Arianischer Streit

aus Freepedia, der freien Wissensdatenbank

Der Arianische Streit, die leidenschaftlich geführten Auseinandersetzungen zwischen Trinitariern und Arianern, dominierte die Kirchengeschichte im 4. Jahrhundert. Diese Spaltung entstand nur wenige Jahre nach Kaiser Konstantins Toleranzedikt von Mailand von 313, das den Christen erstmals freie Religionsausübung zusicherte.

Es handelte sich dabei nicht um einen Streit unter Theologen, die allgemeine Bevölkerung war dabei ebenfalls sehr engagiert.

Der Streit spielte sich nicht nur auf theologischer, sondern vielfach auch oder sogar wesentlich auf politischer Ebene ab. Im Wesentlichen sind drei Phasen zu unterscheiden:

Inhaltsverzeichnis

Personenüberblick:

Da die beteiligten Herrscher und Bischöfe oft ähnliche oder gleiche Namen aber unterschiedliche Ansichten haben, hier eine Orientierungstabelle.

Kaiser (inkl. Regierungszeit)

Arianisch Schwankend/neutral Trinitarisch
Konstantia, Schwester von Konstantin, Frau von Licinius Konstantin der Große (306 - 337)  
Konstantius II., Sohn von Konstantin I., (337 - 361)   Konstantin II., (337 - 340)

Konstans, (337 - 350)

  Julian Apostata, (361 - 363) Jovian (363)
Valens (364 - 378)   Valentinian I. (364 - 375)
Valentinian II. (375 - 392)

vertreten durch Mutter Justina

Gratian (367 - 383)  
    Theodosius I. (379 - 395)

Bischöfe und Priester (mit Amtszeiten)

Arianisch Schwankend/neutral Trinitarisch
Arius, Priester († 336)   Alexander von Alexandria, Alexandria († 327)

Silvester I., Rom (314-335)
Alexander von Konstantinopel, Konstantinopel († 337)p

Eusebius von Nikomedia, Konstantinopel († 341)

Gregor von Kappadozien, Alexandria († 345)

Eusebius von Caesarea, Palästina († 337-40) Athanasius von Alexandria, Alexandria (327-373)

Hilarius von Poitiers (350-367)

Wulfila (340-383)

Macedonius, Konstantinopel (342-346)

  Julius I., Rom
Georg von Kappadozien, Alexandria (356-361)

Felix II., Rom

Liberius, Rom (352-366)  
Eudoxius von Antiochia, Konstantinopel (360-370)

Demophilus, Konstantinopel (370-379)

Damasus I., Rom (366-384) Basilius von Caesarea, Caesarea (370-378)
Maxentius, Konstantinopel (380)   Gregor von Nazianz, Konstantinopel (380-381)

Ambrosius von Mailand, Mailand (374-397)

Verlauf

Entwicklung bis zum Konzil von Nicäa

Die Kontroverse begann 317 in Alexandria während einer informellen Diskussion über die Dreieinigkeit, die der Bischof Alexander mit seinen Ältesten führte. Einer der Ältesten, Arius, wirft dem Bischof in der Diskussion Sabellianismus vor (Sabellianismus sieht Gott als eine Person, die sich auf dreifache Weise manifestiert) und erklärt dagegen seine Meinung: es gab eine Zeit, da Jesus nicht war und aus dem Nichts ist er geschaffen, belegt sie mit einigen Bibelversen.

Gegen diese Lehre wehrt sich ein junger Diakon des Bischofs, Athanasius, energisch. Ihm geht es nicht um philosophische Überlegungen, er kämpft für die Erlösung. Jesus, als Retter der Welt, kann nicht selbst ein erlösungsbedürftiges Geschöpf sein. Wenn Arius aus Jesus ein Geschöpf macht, raubt er der Menschheit den Erlöser. Athanasius erinnert an Johannes 1. Sein Anliegen wird später am Konzil ausformuliert.

