Armbrust
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Eine Armbrust ist eine Bogen-ähnliche Waffe, die Pfeile oder Bolzen aus Metall verschießt.
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Etymologie
Das Wort Armbrust leitet sich vom lateinischen arcoballista (Lateinisch: arcubalista = Bogenschleuder) ab. Das darauf basierende, französische Wort arbaleste wurde später eingedeutscht, wobei eine Kombination der ähnlich klingenden Worte "Arm" (von der Möglichkeit, die Waffe in einer Hand zu halten) und dem mittelhochdeutschen berust/berost (Ausrüstung bzw. Bewaffnung) benutzt wurde.
Technologie
Die Armbrust durchlief drei wesentliche Entwicklungsstufen:
1. Die Armbrust mit hölzernem Bogen (bevorzugt Eibenholz, wegen dessen Härte) stellt die Urform dar. Sie wurde meist beidhändig durch Aufrichten des Schützen aus gebückter in aufrechte Haltung gespannt, wobei das "Mündungsende" der Waffe mit dem Fuß / den Füßen des Armbrustschützen in einer Art von Steigbügel am Boden gehalten wurde. Spannhilfsmittel brauchten wegen der begrenzten Zugkraft nicht eingesetzt werden.
Stärkere Bögen wurden mit dem Spanngürtelhaken gespannt; einem eisernen Haken, der vorn an einem Leibgurt hängt. Zum Spannen des Bogens kniet sich der Schütze hin, um die Armbrustsehne in den Spannhaken zu legen, setzt dann seinen Fuß in den Steigbügel und spannt die Armbrust beim Aufstehen oder er hakt er den Spanngürtel im Stehen ein, setzt einen Fuß in den Bügel und tritt die Armbrust zum Boden herunter.
2. Die leistungsfähigere Form der Armbrust war mit einem Komposit- / Reflexbogen ausgestattet. Der Bogen war bei dieser Variante aus Schichten von Horn und Tiersehnen verleimt und bog sich ohne Sehne nach vorn. Diese Art von Bogen kam in Europa wahrscheinlich zu Ende des 12. Jahrhunderts durch Übernahme der Komposit-Technik aus Byzanz oder Arabien in Gebrauch. Diese Art von Armbrust bedurfte wegen ihrer hohen Zugkraft meist einer Spannhilfe in Form von Flaschenzügen, Hebelkonstruktionen, Winden oder Schrauben. Der Kompositbogen war sehr empfindlich gegen Feuchtigkeit.
3. Die historisch leistungsfähigste Form der Armbrust mit stählernem Bogen kam im 14. Jahrhundert auf. Sie war im Gegensatz zur Reflexbogenkonstruktion nicht mehr witterungsanfällig; zum Spannen mussten ebenfalls die o. a. Hilfen angewendet werden.
Neben den tragbaren Armbrüsten für die Feldschlacht gab es auch noch größere stationäre Geräte mit höherer Leistung, die auf Schiffen und zur Verteidigung von Burgen und Städten eingesetzt wurden, die so genannte Turmarmbrust oder Flaschenzugarmbrust, ähnlich der römischen Balliste. Sie war zum Horizontalschuß bestimmt und hatte die typische Armbrustform. Man baute die Turmarmbrust bis zu 10 m Länge. Eine systematische Verwandtschaft zu historischen Katapulten, sowie neuzeitlichen Harpunensystemen und Geschützen (Lafette, Panzer) ist gegeben.
Moderne Wettkampfwaffen besitzen eine Sehne aus Karbonsträngen, die mittels eines Spannhebels gespannt wird. Zusätzlich sind die Armbrüste mit einer beleuchteten Libelle zur Lagekontrolle ausgestattet. Geschossen wird immer noch mit einem Bolzen.
