Drehbuch

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Ein Drehbuch (englisch screenplay oder script) ist die erzählerische Grundlage für die Produktion eines Films. Es wird von einem Drehbuchautor geschrieben, in geringer Auflage vervielfältigt und an die verschiedenen, an der Produktion beteiligten MitarbeiterInnen des Stabs weitergegeben. Welche Informationen es genau enthält ist von der persönlichen Bildsprache seines Autors abhängig. Ein "Industriestandard" bildet den allgemeinen Konsens über seine Form und definiert somit den künstlerischen Verantwortungsbereich des Autors. Die Elemente dieser Form bestehen aus:

  1. Schauplatz und Tageszeit
  2. Namen der Figuren, deren Alter und besondere körperliche Merkmale
  3. Physische Handlungen/Abläufe
  4. Dialoge
  5. Rhetorische Umschreibungen erzählerisch-relevanter Informationen für die Umsetzung durch andere Medien (Musik, Perspektive, Schauspielführung etc.).

Weil das Drehbuch der letzte schriftstellerische Arbeitsschritt vor der eigentlichen Film-Arbeit ist, kann aus einem guten Drehbuch zwar ein schlechter Film werden; aus einem schlechten Drehbuch aber niemals ein guter Film. Der Grund dafür liegt darin, dass das Drehbuch den Film wesentlich bestimmt und definiert.

Plot, Storyline und Charaktere wurden in der Regel zuvor in einem ersten Treatment festgehalten. Aus dem Treatment wird dann von einem Drehbuchautor (bisweilen vom Regisseur des Films, durchaus aber auch von Autorenteams (bes. bei Fernsehserien) das Drehbuch erstellt. Dieses wird in der Regel im Laufe der Produktion weiterhin verändert und umgeschrieben. So können Änderungen beispielsweise durch Probleme mit dem Budget, durch Vorschläge der Darsteller, durch Änderungswünsche der Produzenten u.v.m. zustande kommen.

Drehbücher sind somit erst dann als solche abgeschlossen, wenn der Film, zu dessen Herstellung sie dienen, den Final Cut bekommen hat und von den Rechtehaltern veröffentlicht wird. Sie sind mithin während der Dreharbeiten als Work in Progress zu betrachten und dienen im Nachhinein nur dann zur Dokumentation des Entstehungsprozesses des Films, wenn die Änderungen der Phasen am Originaldokument einsehbar sind. Dies erschwert es Filmwissenschaftlern das Drehbuch als Produktions-Instanz in ihren Untersuchungen wissenschaftlich korrekt zu berücksichtigen. Aus dem gleichen Grund (das Problem der Zuordnung eines Autors) beschäftigen sich Literaturwissenschaftler selten mit Drehbüchern, ihr Augenmerk zielt eher auf den Vergleich zwischen Film und literarischer Vorlage. Das Drehbuch wird dabei für gewöhnlich außer Acht gelassen.

Bisweilen werden Drehbücher in Buchform herausgegeben. Dabei handelt es sich üblicherweise um bearbeitete Versionen desjenigen Stadiums des Drehbuchs, das dem filmischen Endprodukt am nächsten kommt. Daher ist das publizierte Drehbuch in aller Regel eher ein Buch zum Film als das eigentliche Drehbuch.

Inhaltsverzeichnis

Erzählstruktur

Der klassische Drehbuch-Plot zerfällt in drei Akte nach dem Held-Widersacher-Modell.

  1. Akt: Auftakt --> Wendepunkt
  2. Akt: Kampf --> Wendepunkt
  3. Akt: Entscheidung --> Ergebnis

Diese Aufteilung geht u.a. auf Aristoteles zurück, der schon in seiner Poetik von Anfang, Mitte, Ende spricht.

Im ersten Akt werden Haupt- und Widerstrebung eingeführt, die von einer (Innenkampf) oder zwei Parteien (Aussenkampf zwischen Protagonist und Antagonist) verkörpert werden. Der weitere Verlauf gipfelt dann in einem Wendepunkt: der Plot entwickelt sich in eine unerwartete Richtung.

Der zweite Akt besteht ihm Kampf von Haupt- und Widerstrebung. Protagonistisches und antagonistisches Streben verfolgen Zwecke, deren zeitgleiche Verwirklichung sich ausschließt; eines wird dem anderen weichen müssen. Eine weitere unerwartete Plot-Entwicklung markiert das Ende des zweiten Aktes.

Im dritten Akt entscheidet sich, welcher Zweck auf Kosten welchen anderens Wirklichkeit wird, und was daraus für ein Endzustand folgt.

