Amalgam

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Bild:Amalgam filling.JPG Ein Amalgam (arabisch al-malgam = erweichende Salbe, griechisch malagma = das Erweichende, nach anderer Etymologie arabisch 'amal al-gima' = Akt der körperlichen Vereinigung) ist eine (nicht ohne weiteres) umkehrbare Vermischung von zwei Stoffen, meist die Legierung mehrerer Metalle. Üblicherweise versteht man darunter Legierungen des Quecksilbers. Da viele Metalle in Quecksilber löslich sind (eine Ausnahme ist z.B. Eisen), gibt es sehr viele Amalgame. Amalgame mit sehr großem Quecksilberanteil sind oft – wie das Quecksilber selbst – flüssig, bei kleineren Quecksilbergehalten sind sie fest.

In der klassischen Alchemie wird die Amalgamierung des Quecksilbers mit anderen Metallen oft mit der körperlichen Vereinigung verglichen. Als alchemistisches Lexem ist mlat. amalgama seit dem 13. Jht. belegt.

In der Praxis ist die Verschmelzung von Quecksilber mit anderen Metallen jedoch keineswegs unumkehrbar: Im Mund treten Korrosion und Abrasion auf und die Bestandteile der Verbindung, bei Zahnfüllungen sind darunter auch Schwermetalle wie Kupfer und Zinn, gelangen in den Organismus. Quecksilber verdampft sogar zu Quecksilberdampf, dies wird auch vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in seiner Broschüre[1] bestätigt.

Verwendung als Zahnfüllung

Eine wichtige und häufige Anwendung der Amalgame ist die Verwendung als Füllung für Zähne, z.B. in der Form von Silberamalgam. Silberamalgam enthält etwa 50% Quecksilber, ca 35% Silber und geringere Anteile an Kupfer und Zinn: es wird nach Vermischen des flüssigen Quecksilbers mit einer Feilungsmischung der festen Metalle plastisch verarbeitet. Die seit ca. 20 Jahren in der Zahnheilkunde üblichen Non-Gamma-2-Phasen-Silberamalgame enthalten etwas mehr Kupfer und weniger Zinn als frühere Mischungen und sind dadurch korrosionsbeständiger.

Kupferamalgam enthält als zweiten Hauptbestandteil Kupfer anstatt Silber und wurde bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ebenfalls als Material für Zahnfüllungen verwendet. Wegen seiner geringeren chemischen Beständigkeit und der umweltschädlichen Verarbeitung (es wurde vorgemischt geliefert und mußte zur Verarbeitung durch Erhitzen erweicht werden) wurde es später durch Silberamalgam ersetzt.

Der Vorteil von Amalgam als Füllungsmaterial liegt in der relativ einfachen, auch unter schwierigen Bedingungen im Mund weitgehend fehlerfrei möglichen Verarbeitung und in seiner Haltbarkeit, die bei vergleichbar korrekter Verarbeitung auch heute noch mit keinem anderen plastischen Material erreicht werden kann. Zudem ist Amalgam erheblich billiger als moderne Füllungskunststoffe, die ihre Vorteile hauptsächlich in der zahnähnlichen Farbe und in der Möglichkeit einer adhäsiven Befestigung an der Zahnsubstanz haben.

Die Biokompatibilität von Füllungsamalgam ist u. a. wegen der Korrosionsanfälligkeit (Quecksilbersalze werden aus dem Amalgam herausgelöst) sehr umstritten. Eine klinisch relevante, systemische Quecksilbervergiftung durch Amalgamfüllungen konnte allerdings trotz jahrzehntelanger, breitester Verwendung dieses Füllstoffs nie zweifelsfrei nachgewiesen werden. In jüngster Zeit werden vor allem Reaktionen bei Allergikern und systemische Schäden durch elektrochemische Effekte vermutet. So wird Amalgam sicherheitshalber seit etlichen Jahren bei Schwangeren und Kindern nicht mehr empfohlen. Amalgam gilt nach überwiegender, medizinischer Auffassung nach wie vor als medizinisch korrektes Füllungsmaterial für den Seitenzahnbereich.

Kritiker wenden jedoch ein, dass verantwortungsbewusste Zahnärzte heutzutage kein Amalgam mehr verwenden sollten, da viele Patienten, die von der Schädlichkeit des Amalgams überzeugt waren, von einer Besserung ihrer Beschwerden nach Amalgamentfernung berichten.

Amalgamreste werden in sogenannten Amalgamabscheidern gesammelt und müssen als Sondermüll entsorgt werden. Dieses hat allerdings weniger mit dem Werkstoff Amalgam zu tun und kann nicht als Beweis für die Schädlichkeit des Materials angeführt werden. Quecksilber in elementarer Form wird vom Körper nicht aufgenommen und ist mithin unschädlich. Schädlich hingegen sind organische Quecksilberverbindungen, wie sie in Schlämmen entstehen können. Aus diesem Grunde sind z.B. Fische oftmals hochbelastet.

Nach Jahren der Medienhysterie kam es im Jahre 1997 zu einem Konsenspapier des Bundesgesundheitsministeriums, des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie diversen zahnärztlichen Gesellschaften und Institutionen zu einer Versachlichung des Themas. Grundsätzliche Gesundheitsgefahren des Materials waren bis dato nicht erbracht worden. Die Einschränkungen der Verwendung bei Kindern und Schwangeren wurden nicht bestätigt. Ähnliche Empfehlungen kamen in den letzten Jahren von der EU. Endgültige Entwarnung gab im Dezember 2004 eine Studie des "Life Sciences Research Office" der USA. In einer auswertenden Studie aller Forschungsarbeiten seit 1996 wurde kein Nachweis der Gefährdung durch Amalgamfüllungen gefunden.

Andere Einsatzgebiete

Ein technisch wichtiges und in großem Maßstab hergestelltes Amalgam ist auch das Natriumamalgam, das bei der Chlor-Alkali-Elektrolyse als Zwischenprodukt entsteht. Es wird mit Wasser zu Natronlauge und Quecksilber zersetzt, das im Kreislauf wieder zur Elektrolyse verwendet wird.

Da die Alkalimetalle Amalgame bilden, z.B. bei der Elektrolyse von Lösungen der Alkalimetallionen mit Quecksilberelektroden, hat man auch versucht, ein Ammonium- bzw. Ammoniakamalgam herzustellen (das Ammoniumion verhält sich oft den Alkalimetallionen ähnlich); Ammoniumamalgam zersetzt sich aber zu Quecksilber, Ammoniak und Wasserstoff.

Bei der Goldgewinnung wird teilweise noch Quecksilber eingesetzt. Dieses bildet mit dem Gold, das in kleinen Flittern mit Gestein vermengt vorliegt, ein zunächst flüssiges Amalgam. Um reines Gold zu erhalten, wird das Amalgam erhitzt. Dabei entstehen sehr giftige Quecksilberdämpfe.

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