Berliner Blau

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Berliner Blau ist ein lichtechtes, tiefblaues, mineralisches Pigment und gilt als der erste moderne synthetische Farbstoff.

Inhaltsverzeichnis

Weitere Bezeichnungen

Antwerpener Blau, Chinesisch Blau, Pariser Blau, Preußisch Blau und Zwickauer Blau

Bronzeblau, Chinablau, Diesbachblau, Eisenblau, Eisencyanblau, Ferrozyanblau, Luisenblau, Miloriblau, Modeblau, Preußischblau, Sächsischblau, Stahlblau, Turnbullsblau und Wasserblau

Eisencyanürcyanid

Bleu de prusse, Prussianblue, Toningblue

Chemischer Name und Formel

Eisenhexacyanoferrat (CAS-Nummer: 25869-00-5)

Fe4[Fe(CN)6]3 x H2O oder KFe[Fe(CN)6]3 x H2O

Herstellung

Früher

  • Methode nach Diesbach:
    Cochenille-Läuse werden in Alaun und Eisensulfat gekocht. Anschließend wird der Farbstoff mit "Dippels Tieröl" ausgefällt.
  • Englisches Rezept:
    Gleiche Teile von Kaliumnitrat (Salpeter) und Kaliumtartrat (Backtriebmittel) werden in einem Schmelztiegel erhitzt. Nach Zugabe von getrocknetem Tierblut wird die Mischung weiter erhitzt. Die entstandene Masse wir mit Wasser gewaschen und mit Alaun und Eisensulfat vermischt. Eine Endbehandlung mit Salzsäure verändert die zunächst grünliche Farbe in tiefes Blau.

Heute

  • Indirekt:
    a) 2 FeSO4 (Eisensulfat) und K4Fe(CN)6 (Kaliumhexacyanoferrat(II)) reagiert zu Fe2Fe(CN)6 ("Berliner Weiß") + 2 K2SO4
    b) "Berliner Weiß" wird mit Cl2 (Chlor) oder H3CrO3 (Chromsäure) zu "Berliner Blau" oxidiert.


In der Chemie ist der Nachweis von Eisen (oder umgekehrt von Cyaniden) durch "Berliner Blau" eine sehr bekannte Nachweismöglichkeit, die beide Ionen schon in geringsten Mengen anzeigt. Gegenüber schwachen Säuren ist es stabil, so dass eine Freisetzung von CN-Ionen (und der darauffolgenden Gefahr durch Bildung von freier Blausäure) sehr gering ist.
Da es sich jedoch durch Laugen zu braunem Eisenhydroxid verändert, kann es zum Beispiel in der Malerei nicht für Fresken verwendet werden.

Geschichte

Die Herstellung wurde um 1704 von dem Berliner Chemiker und Farbenhersteller Diesbach im Labor zufällig entdeckt. Er war mit der Produktion roten Farbstoffs beschäftigt, als ihm die Pottasche zur Ausfällung des Farbstoffs ausging. Von seinem Kollegen Johann Konrad Dippel ließ er sich deshalb einen Ersatzstoff geben ("Dippels Tieröl"), der jedoch entgegen seinen Erwartungen einen blauen Farbstoff ausfällte.

Nachdem Diesbach seinem Kollegen von der Reaktion berichtete, verbesserte dieser das Rezept. Gemeinsam vertrieben sie den neuen Farbstoff in einer in Paris eröffneten Fabrik unter dem Namen "Pariser Blau".

Das Rezept konnte einige Zeit geheim gehalten werden, bis es schließlich der Engländer Woodward 1724 in den "Philosophical Transactions" veröffentlichte.

Den Namen "Preußisch Blau" (bzw. "Preußischblau") erhielt der Farbstoff 18. Jahrhundert, weil er vor allem zum Färben der preußischen Uniformröcke benutzt wurde.

Noch heute wird die Farbe wegen ihres feinen Korns und hohen Färbevermögens für Aquarell- und Druckfarben verwendet.

Medizinische Anwendung

"Berliner Blau" wird bei einigen Vergiftungen als Gegenmittel zur Bindung des Giftes, welches dann zusammen mit dem Farbstoff ausgeschieden wird, verwendet.

Literatur

Hans-Peter Schramm / Bernd Hering: Historische Malmaterialien und ihre Identifizierung, Reprint der Ausgabe Stuttgart 1995. Ravensburg 2000, ISBN 3-473-48067-3

Siehe auch

Liste blauer Farbmittel

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