Arbeitslosenquote
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Die Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an der Gesamtzahl der Arbeitnehmer. Die Arbeitslosenquote wird als Quotient aus der Anzahl der Arbeitslosen und des Arbeitskräftepotenzials einer Volkswirtschaft berechnet:
- <math>Arbeitslosenquote = \left(\frac{Arbeitslosenanzahl}{Arbeitskr\mathit{\ddot a}ftepotenzial} \right) \cdot 100\,%</math>
Die Aussagekraft der Arbeitslosenquote ist immer wieder umstritten. Insbesondere die Frage, ob als arbeitslos diejenigen gezählt werden, die arbeitslos gemeldet sind, oder nur diejenigen aus dieser Gruppe, die wirklich eine Arbeit anstreben und nicht aus anderen Gründen "formal" arbeitslos gemeldet sind. Wie hoch die zahlenmäßige Differenz zwischen beiden Gruppen ist, ist, je nach Definition von Arbeitslosigkeit, unterschiedlich hoch. Die Politik ist sich allerdings einig, dass die Arbeitslosigkeit im Trend zunimmt. Der Streit um die Definition hat daher nur politische und keine wirtschaftliche Bedeutung.
Rechtlich ist arbeitslos, wer Arbeit sucht und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht. Nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen zum Beispiel:
- Erwerbslose in Fortbildungs- und Umschulungsmaßnahmen
- Erwerbslose in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM)
- Erwerbslose, die bei Personal-Service-Agenturen (PSAs) beschäftigt sind
Die Politik kann die Arbeitslosenquote kurzfristig drücken, indem sie Geldmittel für ABM, PSAs oder Fortbildungen bereitstellt. Diese Gestaltungsmöglichkeit wurde in der Vergangenheit insbesondere vor Wahlen gerne genutzt.
Die Meldung bei der Arbeitsagentur als Arbeitsloser ist Voraussetzung für den Bezug von Arbeitslosengeld und anderen Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch. Daher melden sich auch Personen arbeitslos, die nicht oder nicht aktiv nach Arbeit suchen.
Früher ging man davon aus, die Arbeitslosenquote schwanke um einen unveränderlichen normalen Wert. Tatsächlich lässt sich in einigen Staaten ein arithmetischer Mittelwert bilden, von dem die Arbeitslosenquote mit der zyklischen Arbeitslosigkeit abweicht. In Deutschland und anderen Staaten steigt die Arbeitslosenquote jedoch seit den 1970er Jahren kontinuierlich an, wodurch die so genannte natürliche Arbeitslosenquote dort schwer zu bestimmen ist.
Faktoren
Die Arbeitslosenquote kann auf der Zugangsseite durch folgende Faktoren verändert werden:
- Jemand kommt neu auf den Arbeitsmarkt. Z.B. nach der Ausbildung.
- Jemand kommt erneut auf dem Arbeitsmarkt, da er oder sie aus familiären, gesundheitlichen oder anderen Gründen temporär keine Arbeit suchte.
- Jemand wechselt die Arbeitsstelle und lässt sich in der Zwischenzeit als arbeitssuchend registrieren
- Jemand verliert die Stelle und lässt sich als arbeitssuchend registrieren
Auf der Abgangsseite kommen folgende Faktoren in Frage
- Jemand erhält eine Stelle
- Jemand scheidet dauerhaft oder vorübergehend aus dem Erwerbsleben aus
Es ist offensichtlich, dass so nie von einer objektiven Arbeitslosenquote gesprochen werden kann. Werden aus der Registrierung als Arbeitssuchender keine Vorteile wie Sozialleistungen (unmittelbare Zahlungen, Versicherungsschutz) erworben, so wird jemand, der die Stelle wechselt kaum die Mühe der Registrierung auf sich nehmen. Wird die Definition für arbeitssuchend verschärft, so fällt die Arbeitslosenquote auch. Da diese Rahmenbedingungen international sehr unterschiedlich sind, ist ein Vergleich der Arbeitslosenquote sehr schwierig.
Hinzu kommt, dass es den Arbeitsmarkt einer Volkswirtschaft nur als statistische Größe gibt. Die einzelnen Teilmärkte können sich zum gleichen Zeitpunkt fundamental voneinander unterscheiden. Man denke nur an die Teilmärkte EDV-Dienstleistungen und Montan-Industrie Ende des zwanzigsten Jahrhunderts.
Lässt man die oben geschilderten statistischen Probleme außen vor, so bleiben aber immer noch erhebliche Differenzen zwischen den einzelnen Volkswirtschaften und auch im zeitlichen Verlauf übrig. Die Suche nach den Steuergrößen auf dem Arbeitsmarkt und damit nach den Ursachen für diese Differenzen und Schwankungen ist Gegenstand der Volkswirtschaftslehre. Hierzu wurden eine Unzahl von, sich durchaus widersprechenden, Theorien geschaffen.
Erwerbslosenquote
In Deutschland ist im wissenschaftlichen und politischen Diskurs die Erwerbslosenquote von der Arbeitslosenquote abzugrenzen. Die Erwerbslosenquote wird vom Statistischen Bundesamt nach den international vergleichbaren Kriterien der ILO ermittelt und monatlich im Rahmen der "ILO-Arbeitsmarktstatistik" veröffentlicht. Prinzipiell erfolgt die Berechnung wie bei der Arbeitslosenquote: Die Erwerbslosenquote stellt den Anteil Erwerbsloser an allen Erwerspersonen (bestehend aus Erwerbstätigen und Erwerbslosen) dar.
Den Konzepten von Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit unterliegt der gemeinsame Grundgedanke, dass als arbeitslos bzw. erwerbslos gilt, wer während einer bestimmten Periode ohne Arbeitsplatz ist, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und Arbeit sucht. Durch die Verwendung unterschiedlicher Erhebungsmethoden und unterschiedlicher Abgrenzungen ergeben sich jedoch Unterschiede. So fordert das Sozialgesetzbuch (SGB) eine Meldung bei einer Arbeitsagentur oder einem kommunalen Träger sowie die Suche nach einer Beschäftigung von mindestens 15 Wochenstunden, um als arbeitslos erfasst zu werden; beides wird nach den Kriterien der ILO für Erwerbslosigkeit nicht verlangt. Andererseits kann nach dem SGB trotz registrierter Arbeitslosigkeit eine Erwerbstätigkeit mit einem Umfang unter 15 Stunden als Hinzuverdienstmöglichkeit ausgeübt werden; das ILO-Konzept hingegen zählt jede Person, die einen Beitrag zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung leistet, als erwerbstätig, auch wenn dieser Beitrag in nur einer Stunde Arbeit besteht. Es sind somit zum einen in der ILO-Arbeitsmarktstatistik Erwerbslose enthalten, die die Bundesagentur für Arbeit nicht als arbeitslos zählt. Zum anderen gelten in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit auch Personen als arbeitslos, die nach Definition der ILO-Arbeitsmarktstatistik nicht erwerbslos sind. Die Erwerbslosenquote ist in Deutschland deutlich niedriger als die Arbeitslosenquote.
International betrachtet varieren die Arbeitslosenquoten. Hier ein kleiner Auszug (Quelle: Französisches Wikipedia):
| Staaten | Arbeitslosenquote 2003 |
|---|---|
| Portugal | 19,6 % |
| Spanien | 11,3 % |
| Türkei | 10,5 % |
| Frankreich | 9,7 % |
| Deutschland | 8,7 % |
| USA | 6,0 % |
| Australien | 5,7 % |
| Japan | 5,3 % |
| UK | 5,0 % |
| Südkorea | 3,4 % |
Quelle: OECD