Geschichte
Bild:Pogner-1568.png Die ersten Armbrüste finden sich bei Tonfiguren von Qin Shi Huang Di († 210 v. Chr.), dem ersten Kaiser von China. Die Armbrust in Europa stammt allerdings aus einer getrennten Entwicklung, die aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. aus Griechenland stammt. In Xanten am Niederrhein haben Archäologen in einer Kiesgrube metallene Reste einer römischen Armbrust aus der Zeit um Christi Geburt gefunden. Reste ähnlicher Waffen wurden bereits in Spanien und im Irak gefunden. Ein militärischer Einsatz der Armbrust durch Legionäre ist daher wahrscheinlich. Die Römer nannten diese Waffen Ballistae.
Spätestens den Normannen in Frankreich ist es gelungen, die Armbrust zu einer kriegstauglichen Waffe in Europa weiter zu entwickeln; in der Schlacht von Hastings (1066) setzten die Normannen gegen die Angelsachsen Armbrüste ein. Der Teppich von Bayeux, der diese Schlacht und ihre Vorgeschichte darstellt, zeigt allerdings keine Armbrüste, deren Existenz wurde erst durch Ausgrabungen von Armbrustbolzen auf dem Schlachtfeld bekannt.
In Europa ist die Verwendung von Bögen und Armbrüsten in Kämpfen zwischen Christen durch das Zweite Lateranische Konzil 1139 verboten worden, da sie wegen ihrer Reichweite und ihrer Durchschlagskraft gegen Rüstungen als unritterlich galten. Der Einsatz gegen Heiden, insbesondere gegen arabisch/islamische Gegner, blieb dagegen unberührt. Diese moralische Ächtung war jedoch schlussendlich in der Kriegspraxis nicht durchsetzbar.
Die Kadenz war im Vergleich zu den im 13. / 14. Jahrhundert erfolgreicheren Langbögen aus England wesentlich langsamer (1-2 pro Minute), dafür war die Ausbildung an der Armbrust einfacher, so dass sie zur Hauptwaffe der Städter wurde. Aus dieser Tradition entstanden die Schützengilden.
Im späten 15. Jahrhundert wurde mit der Arkebuse (Hakenbüchse) eine tragbare Feuerwaffe konzipiert, die sowohl den Bogen als auch die Armbrust bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts in großen Teilen Europas verdrängt hatte.
In China gab es als Variante eine Repetierarmbrust. Über der Schußschiene war eine Führung mit Magazinkasten angebracht. Betätigt wurde die Armbrust mit einem Schwinghebel. Hebel vor: Sehne Hängt sich in der Führung ein. Hebel zurück: Sehne wird gespannt und beim Erreichen des Endpunktes freigegeben, wobei sie einen Bolzen aus dem Magazin mitnimmt. Durch diesen Mechanismus wird zwar für Armbrüste eine hohe Kadenz erreicht, aber Reichweite, Zielgenauigkeit und Durchschlagskraft sind bescheiden. Deshalb wurde dieser Waffentyp vor allem zur Abwehr von Massenangriffen eingesetzt, dabei kamen teilweise vergiftete Bolzen zum Einsatz. Es ist belegt, dass derartige Waffen noch beim Boxeraufstand 1905 verwendet wurden.
Mehrere Versionen historischer Armbrüste finden sich zum Beispiel im bayrischen Armeemuseum, Abteilung für Mittelalter in Ingolstadt.
Moderne Feld- und Jagdarmbrüste (Ende 20. Jahrhundert) verwenden Bögen aus Glas- und Kohlefaser; zum Teil als Compound-Bögen. Bei dieser, einem Flaschenzug ähnlichen Konstruktion wird die Bewegung der Wurfarme durch Übersetzung reduziert und die Zugkraft durch die Verwendung von zwei Exzenterrollen gleichmäßiger über die Auszugsstrecke verteilt. Dies erlaubt höhere Präzision und Pfeilgeschwindigkeit ohne die maximale Auszugskraft zu erhöhen.
