Currency Board

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Ein Currency Board (seltener sieht man den deutschen Begriff Währungsamt) ist ein Wechselkursarrangement, bei dem ein Land einseitig den Wechselkurs der inländischen Währung im Verhältnis zu einer ausländischen Währung fixiert. Der Unterschied zu einem einfachen System mit fixen Wechselkursen besteht in der starken Institutionalisierung des Currency Boards. Dadurch soll Vertrauen auf den internationalen Finanz- und Devisenmärkten aufgebaut werden, um die Integration in die Märkte zu verbessern und günstigere Bedingungen für Verschuldung zu erhalten. Dies gelingt freilich nur, wenn das Currency Board international als glaubwürdig angesehen wird.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Ein Currency Board ist im wesentlichen durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  • Zwischen der Heimatwährung und einer ausländischen Währung, der sog. Ankerwährung, besteht ein fester Wechselkurs.
  • Jeder Marktteilnehmer hat das Recht, jederzeit zu dem festen Wechselkurs eine beliebig hohe Summe der Heimatwährung in die Ankerwährung zu wechseln.
  • Die Geldmenge der inländischen Währung muss zur Gänze durch die ausländische Währung gedeckt sein (dies wird in der Regel auch gesetzlich festgelegt). Da auch ausländische Wertpapiere an Wert verlieren können, liegt die Deckung in der Regel bei 105 bis 110 Prozent.
  • Die Regierung bekennt sich zu diesem System auf lange Sicht. Häufig wird deshalb dieses System gesetzlich vorgeschrieben, teils sogar in Gesetzen von Verfassungsrang. Als wichtige Voraussetzung, um die Glaubwürdigkeit des Currency Board zu gewährleisten, muss über die Grenzen von politischen Parteien hinaus ein Konsens über dessen Notwendigkeit bestehen. Ein Currency Board ist nicht mehr glaubwürdig, wenn es von Entscheidungsträgern in Frage gestellt wird.

Funktionsweise

Kernpunkt des Mechanismus, mit dem ein Currency Board stabilisierend auf die inländische Wirtschaft wirken kann, ist die selbst auferlegte Deckungspflicht der inländischen Geldmenge durch ausländisches Geld bzw. Wertpapiere sowie die automatische Steuerung der Geldmenge im Inland.

Die Zentralbank hat in diesem System keinen Einfluss auf die Geldmenge im Inland, denn diese kann nicht höher als die Vorräte an ausländischer Währung zur Deckung sein. Die Geldmenge ist somit gedeckelt. Die Funktion der Zentralbank beschränkt sich daher auf das Wechseln des Geldes und des Überwachens der Deckung.

Im Currency Board hat die Zentralbank ebenso keinen Einfluss auf die Menge der Reserven an ausländischer Währung. Diese können nur durch einen Überschuss in der Zahlungsbilanz erhöht werden. Andererseits ist ein Defizit in der Zahlungsbilanz mit einer Verringerung der Geldmenge im Inland verbunden.

Ist die Zahlungsbilanz negativ, so führt die Verringerung der Geldmenge zu einer Erhöhung der Zinssätze im Inland, was wiederum ein Sinken der Inlandsnachfrage mit sich bringt. Dies wiederum bedingt ein Sinken der Güterpreise, die somit im Ausland attraktiver werden und verstärkt exportiert werden. Die höheren Exporte bringen die Zahlungsbilanz wieder ins Gleichgewicht.

Analoges gilt für einen Zahlungsbilanzüberschuss.

In einem flexiblen Wechselkursarrangement wäre dem Wechselkurs die Aufgabe zugefallen, durch ein Fallen des Wertes der inländischen Währung die Exporte attraktiver zu machen. Da dies nicht möglich ist, müssen die Güterpreise dies tun.

