Coelestin V. (Papst)
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Coelestin V. (* 1209 in Isernia/ Molise, † 19. Mai 1296 in Castello di Fumone bei Rom, eigentlich Pietro Angeleri di Morrone, auch Pietro del Morrone (dt. Peter von Murrone) war Papst von Juli bis Dezember 1294.
Er wurde als zweitjüngstes von zwölf Kindern einer Bauernfamilie in den Abruzzen geboren. Im Alter von zwölf Jahren wurde er Benediktiner und hauste gleich nach seiner Priesterweihe jahrzehntelang als Einsiedler in Berghöhlen und Wäldern der Abruzzen nahe des Monte Morrone (Name). Er begründete den Coelestinerorden, war dann im Kloster Faifoli Abt und zeitweilig sogar Generalabt. Bereits zu dieser Zeit ging ihm der Ruf eines Heiligen voraus.
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Sedisvakanz
Auf den Tod von Papst Nikolaus IV. (4. April 1292) folgten lange Streitigkeiten zwischen den verfeindeten römischen Adelsfamilien der Colonna und Orsini. Da brachte König Karl II. den 85-Jährigen in die Auswahl, der nach seinem Wirkungsort genannt wurde und einen Ruf als frommer Einsiedler und Ordensgründer hatte.
Nach zweijähriger Sedisvakanz wurde schließlich am 5. Juli 1294 in der Hoffnung auf Frieden und dem Glauben an den Engelspapst - eine Bezeichnung, die auf die endzeitliche Vorstellung von Joachim von Fiore zurückgeht - in einer Inspirationswahl, der an diesen Auseinandersetzungen unbeteiligte Pietro del Murrone gewählt. Indes fehlten dem alten, kaum des Lateinischen mächtigen Benediktiner aus den Abruzzen alle Voraussetzungen für das Amt. Er hatte keinerlei Kenntnis des kanonischen Rechts oder der Theologie, keinerlei Erfahrung in Diplomatie und Verwaltung. Ändern wollte er sich auch nicht mehr, auch als Papst blieb er seinen bäuerlichen Lebensgewohnheiten und seinem eremitischen Ideal treu. Der florentinische Dichter Francesco da Barberino bemerkte entrüstet, wie Coelestin in L'Aquila durchs Zimmer lief und trockenes Brot kaute. So versuchte er bei der Benachrichtigung über seine Wahl zum Papst zuerst zu entfliehen, nahm die Wahl jedoch an, nachdem er überzeugt wurde, dass es eine Todsünde sei, die Wahl zum Papst abzulehnen. Er nahm den Namen Coelestin V. an. Nach seiner Ankunft in Neapel ließ er sich in seiner Residenz eine hölzerne Mönchszelle einrichten.
Amtsantritt
Der politisch unerfahrene neue Papst geriet jedoch bald in die Abhängigkeit seines Beraters und späteren Nachfolgers Benedetto Caetani, der als politischer Interessenvertreter des Hauses Anjou leichtes Spiel mit dem weltfremden Heiligen hatte. Kaum dass Coelestin gewählt war, setzte er dreizehn neue Kardinäle ein, von denen mindestens den dem Hause Anjou ergebene Franzosen (7) oder Italiener (mind. 2) waren.
Kaum inthronisiert, zeigte sich Coelestins Überforderung. Schnell verlor er die Kontrolle in seinem Amt. Wahllos beurkundete er Pfründe und Privilegien und gab auch, gutmütig und unkundig, widerrechtlichen Anliegen statt. Nach wenigen Wochen wurde er von allen Seiten kritisiert. Dabei litt er selbst unter der Verantwortung. Die Zustände entwickelten sich derart verwirrend, dass von einigen Kardinälen seine Abdankung schon erwogen wurde. Als sich Anfang Dezember 1294 entsprechende Gerüchte verbreiteten, versammelten sich die Anhänger des Engelspapstes zu einigen Solidaritätskundgebungen. Eine große Schar, darunter der Erzbischof von Neapel und der gesamte Klerus der Stadt, zogen vor die päpstliche Residenz Castelnuovo. Der Papst ließ freundlichst antworten, er beabsichtige im Amt zu bleiben, traf allerdings zugleich eine Einschränkung: "Falls nicht etwas eintrete, wodurch sein Gewissen bedrängt werde".