Die Armbrust beim Sportschießen
Bild:Armbrust-Schiessen.jpg Die Armbrust wird heute auch als Sportgerät bei Wettkämpfen nach der Sportordnung des Deutschen Schützenbundes und der Internationalen Armbrustschützen Union verwendet. Sie wird auf Scheiben entweder auf 10 oder 30m in Schützenhäusern oder als "Feldarmbrust" auf 35, 50 und 65 Meter geschossen. Bild:Armbrust-Scheibenhalter.jpg Bei der Disziplin "Armbrust 10 Meter" wird auf normale Luftgewehrscheiben geschossen, die auf einem Halter mit einem Bleikern befestigt werden. Der Bleikern liegt genau hinter dem 10er-Ringspiegel der Schießscheibe und nimmt nach dem Schuss den Bolzen auf. Der Kern ist auswechselbar und kann aus verbrauchter Luftgewehrmunition selbst hergestellt werden.
Bei der Disziplin "Feldarmbrust" wird auf Scheiben wie beim Bogenschießen geschossen.
Eine weitere Art des Armbrustsportes wird in der Aachener Region ausgeübt. Hier wird mit der historischen Hocharmbrust geschossen. Die Ziele befinden sich dabei auf einer ca. 30 m hohen Stange. Die Bögen können nur in speziellen Gestellen gespannt werden.
Rechtliches (Deutschland)
Im waffenrechtlichen Sinne ist die Armbrust Schusswaffen gleich gestellt (WaffG Anlage 1 1.2.2). Erwerb, Besitz, Führen, Handel und Herstellung ist erlaubnisfrei (WaffG Anlage 2).
Nach neuem deutschen Waffenrecht von 2004, zählt die Armbrust gemäß § 27 Abs 3, Nr. 2 des WaffG (Waffengesetz) zu den sonstigen Schusswaffen, die feste Körper (hier: Pfeil oder Bolzen) verschießen. In Schützenvereinen darf sie bei der Sportausübung weiterhin auch von Minderjährigen ab dem 14. Lebensjahr unter Aufsicht geschossen werden.
Zeitgenössischer Einsatz
Die Armbrust findet auch in heutiger Zeit noch diverse Anwendungsfälle. So zum Beispiel in der Regenwaldforschung als Hilfsmittel zum Installieren von Kletterseilen über das Verschiessen von dünnen Vorlaufschnüren. Dabei wird eine Fadenspule, ähnlich wie bei einer Angelrute unterhalb des Bogens befestigt und das Schnurende am stumpfen Ende des Pfeils fixiert.
Eine ähnliche Vorgehensweise findet man auch heute noch bei der Erst- oder Wiedererrichtung von Hängebrücken, sowie teilweise auch bei der Errichtung von Antennensystemen (z.B. für den Amateurfunk) unter Zuhilfenahme von natürlichen Gegebenheiten wie etwa Bäumen.
Die Armbrust findet sich gelegentlich auch dargestellt in Martial-Arts Filmen (z.B. Rambo) und findet sich dort meist in der Hand von herausragend ausgebildeten Einzelkämpfern und Mitgliedern von Spezialeinheiten.
In den USA ist es legal Armbrüste (wie auch Bogen) bei der Jagd zu verwenden. Armbrusthersteller (z.B. Barnett) bieten hierfür spezielle Armbrüste und Pfeile an. Zum Fischen gibt es spezielle Harpunenpfeile. In Deutschland ist die Jagd und das Fischen mit Armbrust oder Bogen verboten.
Es gibt Spezialeinheiten (z.B. in den USA) die moderne Hochleistungsarmbrüste verwenden. Bei einem Vergleichsschiessen mit einer 38er-Pistole wurde eine vergleichbare Durchschlagsleistung bei höherer Lethalität festgestellt.
Siehe auch: Sportschießen, Balliste
Links
Armbrust ist zugleich auch Name eines Panzerfaustmodells, welches mit deutscher Lizenz in Singapur angefertigt wird.
| Bild:Commons-logo.svg | WikiCommons: Armbrust – Bilder, Videos oder Audiodateien |