Format-Richtlinien für Drehbücher

Drehbücher für Spielfilme, welche an grössere Studios eingesandt werden - sei es in den USA oder anderswo - sollen einen gewissen Standard ("Studioformat") einhalten. Dieser besagt, wie die Bezeichnung von Szenen, Handlungen, Übergängen, Dialogen, Charakternamen, Kameraeinstellungen und anderes auf dem Blatt Papier präsentiert werden soll. Ebenso wird die Zeichengrösse und die Zeilenabstände mehr oder weniger eingeschränkt.

Ein Grund für diese Vereinheitlichung besteht darin, dass bei einer Darstellung im Studioformat eine Seite des Drehbuchs rund eine Minute des Films entspricht. Diese Faustregel ist aber umstritten; zum Beispiel gibt es eine sehr dialoghaltige Seite im Drehbuch, welche mehr Filmzeit benötigt als eine Seite Action. Ebenso hängt die Länge des Drehbuchs vom Schreibstil des Autors ab. Die erfahrensten Leser der Drehbücher glauben, Drehbücher aufgrund vom Gewicht und der Dicke in "zu lang", "gut" oder "zu kurz" einzuteilen.

Nachdem das Drehbuch in der Hand gewogen worden ist, wird der Leser oder Filmproduzent zur letzten Seite blättern, um die Anzahl Seiten zu bestimmen. Idealerweise sind Drehbücher 90 bis 120 Seiten lang; Komödien und Kinderfilme neigen aber dazu, eher tiefere Seitenzahlen zu besitzen. Es ist aber eine geläufige, aber falsche Vorstellung, dass ein Drehbuch 120 Seiten lang sein sollte - tatsächlich sind 120 Seiten eher zu lang für die meisten Filme. 110 bis 115 Seiten lange Scripts haben offenbar die höchste Akzeptanz bei den Mangern. Überschreitet ein Drehbuch die 120-Seiten-Grenze, dann handelt es sich entweder um das Werk eines unerfahrenen Autors, oder die Geschichte wird von einem fähigen Regisseur - der auch in der Lage ist, mit den vielen Zusatzinformationen gut umzugehen - verfilmt.

Der Leser kann auch sofort sagen, ob ein Drehbuch im "Studioformat" geschrieben ist oder nicht, indem er auch nur einzelne Seiten anguckt. Hält sich das Drehbuch nicht an das Format, wird der Autor für unerfahren gehalten; das Drehbuch wird dann sehr schnell zur Seite gelegt.

Das Studioformat konkret

Im Internet gibt es verschiedene Tipps für das richtige Format, darunter das "offizielle" der Oscar-Verleiher (Nicholl Fellows-Drehbuchwettbewerb). Hier seien die Grundzüge dargestellt:

  • Allgemein: Zeichnsatz ist Courier. Schriftgrösse 12, keine Kursivschrift. Die Blätter sind jeweils einseitig bedruckt. Blätter sind links zusammengeheftet (jedenfalls so, dass man die Blätter wieder trennen kann - interessiert sich jemand für das Script, so muss er es auch fotokopieren können.)
  • Titelblatt: Zentriert der Filmtitel und der Name des Autors. Filmtitel gross geschrieben. Adresse des Autors unten rechts
  • Seitenzahlen: Oben rechts.
  • Zeilenabstände: Doppelt, wenn die sprechende Person oder die Szene wechselt. Sonst einfach.
  • Angabe des Orts und der Tageszeit: In Grossbuchstaben, linksbündig.
  • Beschreibung (der Handlung; evtl. auch der Anweisungen an den Kameramann): linksbündig. Kurze Handlungsanweisungen können auch in Klammern beim Dialog erscheinen. Tritt ein Charakter zum ersten Mal auf, wird sein Name gross geschrieben.
  • Dialog: Name des sprechenden Charakters in Grossbuchstaben, Dialog normal. Beides aber zentriert. Angaben zur Sprechweise und Emotionsausdrücken werden in Klammern zentriert geschrieben. Wird der Dialog auf der nächsten Seite fortgesetzt, erscheint hinter dem Charaktername ein "CONT'D" für "continued". Bei Voice-over (Stimme aus dem "Off"; d.h. der Sprecher ist nicht auf dem Bild sehbar) wird ein "V.O." hinter dem Charakternamen angegeben.
  • Schnitt: Wird angegeben durch die Angabe des neuen Orts.

Physisches Format

Amerikanische Drehbücher werden einseitig auf Briefpapier (8.5 x 11 inch) gedruckt, mit drei Löchern. Sie werden durch zwei - nicht drei - Messing-Agraffen zusammengehalten. In Grossbritannien und dem restlichen Europa sind zweifach gelochte A4-Blätter üblich. Eine Ausnahme sind europäische Autoren, die für amerikanische Studios schreiben. So wird verhindert, dass beim Fotokopieren in den USA die Seiten unvollständig wiedergegeben werden. In Europa ist es auch nicht selten, dass eine einzelne Bostitch-Klammer die Blätter zusammenhält - so kann man das Werk besser durchblättern.