Die Zentralbank des Ankerwährungslandes bestimmt somit sowohl die Geldmenge als auch indirekt die Reservemenge im Lande des Currency Board. Die Regierung und die Zentralbank im Currency-Board-Land haben keine Möglichkeit, die Wirtschaft mit Hilfe der Geldpolitik zu beeinflussen. Zum Beispiel ist es nicht möglich, mit Hilfe der Erhöhung des Kreditangebotes die Konjunktur zu verbessern.

Das Currency Board muss genau definiert und frei von politischem Einfluss sein. Anders als bei einer Währungsunion oder der Einführung der Fremdwährung als Zahlungsmittel im Inland (Dollarisierung bzw. Eurosierung) gibt es für die Zentralbank einen Seignioragegewinn.

Geschichte

Während des 20. Jahrhunderts gab es etwa sechzig Beispiele für die Einführung eines Currency Board. Dies betraf vor allem frühere Kolonien. Aber auch Russland band seine Währung zeitweise an das britische Pfund; die freie Stadt Danzig führte ein Currency Board ebenfalls mit Bindung an das Pfund ein.

Danach wurde lange Zeit die Meinung vertreten, dass ein Currency Board ein Rückschritt in die Zeiten von Kolonialreichen sei.

In letzter Zeit stieg jedoch das Interesse an diesem Wechselkurssystem, weil es sich vor allem in Krisen bewährt hat. So hat Hongkong, welches das einzige Land in Asien mit einem Currency Board ist, in der Asienkrise seine Währung nicht abwerten müssen. Dies wurde einerseits auf das relativ gesunde Bankensystem von Hongkong zurückgeführt, andererseits aber auch auf das bereits lang etablierte Currency Board. Ein anderes erfolgreiches Beispiel der Anwendung des Currency Board ist Estland. Diese kleine frühere Republik der Sowjetunion stabilisierte seine Wirtschaft, die durch den Zusammenbruch der Sowjetunion in große Schwierigkeiten gekommen war, mit Hilfe eines Currency Board und integrierte diese in das westliche Wirtschaftssystem.

Jedoch muss man die Einführung des Currency Board in Argentinien eher als gescheitert bezeichnen.

Sinnhaftigkeit des Currency Board

Es herrscht Uneinigkeit darüber, in welchen Fällen der Umstieg eines Landes auf ein Currency Board sinnvoll ist, bzw. wann die Einführung eines Currency Board sinnvoller ist als ein anderes Wechselkurssystem. Jedoch gerade für kleine Länder bietet sich ein Currency Board an, um aus dem internationalen Handel den maximalen Wohlfahrtsgewinn erzielen zu können. Dies liegt vor allem an der politischen Glaubwürdigkeit, die zu einer niedrigeren Einschätzung des Risikos durch die ausländischen Marktteilnehmer führt. Das Land kann sich in der Folge billiger im Ausland verschulden, weil es eine niedrigere Risikoprämie zahlen muss. Zudem verhindert die automatische Konvertibilität einen eventuellen Abfluss inländischen Geldes ans Ausland (Kapitalflucht), weil immer sichergestellt ist, dass jede Summe des inländischen Geldes in ausländische Währung gewechselt werden kann. Die Nachfrage nach inländischer Währung steigt somit.

Arten des Currency Board

Man unterscheidet zwischen einer reinen Regelung des Currency Board und einer modifizierten Regelung. Bei einem reinen Currency-Board-Arrangement hat die Zentralbank keine Möglichkeit, Banken in Schwierigkeiten zu helfen. Sie nimmt somit ihre Funktion als lender of last resort nicht wahr. Bei einer modifizierten Regelung wird die inländische Währung nicht nur zu 100 Prozent gedeckt, sondern es wird eine Überschussreserve angelegt, mit der die Zentralbank im Notfall intervenieren kann.