Es kommt 319 zu einer von Alexander einberufenen lokalen Synode der Bischöfe von Libyen und Ägypten. Die von Arius vertretene Lehre, dass Jesus Christus als Sohn Gottes ganz klar Gott untergeordnet, also "subordiniert" sei, wird, einmütig als Irrlehrer verurteilt und Arius aus Alexandria verbannt. Arius verbreitete jedoch seine Lehre mit Unterstützung der einflussreichen Bischöfe Eusebius von Nikomedia und Eusebius von Caesarea weiter und die Kontroverse dehnte sich innerhalb von kurzer Zeit auf den gesamten christlichen Osten aus.

Der Kaiser persönlich appelliert an Bischof Alexander und Arius, sie sollten sich doch zusammenraufen. Als er sieht, dass eine gütliche Schlichtung nicht möglich ist, beruft er 325 ein allgemeines Konzil nach Nicäa bei Konstantinopel ein.

Die christologische Frage um die Beziehung zwischen Gott und Jesus Christus eskalierte im Streit auch in der Bevölkerung derart, dass der damalige nichtchristliche Kaiser Konstantin die Stabilität im Reich gefährdet sah. So rief er im Jahre 325 der Überlieferung nach 318 Bischöfe im ersten Konzil von Nicäa nahe Konstantinopel zusammen, wo sich nach hitzigen Diskussionen die Position des Alexander gegen die Anhänger des Arius, die Arianer, durchsetzte.

Das Konzil von Nicäa

Aufgrund einer Intervention Konstantins erarbeitete das Konzil schließlich die Formeln gezeugt aus dem Wesen des Vaters und gezeugt und ungeschaffen, wesenseins (griechisch oμooυσιoς homoousios (von gleicher Substanz) mit dem Vater. Das Konzil betonte, dass der Sohn Teil der Dreieinigkeit sei, und nicht Teil der Schöpfung.

Allen Arianern wurde mit der Exkommunikation gedroht, falls sie nicht dem Nicäischen Glaubensbekenntnis, das diese Lehre zusammenfasst, zustimmten. Arius stimmt nicht zu und wird verbannt. Die Schriften des Arius wurden verbrannt, auf ihren Besitz stand nunmehr die Todesstrafe (was allerdings in der Praxis vom Kaiser nicht durchgesetzt wurde, nachdem bereits vier Jahre später der Arianer Eusebius von Nikomedia sein Hofbischof war).

Die Reaktion der Arianer

Zwei Jahre später wird Arius begnadigt, der Kaiser verlangt (vergeblich) seine Wiederaufname in die Kirche von Alexandria. Im gleichen Jahr stirbt Bischof Alexander von Alexandria und Athanasius wird sein Nachfolger.

Die erhoffte Einigung blieb aus. Im Volk sind die Meinungen sehr geteilt und werden in jedem Fall leidenschaftlich vertreten, und innerhalb weniger Jahre ist die Christenheit des Ostens tief gespalten. Alexandria ist die Hochburg der Trinitarier, die Exegetenschule von Antiochia steht auf der Seite von Arius. Die folgende Zeit ist geprägt von gegenseitigen Anklagen der nizänischen Partei und der Arianer, von Verleumdungen, Absetzungen und Verbannungen. Die arianische Partei gewann in den Jahren nach Nizäa besonders bei der höheren Geistlichkeit und den hellenistisch Gebildeten bei Hof und im Kaiserhaus viele Anhänger, so dass 360 die Mehrheit der Bischöfe freiwillig oder gezwungen arianisch stimmten (siehe unter Arianischer Streit). Es traten verschiedene arianische Synoden zusammen, die zwischen 340 und 360 vierzehn verschiedene nichttrinitarische Bekenntnisse absegneten.

Eine Synode von Tyros und Jerusalem, bei der sowohl Eusebius von Caesarea als auch Eusebius von Nikomedia eine führende Rolle spielen, nimmt Arius und seine Glaubensgenossen 335 wieder in die Kirche auf. Die gleiche Synode setzt Athanasius ab, und es gelingt ihnen, Kaiser Konstantin auf ihre Seite zu ziehen. Athanasius wird nach Trier verbannt, wo er sich mit Konstantinus, dem Sohn Kaiser Konstantins, befreundet.