Drehbücher haben ein Titel- und Rückblatt aus Halbkarton, welches das Logo der Autoren-Agentur zeigt. Exemplare, die noch nicht umgeschrieben sind und direkt vom ursprünglichen Autor stammen, sind in rotem oder blauem Deckblatt gehüllt.

Entstehung eines Drehbuchs

Sehr oft beginnt der eigentliche Entstehungsprozess mit einem Exposé, einer kurzen Schilderung der Idee. Diese umfasst etwa eine Seite. Diese Exposés können dann verschiedenen Produzenten gesandt werden, welche dann den Auftrag geben, daraus ein Treatment zu erstellen, welches auf rund 10 bis 30 Seiten die Handlung detailreich ausführt; es können schon mehr oder weniger ausgereifte Dialoge darin vorkommen.

Wurde dann ein Treatment für gut befunden, geht es um das Erstellen des Drehbuches, welches 90 bis 120 Seiten lang ist und den nackten Dialog und die bare Handlung enthält. An jeder Stelle des Produktionsprozesses kann ein Exposé, ein Treatment oder ein Drehbuch zwecks Überarbeitung zurückgewiesen werden. Kann der ursprüngliche Autor den Text nicht mehr verbessern, wird dieser einem Script-Doktor übergeben.

Manche Autoren verzichten auf die dreistufige Vorgehensweise Exposé - Treatment - Drehbuch und beginnen direkt mit dem Drehbuch. Wieder andere erarbeiten erst dann den nächsten Schritt, wenn sie von einem Produzenten damit beauftragt wurden. In amerikanischen Grossproduktionen werden bis zu 5% des Filmbudgets für das Drehbuch und die Verbesserung von Entwürfen ausgegeben. "Script doctors" verdienen bis zu 50.000 Dollar pro Woche.

Ist ein Drehbuch schliesslich vom Produzenten genehmigt worden, wird das Drehbuch vom Regisseur und von anderen Personen ergänzt - etwa mit Angaben über das genaue Szenenbild, und das Storyboard, also ein Buch mit Skizzen der einzelnen Szenenbilder, entsteht. Auch während den eigentlichen Dreharbeiten kann das Script umgearbeitet werden. Zu diesem Zweck findet ein "page lock" statt - das heisst, die Seitenzahlen der Arbeitsversionen bleiben gleich. Wird etwa der Dialog auf der Seite 15 des Drehbuches auf zwei Seiten verlängert, dann tragen beiden Ersatz-Seiten die Nummern "15.1" und "15.2". So wird die Kommunikation zwischen den verschiedenen Stellen (Produzent, Regisseur, Spezialeffekte...) erleichtert.

Wenn während der Filmproduktionen Seiten geändert werden, dann haben die Seiten mit dem neuen, geänderten Inhalt eine andere Farbe. Auf dem Filmset trifft man also wahre Regenbögen von Drehbüchern an.

Drehbuchschreiben: "Spec" oder Auftragsarbeit

Drehbücher werden prinzipiell auf zwei Arten geschrieben: Als "spec" oder "on assignement". Ersteres ist ein frei geschriebenes Drehbuch, das letztere eine Auftragsarbeit.

"On Assignement"

"On assignement" (deutsch: "Im Auftrag") heisst, dass ein Filmstudio oder ein Filmproduzent ein Drehbuch in Auftrag gibt. Diese Aufträge können auf Stories basieren, zu welchen der Produzent das geistige Eigentum erworben hat. Die meisten etablierten Drehbuchautoren schreiben "on assignement" und verfassen nur "spec"-Werke (siehe nächster Abschnitt), wenn sie annehmen, dass niemand nach diesem spezifischen Drehbuch verlangen würde.

Es gibt aber auch Ausnahmen: Einige sehr berühmte Autoren schreiben nur on spec weil sie wissen, dass sie auf diese Weise mehr Geld verdienen können. Andere Schriftsteller tun dies, weil sie sich aus persönlichem Interesse sich viel fundierter um eine Geschichte kümmern können, und zwar ohne dass Manager und Produzenten dreinreden.

Ein Arbeitsauftrag kann ein originales Drehbuch umfassen, oder ein Drehbuch, welches sich auf einem anderen Werk (z.B. ein Roman, ein anderer Film, eine Kurzgeschichte, ein Zeitungsartikel, ein Sachbuch, oder sogar Computerspiele) basiert. Eine Auftragsarbeit kann auch das "re-write", das Umarbeiten und Verbessern von existierenden Drehbüchern darstellen - dies ist auch die Art und Weise, wie ein grosser Teil der heutigen Autoren ihr Geld verdienen. Das re-writing von Drehbüchern ist eine Kunst für sich und dazu extrem einträglich: Es kommt vor, dass die besten dieser "Script doctors" - welche das Vertrauen der Produzenten besitzen - 200'000 Dollars pro Woche verdienen. 50'000 Dollars pro Woche sind nicht selten.