Vor- und Nachteile

Sofern ein Currency Board gut funktioniert und glaubwürdig ist, bietet es dem Land eine Reihe von Vorteilen:

  • Das Land wird in die Weltkapitalmärkte integriert. Der Handel zwischen dem Currency-Board-Land und dem Ankerwährungsland wird durch den Wegfall des Wechselkursrisikos vereinfacht.
  • Das Land kann sich durch die Anpassung des politischen und wirtschaftlichen Systems, zu welcher es durch die Einführung des Currency Board gezwungen wird, relativ schnell eine Reputation aufbauen. Dieses ermutigt Investitionen aus dem Ausland, vor allem aus dem Ankerwährungsland. Dieser Punkt ist speziell für Transformationsökonomien interessant.
  • Möglicherweise zeigt sich das Ankerwährungsland kooperativ, und nimmt bei seinen finanzpolitischen Entscheidungen auf die Interessen des Currency-Board-Landes Rücksicht.
  • Ist ein Currency Board eingeführt, dann bedarf es in der Regel einer Zweidrittelmehrheit im Parlament, um Änderungen an Gesetzen, die mit dem Currency Board in Verbindung stehen, durchzusetzen. Dies macht es schwieriger, aus tagespolitischen Gründen im Interesse des kurzfristigen Erfolges Einfluss auf die Währungspolitik zu nehmen. (Dieser Punkt ist in der Tat Vorteil und Vorbedingung zugleich.)
  • Das Currency Board erzwingt, den Kreislauf aus Lohn- und Preiserhöhungen zu durchbrechen. Dieser Kreislauf, der zu Inflation führt, ist in einem Currency Board System nicht möglich, weil die Geldmenge nicht beliebig erhöht werden kann. In einem System mit flexiblem Wechselkurs würde die Zentralbank auf einen solchen Kreislauf mit einer Abwertung reagieren. Ist ein Currency-Board-System eingeführt, müssen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer bewusst sein, dass Löhne und Preise wettbewerbsfähig sein müssen und sich dementsprechend einigen. Wie oben bereits erwähnt, bedingt die Stabilität des Wechselkurses, dass die Preise und Löhne des Inlandes flexibel sein müssen.

Die Nachteile bzw. Risiken eines Currency Board sind:

  • Im Inland kann keine Geldpolitik gemacht werden, die vom Land der Ankerwährung unabhängig ist. Die Regierung kann zum Beispiel die Zinssätze im Inland nicht festlegen, sondern es gelten die gleichen Zinssätze wie im Land der Ankerwährung, ggf. mit einem bestimmten Risikozuschlag.
  • Ist die Inflation im Currency-Board-Land höher als im Land der Ankerwährung, so kommt es zu einer realen Aufwertung der Währung im Inland. Dies bedeutet einen Wettbewerbsnachteil für das Land mit Currency Board. Aus diesem Grund muss die Bekämpfung der Inflation für die Regierung mit Currency Board einen sehr hohen Stellenwert haben.
  • In einem Currency-Board-System hat die Zentralbank bzw. Regierung keine Möglichkeit, im Falle einer Bankenpanik mit Hilfe von Krediten zu helfen.
  • Erfahrungsgemäß dauern die Anpassungsprozesse in Wirtschaft und Politik länger, wenn ein Currency Board eingeführt ist, als wenn zum Beispiel flexible Wechselkurssysteme angewendet werden.

Umsetzung

Vorausbedingungen

Um ein Currency Board erfolgreich einzuführen, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die Funktionen, die nicht direkt mit der Überwachung des Geldangebotes und der Deckung der inländischen Geldmenge zu tun haben, müssen von der Zentralbank an anderen Stellen delegiert werden.
  • Die Stellung der Zentralbank als Kreditgeber (lender of last resort) muss abgeschafft werden.
  • Die Bankenaufsicht muss solide sein, die Handelsbanken müssen selbst adäquate Reserven halten.
  • Die Reserven der Zentralbank müssen in die Ankerwährung umgewandelt werden.

