Arrangierte Heirat

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Von einer arrangierten Heirat spricht man, wenn die Verwandtschaft und/oder die Bekanntschaft der potenziellen Brautleute anstatt ihrer auf Brautschau gehen.

Inhaltsverzeichnis

Nähere Bestimmung

Dies muss nicht bedeuteten, dass Braut und Bräutigam nicht in den Prozess der Heiratsvermittlung einbezogen werden. Wenn die Brautleute nichts dagegen einzuwenden haben, kann man von einer arrangierten Ehe reden, andernfalls handelt es sich um eine Zwangsverheiratung, welche gegen den Willen einer der betroffenen Person durchgeführt wird. Ab wann man von einer Zwangsverheiratung sprechen kann ist dabei in Einzelfällen strittig, zumal es oft so ist, dass die betreffende Person sich ihre Braut bzw. ihren Bräutigam zwar unter einer gewissen Anzahl von passenden "Kandidaten" selbst auswählen kann, es jedoch als obligatorisch gilt, dass sie irgendwann wählt.

Voraussetzung ist, dass Ehelosigkeit - vor allem für Mädchen - kaum oder gar nicht akzeptiert wird. So kommt es oft dazu, dass Braut oder Bräutigam einem gewissen psychischen Druck ausgesetzt sind, oder, in seltenen Fällen, auch gezwungen werden, sich (endlich) zu entscheiden, damit die Hochzeit stattfinden kann.

Die arrangierte Ehe kommt in den meisten Kulturen vor, ist in der "westlichen Welt" heute aber, im Gegensatz zu früher, sehr selten - vgl. Schadchen. In vielen südasiatischen Ländern ist sie heute noch die häufigste Heiratsform, insbesondere in Indien, Bangladesch, Pakistan und Sri Lanka. Global gesehen geht die Zahl der Eheschließungen, die arrangiert wurden, seit Jahren kontinuierlich zurück.

Die arrangierte Ehe ist kein religiöses Phänomen, es gab und gibt sie unter den Anhängern aller großen Weltreligionen.

Arrangierte Heirat im aktuellen Kontext

Indien

In Indien spielt die arrangierte Ehe auch heute noch eine sehr große Rolle, wenngleich sog. "love-marriages" (Liebesheiraten) insbesondere in der indischen Mittelschicht, die sich stark an westlichen Sitten orientiert, immer üblicher werden. Üblicherweise folgen arrangierte Heiraten traditionellen Kasten-Gepflogenheiten, wohingegen "love-marriages" über Kastengrenzen hinweg gehen können. In der städtischen Mittelschicht ist es heute üblich, dass sich die potientellen Brautleute im familären Rahmen kurz treffen und so einen ersten Eindruck gewinnen können. Da die Treffen sehr kurz sind kann hier keinesfalls von "sich-kennenlernen" gesprochen werden. Ist der erste Eindruck jedoch negativ, haben die potenziellen Kandidaten ein "Vetorecht" und die Eltern müssen sich erneut auf die Suche begeben. In ländlichen Gegenden ist ein Treffen hingegen unüblich, hier beschränkt sich das Kennenlernen gewöhnlich auf das Austauschen von Photos und evtl. kurzen Briefen, über die Braut und Bräutigam etwas persönliches über den Anderen erfahren (Interessen, Hobbys usw.).

In der Tradition der indischen Hochzeit spielt außerdem die Mitgift eine zentrale Rolle. Üblich ist, dass der Vater der Braut die Familie des Bräutigams bezahlt (Geld, Schmuck u.ä.); Vor allem wenn der Bräutigam aus einer sozial höher gestellten Schicht kommt, kann es sich hierbei um enorme Summen handeln (in Ausnahmefällen ein vielfaches des Jahreseinkommens der Brautfamilie). Da die Familie der Braut ebenfalls die Hochzeitsfeier bezahlt (und organisiert), kommt es auch immer wieder vor, dass sich der Brautvater bei einer Hochzeit finanziell ruiniert, denn die Hochzeit (der Kinder) ist für viele Inder das wichtigste Ereignis in ihrem Leben.

Da es immer wieder zu sog. "Mitgiftmorden" kam (wenn die Brautfamilie den ausgehandelten Preis nicht vollständig bezahlen konnte), hat die indische Regierung das Zahlen von Mitgiften 1961 verboten (Dowry Prohibition Act 1961). Besonders in der ländlichen Bevölkerung und den weniger gebildeten Schichten ist die Zahlung einer Mitgift (manchmal verbunden mit der unverhohlenen Forderung derselben) jedoch heute noch eher die Regel als die Ausnahme.

Künstlerische Behandlung

Eine bekannte künstlerische Bearbeitung des Themas ist in Mitteleuropa die Oper "Die verkaufte Braut" von Bedřich Smetana.



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