Biologische Waffe
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Biologische Waffen sind Massenvernichtungswaffen, bei denen Krankheitserreger gezielt als Waffe eingesetzt werden. Sie gehören zu den ABC-Waffen.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Antike und Mittelalter
Biologische Waffen sind keine moderne Erfindung. Schon in der Antike wurden Brunnen durch Tierkadaver verseucht. Im Mittelalter wurden vereinzelt Pestopfer mit Katapulten in die gegnerischen Reihen geschleudert, so z. B. 1346 von den Tataren bei der Belagerung der Stadt Kaffa auf der Krim. Später verschenkten die Briten in mindestens einem Fall Decken, die mit Pocken kontaminiert waren, an die amerikanischen Ureinwohner ("Indianer").
Zweiter Weltkrieg
Nach der Entdeckung von Bakterien und Viren als Ursache von Krankheiten, konnte im 20. Jahrhundert gezielter geforscht werden. Während des 2. Weltkriegs wurden in Großbritannien, auf direkte Weisung Winston Churchills, gezielt Versuche mit Krankheitserregern unternommen, um sie als Waffe weiterzuentwickeln. So wurde Gruinard, eine unbewohnte Insel im Nordwesten Schottlands, mit Milzbrandsporen verseucht und war fast 50 Jahre lang Sperrgebiet. Die Erreger waren als Reaktion auf die Gerüchte, dass sich biologische Waffen in japanischer/deutscher Entwicklung befänden, für Kampfzwecke getestet und über der ausschließlich von Tieren bewohnten Insel verstreut worden. Die gesamte Fauna wurde innerhalb eines Tages vollständig vernichtet. Gruinard gilt heute als "entseucht", da man gezielt Formaldehyd (hauptsächlich verdünnt) versprühte und so die Sporen unschädlich machen konnte.
Japan ging mit der biologischen Kriegsführung am weitesten. In China wurde die Einheit 731 gegründet, die sich Forschung und Einsätze von biologischen Waffen betrieb.
Es wurden nicht nur Versuche mit chinesischen Kriegsgefangenen durchgeführt, sondern 1942 auch mit Pest infizierte Flöhe über China abgeworfen.
Da dadurch aber auch eine Epidemie in den eigenen Reihen ausgelöst wurde, stellte Japan den weiteren Einsatz ein.
Andere Krankheiten, an denen zum Zwecke des Waffeneinsatzes geforscht wurde, sind Pocken, Cholera, Hasenpest, Q-Fieber, Botulinus und Typhus.
Kalter Krieg
Eine Meldung aus dem Jahr 1950, von der damaligen DDR lanciert, wonach die damals in der DDR grassierende Kartoffelkäferplage durch den massenhaften Abwurf von speziell gezüchteten "Colorado-Käfern" durch die Amerikaner ausgelöst worden sein sollte, erwies sich als Propaganda. Nachgewiesen ist demgegenüber durch eine 1999 von kanadischen Wissenschaftlern veröffentlichte Untersuchung, dass die USA bakteriologische Waffen (Milzbrand, Cholera und Pesterreger) im Koreakrieg einsetzten.
Heute sind Herstellung und Besitz von biologischen Waffen durch die Biological and Toxin Weapons Convention (BTWC) (beschlossen 1972, von 143 Staaten ratifiziert und in Kraft getreten 1975) weltweit verboten.
Die Forschung an Gegenmaßnahmen ist jedoch erlaubt und bietet ein Schlupfloch, da hierfür ebenfalls Krankheitserreger gezüchtet werden müssen.
Trotz dieses Übereinkommens arbeitete die Sowjetunion bis zum Zusammenbruch weiterhin an ihrem Programm und forschte neben einigen oben genannten Erregern auch an hämorrhagischen Viren wie Ebola und Marburg und einigen südamerikanischen Vertretern wie Machupo (Bolivianisches hämorrhagisches Fieber) und Junin (Argentinisches hämorrh. Fieber). Darüberhinaus sollen sie noch an einer Ebola-Pocken-Chimäre gearbeitet haben.
Situation heute
Die USA forschen zur Zeit auf dem Gebiet der "nicht-tödlichen" Waffen, unter anderem an Material-zerstörenden Mikroben, was gegen die Genfer Konventionen verstößt. [1]
Biologische Waffen gelten heute hauptsächlich als geeignete Massenvernichtungswaffen für Terroristen, da sie überall (aus der Natur) erhältlich sind und theoretisch einfach herzustellen sind, wenn man davon absieht, dass die Erreger zuerst noch für den Waffeneinsatz optimiert werden müssen. Für den militärischen Einsatz gelten Biowaffen heute als zu unberechenbar. Mit Hilfe der Gentechnik wurden schon Bakterien Antibiotika-resistent gemacht und parallel dazu gleich ein neues Antibiotikum oder eine neue Impfung entwickelt, um es theoretisch zu ermöglichen, diese Erreger im Krieg einzusetzen und die eigenen Truppen trotzdem zu schützen. Es könnte aber möglich sein, Krankheitserreger zu entwickeln, die nur für Menschen mit bestimmten Genen gefährlich wären, insbesondere Gene, die nur oder hauptsächlich in einer bestimmten Region vorkommen. [2] Dadurch könnten eigene Truppen vor der Krankheit geschützt sein, was biologische Waffen auch für die Militärs wieder interessant machen könnte. Diese spezielle Art von biologischen Waffen nennt man auch ethnische Waffen.
Literatur
- Koblentz: Gregory Pathogens as Weapons. The International Security Implications of Biological Warfare. in: International Security, Vol. 28, No. 3 (Winter 2003/2004), pp. 84-122
- Hoyt, Kendall & Brooks, Stephen G.: A Double-Edged Sword: Globalization and Biosecurity. in: International Security, Vol. 28, No. 3 (Winter 2003/2004), pp. 123-148
- Kathryn Nixdorff, Dagmar Schilling, Mark Hotz: Wie Fortschritte in der Biotechnologie missbraucht werden können: Biowaffen. Biologie in unserer Zeit 32(1), S. 58 - 63 (2002)
Weblinks
- http://www.sunshine-project.de
- http://www.sunshine-project.org (englisch)
- Centers for Disease Control and Prevention: Bioterrorism Agents/Diseases
- Convention on the Prohibition of the Development, Production and Stockpiling of Bacteriological (Biological) and Toxin Weapons and on their Destruction
Siehe auch
Waffen, ABC-Waffen, Massenvernichtungswaffen



