholera und erreichte die Schweiz im Dezember 1528, verbreitete sich dann über Deutschland und Österreich nordwärts nach Dänemark, Schweden und Norwegen und ostwärts nach Litauen, Polen und Russland. Frankreich und Italien blieben verschont. Auch in den Niederlanden trat die Seuche auf, möglicherweise direkt aus England kommend, da sie in Antwerpen und Amsterdam gleichzeitig am Morgen des 27. September 1528 auftrat. Die Seuche hielt sich nicht lange in den befallenen Orten, meist nur zwei Wochen. Nur im Osten der Schweiz hielt sie sich etwas länger. Danach trat der Englische Schweiß nicht mehr im kontinentalen Europa auf.

England erlitt jedoch 1551 noch einen fünften Ausbruch der Seuche. Von diesem Ausbruch existiert der Bericht eines Augenzeugen, des englischen Arztes John Caius, mit dem Titel A Boke or Counseill Against the Disease Commonly Called the Sweate, or Sweatyng Sicknesse. Die Krankheit tauchte danach in England nie wieder auf. Eine ähnliche Krankheit, bekannt als Picardie-Schweiß, trat in Frankreich von 1718 bis 1861 auf, war aber von geringerer Tödlichkeit und außerdem von einem Hautausschlag begleitet, anders als der Englische Schweiß.

Symptome

Die Symptome wurden von Caius und anderen wie folgt beschrieben: Die Krankheit begann sehr plötzlich mit Angstgefühlen, gefolgt von manchmal sehr heftigem Schüttelfrost, Schwindel, Kopfschmerz und Schmerzen in Hals, Schultern und Gliedmaßen, begleitet von großer Erschöpfung. Nach diesem „kalten“ Stadium, das eine halbe Stunde bis drei Stunden dauern konnte, folgte das Stadium der Hitze und des Schwitzens. Der charakteristische Schweiß brach urplötzlich und, wie es den mit der Krankheit Vertrauten schien, ohne offensichtlichen Grund aus. Mit dem Schweiß oder kurz danach kam ein Gefühl von Hitze, begleitet von Kopfschmerz, Delirium, rasendem Pulsschlag und großem Durst. Herzrasen und Herzschmerz waren häufige Symptome. Kein wie auch immer gearteter Hautausschlag wurde beobachtet; auch Caius machte keine diesbezügliche Andeutung. In den späteren Stadien folgten entweder allgemeine Erschöpfung, Zusammenbruch und rascher Tod oder eine unwiderstehliche Schläfrigkeit, der nachzugeben für tödlich erachtet wurde. Wer einen Anfall überstand, war nicht immun, und einige Menschen hatten mehrere Anfälle, bevor sie starben.

Ursache

Die Ursache ist der mysteriöseste Aspekt der Krankheit. Manche geben dem allgegenwärtigen Schmutz und Abwasser der damaligen Zeit die Schuld, die Quellen der Infektion gewesen sein könnten. Dass der erste Ausbruch am Ende des Rosenkrieges stattfand, könnte bedeuten, dass die Krankheit von französischen Söldnern Heinrichs VII. nach England gebracht wurde, vor allem, da diese immun gewesen zu sein scheinen. Die Tatsache, dass die Krankheit heftiger unter den Wohlhabenden wütete als unter den Armen, erklärt, warum sie besonders beachtet wurde, anders als andere Krankheiten dieser Zeit. Heutige Vermutungen über die Ursache der Seuche reichen von Influenza über von Flöhen und Läusen übertragene Krankheiten bis zu Hanta-Viren.



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