Ärzte ohne Grenzen
aus Freepedia, der freien Wissensdatenbank
Bild:MSF Logo fr de.jpg Ärzte ohne Grenzen ist der Name der deutschsprachigen Sektionen der 1971 gegründeten internationalen Organisation Médecins Sans Frontières (MSF). Die private Hilfsorganisation leistet medizinische Nothilfe in Krisen- und Kriegsgebieten.
Die Hilfsprojekte sind unterschiedlicher Natur und reichen vom (Wieder-)Aufbau von Krankenhäusern über die Erstellung von Brunnen bis zur einfachen Aufklärung der Bevölkerung. Die meisten Mitarbeiter sind Ärzte und Pflegekräfte, aber auch Vertreter anderer Berufe unterstützen die Organisation aktiv. Das internationale Netzwerk von Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen setzt sich aus Sektionen in 19 Ländern zusammen.
Inhaltsverzeichnis |
Grundsätze
Ärzte ohne Grenzen arbeitet immer unabhängig, neutral und unparteiisch (siehe Weblinks, Charta), nur so ist es möglich, in Krisenregionen zu arbeiten.
Aber Ärzte ohne Grenzen sieht auch das Witnessing ("Zeuge sein") im Rahmen der medizinischen Nothilfe als eine wichtige Aufgabe. Witnessing bedeutet, wenn notwendig, auf Völker in Not aufmerksam zu machen. Anhand von Berichten der Mitarbeiter vor Ort wird in der MSF-Einsatzzentrale entschieden, welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Mögliche Aktionen sind: Gespräche mit Verantwortlichen, Lobbying oder öffentliche Aufklärungskampagnen, im schlimmsten Falle sogar der Rückzug aus einem Einsatzgebiet.
Diese Fürsprache für die Opfer von Not und Gewalt wurde 1999 durch die Verleihung des Friedensnobelpreises besonders geehrt.
- “Das norwegische Nobel-Komitee hat entschieden, den Friedensnobelpreis 1999 an Ärzte ohne Grenzen zu vergeben, in Anerkennung der bahnbrechenden humanitären Arbeit dieser Organisation auf mehreren Kontinenten.” (The Nobel Foundation)
Geschichte
Stand 2005 gibt es 19 MSF-Sektionen in verschiedenen Ländern. MSF ist in über 70 Ländern tätig.
Geschichte der Organisation
Die Ärzte ohne Grenzen wurden am 20. Dezember 1971 als Médecins Sans Frontières von jungen französischen Ärzten gegründet. Diese waren zuvor, enttäuscht von den begrenzten Möglichkeiten helfen zu können, aus dem Bürgerkrieg in Biafra und aus dem von einer Flutkatastrophe betroffenen Bangladesch zurückgekehrt. 1976 erreicht die Organisation die Aufmerksamkeit einer größeren Öffentlichkeit durch den Einsatz in einem von christlichen Milizen eingeschlossenen schiitischen Viertel Beiruts (Libanon).
Im Jahr 1979 verließen der Mitbegründer Bernard Kouchner und einige weitere die Organisation und gründen Médecins du Monde (MDM). 1980 wurde in Belgien wird die zweite MSF-Sektion gegründet, 1981 erfolgt eine weitere Sektion mit Sitz in Genf. 1993 erhielt die Organisation vom UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge die Nansen-Medaille. Die deutsche Sektion Ärzte ohne Grenzen e.V. wurde im gleichen Jahr gegründet. 1985 wurden Vertreter der Organisation aus Äthiopien verwiesen, nachdem die französische Sektion die Unterschlagung humanitärer Hilfe sowie Zwangsumsiedlungen durch das Mengistu-Regime öffentlich kritisiert hatte. Aufgrund des Drucks der internationalen Aufmerksamkeit sowie aufgrund der Androhung der Sperrung von Geldern durch die wichtigsten Geberländer lenkte das Regime ein. Im Jahr 1989 kamen bei einem Abschuss eines Piloten ohne Grenzen-Flugzeugs mit einer Rakete im Sudan neben anderen Opfern zwei Mitarbeiter um Leben. Die Organisation verließ daraufhin den Südsudan bis 1992.
1990 wurde in Afghanistan ein MSF-Logistiker ermordet. Die Organisation unterbricht daraufhin die Aktivitäten im Land bis 1992. 1993 kam es zu einer scharfen Verurteilung der Vorgehensweise der Vereinten Nationen in Somalia, da humanitäre Prinzipien verletzt wurden. Im gleichen Jahr stellte die Organisation die Aktivität im irakischen Kurdistan nach der Ermordung eines Handicap International-Mitarbeiters ein.
1994 wurde in Wien das Büro der österreichischen Sektion Ärzte ohne Grenzen eingerichtet. Im Jahr 1995 wurden die Mitarbeiter der Organisation mit 37 weiteren humanitären Organisationen aus Ruanda verwiesen. Man hatte zuvor das Blutbad durch ruandische Truppen im Vertriebenenlager Kibeho kritisiert. Am 10. Dezember 1999 wurde der Organisation für ihre Arbeit der Friedensnobelpreis verliehen.
Im Jahr 2001 wurden zwei Mitarbeiter entführt, in Kolumbien wird einer nach sechsmonatiger Entführung unversehrt freigelassen, in Tschetschenien kommt ein weiterer Mitarbeiter nach einem Monat wieder frei. 2002 erfolgt eine Entführung in Dagestan des MSF-Mitarbeiters Arjan Erkel entführt, der im Mai 2004 nach 20-monatiger Entführung freigelassen wird. Am 2. Juni 2004 wurden in Afghanistan fünf Mitarbeiter (eine Belgierin, ein Norweger, ein Niederländer und zwei Afghanen) in einem Hinterhalt der Taliban getötet. MSF sieht eine der Ursachen für dieses Attentat in der bereits davor kritisierten Instrumentalisierung und dem Missbrauch humanitärer Hilfe für politische Zwecke durch die Koalitionstruppen unter US-amerikanischer Führung, so wurden z.B. Afghanen mittels Flugblättern dazu aufgefordert, Informationen über die Taliban und Al Kaida zu liefern um weiterhin humanitäre Hilfe zu erhalten. Aufgrund dieses Vorfalls und des trotzdem anhaltenden Missbrauchs durch die Koalitionstruppen stellte die Organisation die Arbeit in Afghanistan am 28. Juli 2004 nach 24-jähriger Tätigkeit ein.
Im Jahr 2005 kritisieren die Ärzte ohne Grenzen die Vereinten Nationen scharf: Man habe die Hungerkatastrophe im Niger zu spät an die Öffentlichkeit getragen, bis heute sind Hunderttausende von der Dürre betroffen.
Siehe auch
- Apotheker ohne Grenzen
- Reporter ohne Grenzen
- Luftfahrt ohne Grenzen
- Geschichte der Medizin
- Liste bedeutender Mediziner und Ärzte
- Nichtstaatliche Organisation
Weblinks
- Die Charta von Ärzte ohne Grenzen
- Webseite der deutschen Sektion
- Webseite der österreichischen Sektion
- Webseite der schweizerischen Sektion (deutsch/französisch)
- Internationale Seite der Médecins Sans Frontières (englisch)
- MSF-HK (Hong Kong)
- Informationen der Nobelstiftung zur Preisverleihung 1999 für die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" (englisch)