Das aber war längst der Fall. Der von Schuldgefühlen Geplagte hatte bereits bei den Kanonisten der Kurie nach den rechtlichen und theologischen Möglichkeiten der Abdankung nachgefragt. Die Kirchenjuristen erklärten den Schritt für zulässig, sogar einfach realisierbar: Da der Papst im Besitz der plenitudo potestatis, der Fülle der Gewalt, sei, müsse er nicht einmal eine Genehmigung einholen. Als Coelestin bei einem Konsistorium seine Abdankungspläne zur Sprache brachte, entbrannte eine lange Diskussion. Die Kardinäle verwiesen auf das Bild der unauflösbaren Ehe zwischen Papst und Kirche und rieten von einem Amtsverzicht ab. Sie waren der Meinung, eine solche nie dagewesene Handlung könne Nachteile für die Kirche bringen. Der Papst brauchte einige Tage Bedenkzeit. Dann traf er die definitive Entscheidung, die er schriftlich - und unter ausdrücklichem Hinweis auf die Freiwilligkeit seines Rücktritts - begründete. Er nannte als Gründe den Wunsch nach einem unbeschwerten Gewissen, den Mangel an Kenntnissen, die Bosheit des Volkes und seine eigene Schwäche.
Rücktritt
Danach dankte er unter dem Einfluss seines Beraters am 13. Dezember 1294 mit dem Wunsch, wieder Einsiedler zu sein, freiwillig ab. Vor den Kardinälen legte er die Insignien Ring, Tiara und Mantel ab. Danach zog er sich die graue Kutte seiner Kongregation über und setzte sich auf die unterste Stufe des Papstthrones. Zuletzt appelierte er an das Kollegium, möglichst schnell einen Nachfolger zu wählen.
Der Nachfolger Bonifatius VIII. fürchtete eine Instrumentalisierung seines Vorgängers durch die Gegner der Abdankung. Er ordnete Coelestins Verwahrung an. Pietro von Murrone, wie er jetzt wieder hieß, versuchte übers Meer nach Griechenland zu fliehen. Aber er kam nicht weit, denn widrige Winde trieben ihn bei Vieste an Land. Er wurde Bonifatius übergeben und von diesem im Sommer 1295 in das Kastell von Fumone verbracht. Im Turm wurde ihm eine besondere Mönchszelle eingerichtet. Dort lebte er noch einige Monate bis zu seinem Tod am 19. Mai 1296.
Es gibt viele Mutmaßungen darüber und es ist auch nicht sicher, ob Bonifaz der Mörder Coelestins war. In der Göttlichen Komödie könnte Dante Alighieri mit der Zeile "der aus Feigheit tat den großen Verzicht" Coelestin gemeint haben.
Am 5. Mai 1313 wurde Coelestin V. heilig gesprochen, sein Festtag ist der 19. Mai. Er ist der Schutzpatron der Buchbinder und der Stadt L'Aquila.
Weblinks
- Eintrag im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (inkl. Literaturangaben) (BBKL)
- http://www.heiligenlexikon.de/BiographienC/Coelestin_V.html
| Vorgänger Nikolaus IV. | Liste der Päpste Coelestin | Nachfolger Bonifatius VIII. |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Coelestin V. |
| ALTERNATIVNAMEN | Pietro del Murrone, Pietro Angeleri, Pietro von Murrone, Cölestin V. |
| KURZBESCHREIBUNG | Papst (1295-96) |
| GEBURTSDATUM | 1209 |
| GEBURTSORT | Isernia/ Abruzzen |
| STERBEDATUM | 19. Mai 1296 |
| STERBEORT | Castello di Fumone bei Rom |