Glaubwürdigkeit

Wie auch das System eines festen Wechselkurses verlangt die der Anwendung eines Currency Bord eine hohe Disziplin in dem Land, welches seinen Wechselkurs einseitig an den eines anderen Landes bindet. Die größte Bedrohung für ein Currency Board besteht darin, dass die Marktteilnehmer nicht erwarten, dass der feste Wechselkurs auf die Dauer bestehen bleibt. In diesem Fall muss die Regierung erwarten, dass es zu Spekulationen auf den Devisen- und Finanzmärkten kommt, welche den festen Wechselkurs unter Druck setzen. Daneben ist davon auszugehen, dass sich das Land nicht zu so günstigen Bedingungen Verschulden kann, wie mit einem festen Wechselkurs, von dem ein langer Bestand erwartet wird.

Politische Instabilität im Land, die zu einer Ablösung des Currency-Board-Systems führen könnten, sind ebenfalls für den festen Wechselkurs eine Bedrohung. In diesem Fall käme der Wechselkurs wie oben beschrieben unter Druck, und die Vorteile eines Currency Board würden nicht mehr gelten.

Wie gezeigt ist die Erneuerung und das Aufrechterhalten der Glaubwürdigkeit für das Currency Board von entscheidender Bedeutung. Um die Glaubwürdigkeit zu erreichen, kann die Regierung folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Bekenntnis zu einer Umstellung des Realwirtschaftlichen Systems, wenn notwendig (wie in den früheren Planwirtschaften Osteuropas).
  • Schaffung eines soliden Bankensystems, sowie einer funktionierenden Bankenaufsicht.
  • Besetzung des Currency Board mit glaubwürdigen Personen, zum Beispiel mit mehrheitlich Ausländern.
  • Eine gesetzliche Verankerung des Currency-Board-Systems, welche es schwierig macht, aufgrund von Tagespolitik etwas an der einmal gewählten Wechselkurspolitik zu ändern. So könnten zum Beispiel die Fremdwährungsreserven im Ausland angesiedelt sein.
  • Die Löhne und Preise für Güter müssen flexibel sein, so dass bei einer negativen Zahlungsbilanz die Löhne und Preise sinken können, um die ausgleichenden Importe von Kapital und Exporte von Gütern anzuregen.

Funktioniert das Currency Board, so sind die inländische Währung und die Ankerwährung perfekte Substitute. Die Kapitaleigner sind dann bezüglich einer Haltung von inländischem oder ausländischem Geld indifferent.

Currency Boards und der Euro


Bild:Euro cb.png

Einige Länder haben ihre Währung fest mit einem Currency Board an den Euro gebunden. Teilweise hatten die Länder schon vor der Euro Einführung ein Currency Board mit der D-Mark oder dem französischen Franc. Neben einem Currency Board hat die jugoslawische Teilregion Montenegro sein Land Euroisiert, das heißt der Euro ist dort alleinig gültiges Zahlungsmittel. Eine einseitige Einführung des Euro wird von der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Union nicht gewünscht, kann aber auch nicht direkt verhindert werden. Bulgarien und Estland haben angeblich, um ihre Aufnahme in die EU nicht zu gefährden, ihre Currency Borads nicht zugunsten einer Euroisierung abgelegt.

Währungen die an den Euro mit einem Currency Board geknüpft sind:


Neben den genannten Währungen sind noch weitere an den Euro mit einer festgelegten Schwankungsbreite geknüpft. Darunter auch die Währungen die sich in der „Eurowarteschleife“ WKM II befinden.

Viele Länder haben ihre Währung nicht im Ganzen, zumindest aber teilweise an den Euro mit einem Währungskorb gebunden. Laut Deutscher Bundesbank trifft dies weltweit für ca. 50 Länder zu. Zumeist ist der Euro in den Währungskörben aber nur zu einem sehr kleinen Teil enthalten, den größten Anteil hält der US-Dollar.



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