Arnold Ruge
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Arnold Ruge (* 13. September 1802 in Bergen auf Rügen; † 31. Dezember 1880 in Brighton) war ein deutscher Schriftsteller.
Er studierte in Halle, Jena und Heidelberg 1821-24 hauptsächlich Philosophie und nahm lebhaften Anteil an der Burschenschaft (Mitgliedschaft im Jünglingsbund), wofür er eine einjährige Haft in Köpenick und eine fünfjährige auf der Festung Kolberg (gemeinsam mit Heinrich Schliemann) zu bestehen hatte. Während dieser Zeit studierte er eifrig die alten Klassiker, übersetzte Theokrit, Aischylos und Sophokles metrisch und machte ästhetische Studien nach Jean Paul und den englischen Humoristen. Nach seiner Freilassung 1830 erhielt er eine Lehrerstelle am Pädagogium zu Halle, und zwei Jahre später habilitierte er sich als Privatdozent an der dortigen Universität.
Nachdem er sich durch die "Platonische Ästhetik" (Halle, 1832) literarisch bekannt gemacht hatte, begründete er 1837 mit Theodor Echtermeyer die "Halleschen Jahrbücher für Kunst und Wissenschaft", die bald das damals bedeutendste kritische Organ des Junghegelianismus wurden. Als dieselben wegen ihrer politisch-liberalen Richtung unter preußische Zensur gestellt werden sollten, verließ Ruge Halle und siedelte 1841 mit seiner Zeitschrift, die er nun "Deutsche Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst" nannte, nach Dresden über. Das Ministerium Falkenstein entzog jedoch der Zeitschrift alsbald die Konzession, und Ruge lebte hierauf mehrere Jahre in Paris und in der Schweiz. In Paris veröffentlicht er gemeinsam mit Karl Marx die "Deutsch-Französischen Jahrbücher".
Er gründete in Leipzig unter der Firma "Verlagsbüreau" ein buchhändlerisches Geschäft, aus dem unter seiner Redaktion unter anderem "Politische Bilder aus der Zeit" (Leipzig 1848, 2 Tle.), "Poetische Bilder aus der Zeit" (das. 1848, 2 Bde.) und "Die Akademie, ein philosophisches Taschenbuch" (das. 1847-48) mit Beiträgen von Seeger, Gerstäcker, Freytag, Hebbel, Fröbel, Hartmann u. a. hervorgingen. Auch verfasste er eine Ausgabe seiner "Gesammelten Schriften" (Mannh. 1846-48, 10 Bde.).
Im Juli 1848 trat er in der Polendebatte für die Unabhängigkeit Polens ein.
Nach Ausbruch der Märzrevolution von 1848 gab Ruge zuerst in Leipzig, dann in Berlin die demokratische Zeitung "Die Reform" heraus und wurde von Breslau in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, wo er seinen Platz auf der äußersten Linken nahm, sich aber bald als unpraktischen Doktrinär bekundete. Verstimmt begab er sich auf Reisen und wurde infolgedessen von der Nationalversammlung als ausgeschieden erklärt. Um dieselbe Zeit, im Oktober 1848, wohnte er dem Demokratenkongress in Berlin bei, um seine "Reform" zum Organ der Demokratie erheben zu lassen. Der eintretende Belagerungszustand hatte aber das Verbot dieser Zeitung zur unmittelbaren Folge, und Ruge musste am 21. Januar 1849 die Stadt verlassen.
Er kehrte nach Leipzig zurück, beteiligte sich dann an den Maiereignissen und musste 1850 nach England flüchten, wo er mit Mazzini, Ledru-Rollin u. a. zu einem europäisch-propagandistischen Komitee zusammentrat. Später nahm er seinen Wohnsitz in Brighton, von wo aus er sich 1866 schon vor dem Krieg in Briefen an deutsche Zeitungen für die auswärtige Politik Bismarcks erklärte. 1877 wurde ihm in Anerkennung seines literarischen Wirkens für die deutsche Einheit ein Ehrengehalt von 3000 Goldmark jährlich aus Reichsmitteln bewilligt.
Werke
- "Schill und die Seinen", Trauerspiel (Strals. 1830)
- "Der Novellist" (das. 1839)
- "Zwei Jahre in Paris" (Leipz. 1846, 2 Bde.)
- "Novellen aus Frankreich und der Schweiz" (das. 1848)
- "Unser System" (das. 1850)
- "Revolutionsnovellen" (das. 1850)
- "Die Loge des Humanismus" (das. 1851)
- "Die neue Welt", Trauerspiel (das. 1856)
- "Aus früherer Zeit" (Berl. 1863-67, 4 Bde.), eine Autobiographie mit zum Teil vortrefflichen Episoden
- "Zwei Doppelromane in dramatischer Form" (das. 1865)
- "Manifest an die deutsche Nation" (2. Aufl., Hamb. 1866)
- "Aufruf zur Einheit" (Berl. 1866)
- "Der Krieg" (das. 1867)
- "Bianca della Rocca", historische Erzählung aus dem heutigen Rom (unter dem Namen R. Durangelo, das. 1869)
- "Acht Reden über Religion" (das. 1869; neue Ausg., das. 1875) und "Geschichte unsrer Zeit seit den Freiheitskriegen" (Leipz. 1881)
Auch hat sich Ruge durch Übersetzung der "Juniusbriefe" (3. Aufl., Leipz. 1867), von Garridos "Das heutige Spanien" (neue Ausg., das. 1867), Buckles "Geschichte der Zivilisation" (5. Aufl., das. 1874), H. Bulwers "Lord Palmerston" (Berl. 1871) u. a. verdient gemacht. Seinen "Briefwechsel und Tagebuchblätter aus den Jahren 1825-1880" gab Nerrlich heraus (Berl. 1885-86, 2 Bde.).
Weblinks
- Literatur von und über Arnold Ruge im Katalog der DDB
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ruge, Arnold |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 13. September 1802 |
| GEBURTSORT | Bergen auf Rügen |
| STERBEDATUM | 31. Dezember 1880 |
| STERBEORT | Brighton |
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