336 stirbt Arius in Konstantinopel kurz vor seiner durch den Kaiser erzwungenen Wiederaufnahme in die Kirche, was der nizänische Bischof von Konstantinopel als Gottesurteil feiert (er hatte vorher gebetet, dass entweder er selbst oder Arius den Tag der Wiederaufnahme nicht erleben würden).

337 stirbt Kaiser Konstantin, nachdem er von Eusebius von Nikomedia getauft worden war. Die Grabrede hält Eusebius von Caesarea. Das Reich wird unter Konstantins drei Söhne aufgeteilt: Konstantius II. bekommt den Osten, Konstantin II. Britannien und Gallien, Konstans Italien und Illyrien. Konstantius beruft Athanasius zurück nach Alexandrien, wo er mit Begeisterung empfangen wird.

Der Arianer Eusebius von Nikomedia wird 338 Bischof von Konstantinopel, was damals in praktischer Bedeutung in etwa dem Rang des Bischofs von Rom entsprach. Im gleichen Jahr setzt ein Konzil in Antiochia Athanasius ab, er wird ein zweites Mal in Verbannung geschickt. Gregor von Kappadozien wird als Bischof von Alexandria eingesetzt (nicht identisch mit Gregor von Nazianz oder Gregor von Nyssa, die beide zwar ebenfalls Kappadozier, aber zu dieser Zeit noch im Schulalter sind). Im gleichen Jahr stirbt Eusebius von Caesarea.

Ab etwa 340 bekehrt der Arianer Wulfila die Goten zum (arianischen) Christentum. In den nächsten Jahrzehnten werden die Goten ein wesentlicher Faktor im arianischen Streit, da sie einen großen Teil des kaiserlichen Heeres stellen und damit auch politischen Einfluss haben.

Nach dem Tod von Konstantin II. 340 wird Konstans alleiniger Herrscher des Westens. Er unterstützt die Nicäaner, während sein Bruder Konstantius auf Seiten der Arianer ist. Auch Bischof Julius I. von Rom unterstützt die Trinitarier und nimmt Athanasius auf. Athanasius entwickelt in dieser Zeit gute Beziehungen zur römischen Kirche.

Solange Konstantin der Große lebte, war das Bekenntnis von Nicäa unantastbar gewesen, aber nach seinem Tod arbeiteten die Eusebianer energisch daran, die Formel von Nicäa wieder aufzuheben. Zu Lebzeiten von Konstans geschah das noch in moderater Form. 341 und 344 werden in Antiochia zwei arianische Konzile gehalten. Sämtliche anwesenden Bischöfe sind aus dem Osten, die meisten gegen Athanasius. Sie verfassen vier arianische Bekenntnisse, die eher moderat sind, das Homoousion weglassen und den extremen Arianismus verurteilen. Sie erklären, keine Arianer zu sein, da sie als Bischöfe nicht einem Priester (Arius war nur Priester gewesen) folgen könnten. In diesem Jahr stirbt Eusebius von Nikomedia.

Das Konzil, das Konstantius in Sardika zusammenruft, um die Einheit der Kirche wieder herzustellen, wird ein Fiasko. Der Westen ist gegen den Arianismus, der Osten dafür – beide Seiten verurteilen einander gegenseitig.

345 stirbt Gregor von Kappadozien und im folgenden Jahr wird Athanasius wieder als Bischof von Alexandria eingesetzt. Er wird mit Begeisterung empfangen und arbeitet in den nächsten zehn Jahren als Bischof – und weiterhin nebenamtlich als Kämpfer für den trinitarischen Glauben.