Das Re-writing ist schwierig weil die Produzenten oft eine sehr klare Vorstellung haben darüber, was mit einem Drehbuch nicht stimmt - aber sie sind in der Regel unfähig, zu sagen, wie es verbessert werden muss. Dies ist nicht weiter erstaunlich weil das Drehbuchschreiben nicht das Fachgebiet des Managers sind, sondern jene des Autors. Vom Schreiber wird also erwartet, dass er detaillierte Verbesserungsvorschläge innert kürzerere Zeit lieftert. Während dem re-write werden manchmal mehrere Autoren ausgewählt; und jeder muss seinen eigenen Vorschlag abliefern. So wird im Wettbewerb bestimmt, welcher die besseren Fähigkeiten besitzt.

"Spec scripts"

"Spec scripts" - zu deutsch "spekulative Drehbücher" - werden von freien Autoren verfasst mit der Hoffnung, dass ein Produzent darauf aufmerksam wird und die Rechte am Drehbuch abkauft.

Die Arbeit des "going out", des Bekanntmachens und Werbens, ist extrem nervenaufreibend für den Autor. Die Agentur des Autoren wählt aus seiner Kartei eine Anzahl von möglichen Käufern - vom kleinen Independent-Filmer bis zu den Managern von grossen Studios - und versucht dann, Interesse zu wecken. Das Skript wird zur gleichen Zeit an die verschiedenen Leuten versandt, so dass sie über das Wochenende gelesen werden. Diese Taktik soll den aus der Versteigerung bekannten "Bietkrieg" ankurbeln.

In wenigen Tagen wird so bekannt, ob ein Drehbuch überhaupt verkaufbar ist oder nicht. Wenn es echtes Interesse am Drehbuch gibt, verdient der Autor von wenigen Tausend bis zu einigen Millionen Dollars an seinem Werk. Wenn es die potentiellen Käufer nicht interessiert, ist liegt das Drehbuch oft wie tot im Wasser - weil es bereits in die Datenbanken der Studios und der Produzenten unter "gelesen, nicht interessant" vermerkt ist.

Es ist fast unmöglich, ein Filmstudio dazu zu bringen, ein bereits abgelehntes Drehbuch nochmals zu begutachten - auch wenn es massiv umgeschrieben worden ist. Ein populäres Bonmot unter den Filmemacher erzählt vom Manager, der den Titel der neuen Story ansieht, "Ich habs bereits gelesen" sagt und dann in den Papierkorb wirft. Eine Strategie der Autoren besteht nun darin, vor dem Wiederversenden des Drehbuchs dessen Titel, Seitenzahlen und die Namen der Charaktere zu ändern - so, dass es bei der Datenbank-Recherche nicht wiedererkannt wird.

Urheberrechtsschutz

Während einem Auftragswerk das Urheberrecht auf den Auftraggeber übergeht - durch den "Kauf" der Rechte am geistigen Eigentum - ist der Autor der Urheber eines "spec scripts" (siehe oben). Um in einem Streitfall die Rechtslage zweifelsfrei zu klären, bietet die Writer's Guild of America (WGA), die Drehbuchautoren-Gewerkschaft, eine Registration von Drehbüchern an. Die WGA lagert die Werke an einem sicheren Ort, und die mit dem Datum versehene Registrationsbestätigung sowie die dort lagernde Kopie des Drehbuchs können dann dem Gericht als Beweismittel vorgelegt werden, sollte der Vorwurf des Plagiarismus aufkommen. Alternativ bietet sich das U.S. Copyright Office, ein Zweig der US-Kongressbibliothek, an: Amerikanische Werke müssen auf jeden Fall beim U.S. Copyright Office registriert sein, bevor wegen Plagiats-Vorwürfen geklagt werden kann.

Sollte ein Filmemacher wesentliche Teile seines Drehbuchs "gestohlen" haben, gibt es auch in Europa einen Schutz. Zwingend nötig ist, dass man die Entstehungszeit des eigenen Werkes belegen kann. Dies kann man etwa, indem man sich das Drehbuch per eingeschriebenem Brief selber zuschickt; der Poststempel und der Inhalt des Umschlags sind dann der Beweis.

Siehe auch: Liste der Drehbuchautoren, Autorenfilm, Originaldrehbuch, Storyboard, Treatment, Verband Deutscher Drehbuchautoren

Siehe auch

Bücher

Syd Field: Das Handbuch zum Drehbuch - Übungen und Anleitungen zu einem guten Drehbuch ISBN 3861500353

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