350 wird Konstans, der Kaiser des Westens, ermordet. Konstantius ist damit Alleinherrscher und plant, im ganzen Reich die Trinitarier auszuschalten. 355 wird Athanasius ein drittes Mal verbannt, dieses Mal verbringt er die Verbannung in der Wüste von Oberägypten. Konstantius beruft Konzilien ein in Arles (353), Mailand (355) und Beziers (356), in denen er die Verurteilung von Athanasius unter Gewaltandrohung durchsetzt. Die Menge an Konzilien fällt sogar heidnischen Beobachtern auf, so kommentiert einer: »Die Straßen sind voll von galoppierenden Bischöfen.« 

Auf der arianischen Seite bekommt die extreme Seite mehr Gewicht. Auf dem dritten Konzil von Sirmium (357) wird ein Bekenntnis verfasst, das durchwegs eine Subordination von Jesus unter den Vater vertritt; auf Konzilien in Nicäa und Konstantinopel wird Jesus als ähnlich (»homoiousios«; mit zusätzlichem Iota) wie Gott bezeichnet (359). Hieronymus kommentiert zwanzig Jahre später: »Die Welt erwachte mit einem Stöhnen und entdeckte, dass sie arianisch war.«

Wiederaufschwung der Trinitarier

361 stirbt Konstantius und benennt seinen Vetter Julian als Nachfolger. Julian ist weder Arianer noch Trinitarier, sondern will die alte römische Religion wieder einführen. In Alexandria gibt es einen Aufstand, der arianische Bischof wird von den Heiden ermordet und Athanasius von seinen eigenen Leuten zurückgerufen.

Nach Julians gewaltsamem Tod kommt nach einem kurzen Zwischenspiel des trinitarischen Kaisers Jovens im Osten der arianische Kaiser Valens an die Macht, im Westen der trinitarische Kaiser Valentinian I., dessen Frau Justina jedoch auf der Seite der Arianer ist.

Zu einer Wende kommt es erst in den 370er Jahren: Basilius von Caesarea wird 370 Metropolit von Caesarea und setzt trotz Druckversuchen von Kaiser Valens seinen ganzen Einfluss für die trinitarische Seite ein. Er bemüht sich, auch Damasus zu einem aktiven Einsatz zu bewegen, erreicht jedoch nicht viel, denn nach dem Tod von Athanasius war zwischen Rom und dem Osten eine Entfremdung eingetreten (nicht jedoch zwischen Mailand und dem Osten). In Kleinasien setzt sich unter dem Einfluss von Basilius die trinitarische Seite durch. Die Hauptstadt Konstantinopel ist immer noch arianisch.

374 wird Ambrosius Bischof von Mailand und arbeitet nicht nur mit Theologie, sondern auch mit politischem Einfluss für die trinitarische Seite - auch Mailand ist jetzt, trotz aller Intrigen der Kaiserin Justina, trinitarisch, der Tod Valentinians, dem sein vierjähriger Sohn auf den Thron folgt (unter Vormundschaft seiner arianischen Mutter) kann daran nichts ändern.

Basilius stirbt 379, im gleichen Jahr wird sein Freund Gregor von Nazianz von der trinitarischen Minoritengemeinde nach Konstantinopel berufen. Er beginnt in einem Kellerlokal zu predigen, die Kirchen sind ihm verschlossen - seine theologisch und rhetorisch überragenden Predigten haben jedoch, trotz massiven tätlichen Angriffen der Arianer, einen solchen Erfolg, dass er ein Jahr später unter Begeisterungsstürmen der Bevölkerung zum Metropoliten von Konstantinopel ernannt wird.

Ebenfalls 379 kommt Kaiser Theodosius an die Macht, der sich 380 trinitarisch taufen lässt und ab 380 mit Gregor von Nazianz in Konstantinopel die trinitarische Lehre durchsetzt.

Das Konzil von Konstantinopel

Theodosius beruft das 1. Konzil von Konstantinopel ein, wo unter der Führung von Gregor von Nazianz und Gregor von Nyssa, dem Bruder von Basilius von Caesarea eine Neufassung des nicänischen Glaubensbekenntnisses erarbeitet wird.

Damit ist der arianische Streit in der orthodoxen Kirche beendet. Während der Arianismus unter den germanischen Völkern, die während der arianischen Vorherrschaft christianisiert wurden (Goten, Vandalen) noch einige Jahrhunderte fortbesteht, wurde der Entscheid von Konstantinopel in der orthodoxen Kirche und katholischen Kirche nie mehr in Frage gestellt.

Literatur



Views
'Persönliche Werkzeuge
Werkzeuge
Ähnliche Links